Sturmschäden Meldung

Herbststürme richten jedes Jahr Millionenschäden an. Vor allem Hausbesitzer sollten sich dagegen versichern. Eine einzige Police reicht aber nicht.

Umgestürzte Bäume, abgedeckte Dächer, zerbeulte Autos: Schwere Orkane sorgen beinahe in jedem Herbst für Schlagzeilen. Wer sich gegen Schäden absichern will, braucht mindestens vier Versicherungen fürs Haus und eine Kasko fürs Auto.

Gebäudeversi­cherung

70 Prozent aller Orkanschäden entstehen am Haus. Deshalb ist eine Gebäudeversi­cherung besonders wichtig. In der Regel bietet sie den Dreifachschutz gegen Sturm/Hagel, Feuer und Leitungswasser. Die Versicherung steht zum Beispiel ein, wenn das Dach abgedeckt, Schornsteine umgestürzt, Mauern eingedrückt sind oder wenn ein entwurzelter Baum aufs Haus gekippt ist. Nebengebäude wie eine Garage auf dem gleichen Grundstück sind inklusive, wenn sie in der Police vermerkt und in der Versicherungssumme berücksichtigt sind.

Wichtig: Den Versicherten trifft eine Schadenminderungspflicht. Er muss zum Beispiel ein zerbrochenes Fenster mit einer Plane gegen weiteren Regen abdichten.

Bevor die Versicherung zahlt, muss es aber kräftig gestürmt haben: Mindestens Windstärke 8 ist Voraussetzung. Als Nachweis, dass es wirklich so heftig war, reicht es, wenn eine Wetterstation solche Sturmstärken in der betreffenden Gegend gemessen hat (OLG Karlsruhe, Az. 12 U 251/04).

Schadenersatz gibt es aber nur, wenn der Kunde seine Immobilie ordentlich pflegt und Mängel beseitigt. Einen Fachmann muss er aber nicht regelmäßig kommen lassen. Deshalb bekam ein Hausbesitzer Schadenersatz, obwohl das Dach alt und verschlissen war, was aber nicht so offen zutage trat, dass er es bemerken musste (OLG Koblenz, Az. 10 U 1018/08). Beim Kauf eines Hauses geht die Versicherung automa­tisch auf den Käufer über. Er kann sie dann kündigen und woanders neu abschließen.

Elementarschadenversicherung

Nicht über die Gebäudeversicherung abgedeckt sind Schäden durch Hochwasser, Überschwemmung, Erdrutsch und Erdbeben – es sei denn der Kunde hat noch eine alte DDR-Police, die später von der Allianz übernommen wurde. Sie schließt Hochwasser ein. Ansonsten muss das separat versichert werden mit einer Elementarschadenversi­cherung. Im Paket mit dem Dreifach-Wohngebäudeschutz kostet das ab etwa 250 Euro pro Jahr für ein mittleres Einfamilienhaus. Doch ausgerechnet bei Immobilien, für die solche Verträge dringend nötig wären, legen viele Versicherer sich quer. Sie teilen bundesweit alle Gebäudehausnummern genau in vier Gefährdungszonen ein. Wer zum Beispiel am Kölner Rheinufer wohnt, bekommt wegen der höheren Gefahr solch eine Police gar nicht oder nur gegen hohen Aufpreis. Außerdem sehen die Verträge oft eine 10-prozentige Selbstbeteiligung vor.

Tipp: Überschwemmungsschäden entstehen nicht nur in typischen Hochwassergebieten. Vielmehr ist immer öfter Stark­regen die Ursache. Die Police ist daher auch für Hausbesitzer interessant, die weit abseits gefährdeter Flüsse wohnen.

Wichtig: Häufig läuft der Keller nur deshalb voll, weil starke Regengüsse die Kanalisation überfordern, sodass sich das Wasser auf der Straße sammelt. Ausgerechnet solche Rückstauschäden bleiben aber in vielen Elementarschadenpolicen außen vor. Achten Sie darauf, dass sie eingeschlossen sind.

Hausratversicherung

Die Gebäudeversicherung steht fürs Haus ein, ebenso für fest damit verbundene Einbauten, zum Beispiel eine Einbauküche oder festverklebte Teppichböden – nicht aber für die Einrichtung. Da ist die Hausratversicherung zuständig, zum Beispiel wenn ein Fenster zu Bruch geht und dabei Möbel in der Wohnung zerstört.

