Zwischen dem teuersten und dem güns­tigsten Studien­kredit liegen 2 861 Euro Schulden. Das ist unser Test­ergebnis für einen Modell­studenten.

Zu diesem Thema bietet test.de einen aktuel­leren Test: Studienkredite.

Pro Monat braucht ein Student im Durch­schnitt rund 800 Euro zum Leben. Schon für ein Bachelor-Studium mit sechs Semestern kommen fast 30 000 Euro zusammen. Das hat das Deutsche Studenten­werk errechnet.

In den meisten Fällen kommt knapp die Hälfte des Geldes von den Eltern. Verdienen sie aber so wenig, dass sie ihren studierenden Kindern kaum helfen können, zahlt der Staat Bafög nach dem Bundes­ausbildungs­förderungs­gesetz. Die Studenten bekommen monatlich bis zu 670 Euro.

Zwei Drittel aller Studierenden gehen neben dem Studium oder zumindest in der vorlesungs­freien Zeit arbeiten. Doch das wird angesichts der verkürzten und intensi­veren Studien­gänge immer schwieriger. Da tun sich Finanzlü­cken auf.

Finanzlücke mit Kredit füllen

Banken und Sparkassen stehen bereit, finanzielle Engpässe während des Studiums mit einem Studien­kredit zu schließen.

Allein die staatliche Förderbank KfW hat im vergangenen Jahr ihren jungen Kunden fast 22 000 Studien­kredite zugesagt. Die Kredite gingen vor allem an Studenten, die sich ohne dieses Geld das Studium gar nicht hätten leisten können, berichtet die Bank. Die privaten Banken haben seit 2006 knapp 20 000 Studien­kredite vergeben.

Mit dem richtigen Anbieter sparen Studenten viel Geld. Genau 2 861 Euro Schulden liegen zwischen dem teuersten und dem güns­tigsten Kredit in unserem Test.

Teuerste Bank ist in unserem Modell­fall die Deutsche Bank. Sie war im Jahr 2005 die erste Bank, die einen Studien­kredit angeboten hat. Güns­tigster Anbieter ist die regionale Vereinigte Raiff­eisen­bank Gräfen­berg-Forchheim-Eschenau-Herolds­berg.

Wir haben die Finanzierung eines dreijäh­rigen Bachelor­studiums mit einer Auszahlung von monatlich 300 Euro zugrunde gelegt. Die Berechnungen ergaben für die Deutsche Bank einen Effektivzins von 7,73 Prozent und für die Vereinigten Raiff­eisen­banken 3,76 Prozent.

An die Deutsche Bank muss der Student mit dem Beispiel­kredit inner­halb von sieben Jahren 16 723 Euro zurück­zahlen. Bei den Vereinigten Raiff­eisen­banken Gräfen­berg-Forchheim-Eschenau-Herolds­berg sind es nur 13 450 Euro.

Die Vereinigten Raiff­eisen­banken nehmen allerdings nur Kunden aus der fränkischen Region an. Bundes­weit für alle Studenten macht die KfW mit einem Effektivzins von 4,46 Prozent das beste Angebot. Dort zahlen sie für den Beispiel­kredit 13 862 Euro zurück.

Nur wenige verschiedene Angebote

Finanztest hat die Angebote von 72 Banken unter die Lupe genommen. Wir wollten wissen, ob und zu welchen Bedingungen die Kredit­institute Studien­kredite vergeben, wie hoch die Zinsen sind und wie die Bedingungen für die Rück­zahlung sind.

Damit die Angebote besser vergleich­bar sind, haben wir den Effektivzins für mehrere Modell­fälle berechnet. Im ersten Fall nimmt der Student einen Kredit für drei Jahre Bachelor­studium auf, im zweiten Fall finanziert er damit nur ein Jahr Examens­zeit.

Weil Bayern, Nieder­sachsen und Baden-Württem­berg noch Studien­gebühren verlangen, haben wir auch für deren Finanzierung ein Beispiel berechnet. Das „Ländle“ schafft die Studien­gebühren aber zum Sommer­semester 2012 ab.