Gartenmöbel sind meist nicht mitversichert, denn die Hausratpolice gilt nur für die Wohnung und geschlossene Räume in Nebengebäuden, nicht aber für die Terrasse (Amtsgericht München, Az. 251 C 19971/06).

Haftpflichtversicherung

Wenn ein Blumentopf vom Sims geweht wird und einen Fußgänger trifft, kann es teuer werden. Dem Geschädigten steht Schadenersatz zu, wenn den Wohnungsbesitzer eine Schuld trifft. Und das ist meist der Fall, wenn zum Beispiel schon bei leichtem Sturm Dachziegel auf ein geparktes Auto fallen. Zumindest einem „normalen“ Sturm muss ein ordentlich gewartetes Dach standhalten, meinte kurz und bündig das Landgericht Koblenz und verdonnerte den Hauseigentümer (Az. 13 S 16/06).

Baumbesitzer sollten regelmäßig eine Sichtkontrolle durchführen. Im Regelfall reicht es, die Bäume zweimal im Jahr zu prüfen – im belaubten und im unbelaubtem Zustand (Bundesgerichtshof, Az. III ZR 225/2003). Bei verdächtigen Umständen wie trockenem Laub, dürren Ästen, Beschädigungen oder eigenartiger Schiefstellung müssen sie den Baum eingehender untersuchen. Das gilt erst recht, wenn der Stamm erkennbar durch Sturm oder Blitzschlag geschädigt ist oder Pilzbefall zeigt (OLG Hamm, Az. 9 U 144/2002). Auch wenn die Standsicherheit wegen des hohen Alters nicht mehr gegeben ist, muss der Besitzer den Baum fällen (BGH, Az. V ZR 319/02).

Unterlässt der Baumbesitzer die notwendigen Schutzmaßnahmen, verstößt er gegen seine „Verkehrssicherungspflicht“ und muss Schäden ersetzen. Unter Umständen haftet er sogar dann, wenn dem Baum gar nicht anzusehen war, dass er marode war. Ein gesunder Baum wird bei Windstärke 7 bis 8 nicht entwurzelt, urteilte das Oberlandesgericht Düsseldorf. Der Baum müsse also schadhaft gewesen sein (Az. 4 U 73/01).

Für solche Unglücksfälle ist die Privathaftpflichtversicherung da. Jeder Hausbe­sitzer sollte unbedingt eine haben. Für vermietete Immobilien gibt es eine separate Grundbesitzerhaftpflicht.

Kfz-Versicherung

Schleudert der Sturm Dachziegel, Äste oder Bäume aufs Auto, kann der Besitzer vom Grundstückseigentümer nur Schadener­satz verlangen, wenn den eine Schuld trifft. Und dafür ist der Nachweis erforderlich, dass er nicht genug aufgepasst, also seine „Verkehrssicherungspflicht“ verletzt hat, etwa wenn das Dach offensichtlich marode war. Das gilt auch, wenn eine Orkanböe ein sauber verankertes Verkehrsschild gegen ein Auto schleudert: Die Stadt muss keinen Schadenersatz leisten, da Schilder nicht auf extreme Wetterlagen ausgelegt sein müssen (OLG Koblenz, Az. 12 U 11/03).

In dem Fall kann der Fahrer sich an seine Teilkaskoversicherung wenden – wobei meist Windstärke acht die Voraussetzung ist. Noch teurer wird es, wenn den Autofahrer eine Mitschuld trifft: Dann muss er den Schaden mitbezahlen, zum Beispiel wenn er optimistisch in eine überflutete Straße fährt und dann doch nicht durchkommt.

Vorsicht gilt auch beim Parken: Wer im Herbst unter einem Walnussbaum oder einer Kastanie parkt und am Morgen Dellen im Autodach findet, kann sich nicht an den Baumbesitzer wenden (Oberlandesgericht Stuttgart, Az. 4 U 100/02). Die Teilkasko zahlt nur bei Sturm, und die Vollkasko in der Regel nur bei einem unvorhersehbaren und plötzlichen Ereignis. Außerdem sehen viele Policen eine Selbstbeteiligung vor.

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