Einen eigenen Studien­kredit bietet außer der Deutschen Bank keine weitere große Privatbank an. Commerz­bank, Targo­bank und Hypo­ver­eins­bank vermitteln den KfW-Studien­kredit genau wie 26 weitere der befragten Banken. Mit eigenen Produkten am Markt sind eher die regionalen Kredit­institute, vor allem die Sparkassen.

Die Zinsen für Studien­kredite sind im Vergleich zum Juli 2010 im wesentlichen gleich geblieben und immer noch günstig. Nur die staatliche KfW und die Sparkasse Herford haben die Zinsen für ihre Kredite leicht ange­hoben. Sie spiegeln damit den allgemeinen Zins­trend wider.

Auszahlung in monatlichen Raten

Gemein­sam ist allen Studien­krediten nur die Einteilung in drei Phasen: die Auszahlungs­zeit, die Ruhephase und die Jahre der Rück­zahlung.

In der ersten Phase zahlt die Bank den Kredit in Monats­raten über die Studien­zeit verteilt aus. Die Höhe der Auszahlraten kann der Student selbst fest­legen und während der Lauf­zeit auch verändern.

Die Ober­grenze liegt bei 800 Euro. So viel würden die Deutsche Bank und die Sparkasse zu Lübeck auszahlen. Bei der KfW gibt es maximal 650 Euro pro Monat.

An die Auszahl­phase schließt sich eine ein- oder zweijäh­rige Ruhephase an. Der Student bekommt kein Geld mehr, muss aber auch noch nichts zurück­zahlen.

Danach muss die Rück­zahlung des Darlehens beginnen – egal wie hoch das Einkommen ist oder ob der Absolvent über­haupt eine Anstellung hat.

Studenten, die sich zum Beispiel nur das erste Studien­jahr finanzieren lassen, müssen daran denken, dass sie nach einer einjährigen Ruhephase mit der Rück­zahlung im dritten Studien­jahr beginnen müssen. Ohne eigenes Einkommen ist das eine schwierige Sache.

Die Hälfte der befragten Banken setzt für Auszahl- und Rück­zahl­phase jeweils einen festen Zins an. Das ist gut für den Studenten, denn so ist die Belastung der Haus­halts­kasse über die gesamte Kredit­lauf­zeit plan­bar.

Die KfW hat in beiden Phasen variable Zinsen. Das heißt, sie passt während der Kredit­lauf­zeit die Zinsen dem allgemeinen Zins­niveau an. Das ist für die Studenten ein Nachteil, denn sie wissen nicht, wie viel sie am Ende zurück­zahlen müssen. Wenigs­tens legt die KfW aber einen Höchst­zins fest.

Egal ob fester oder varia­bler Zins: Die Konditionen für die Rück­zahlung werden erst kurz vor Beginn der Tilgung fest­gelegt.

Studenten sollten auch darauf achten, wann sie die Kreditzinsen zahlen müssen. Denn die Zinsen sind manchmal lange vor der Rück­zahlung fällig.

Dann sinkt die Auszahlrate mit jedem Monat, und am Ende des Studiums wird nur noch ein Teil der ursprüng­lichen Rate ausgezahlt – in einer Phase, in der viele am wenigsten Zeit zum Jobben haben. So bekommt jemand mit einem Kredit der Hamburger Sparkasse ­ als letzte Rate der dreijäh­rigen Auszahlung statt 300 Euro im Monat nur noch rund 265 Euro.

Besser ist ein Angebot, bei dem die Zinsen erst mit der Rück­zahlung fällig werden.

Besser Spezial­kredite nutzen

Das ganze Studium auf Pump zu leben, ist teuer. Studierende sollten lieber nur die Zeiten finanzieren, in denen sie das Geld besonders nötig haben, zum Beispiel den Endspurt. Die Kredite dafür sind güns­tiger als die allgemeinen Studien­kredite.

Bundes­weit für alle Studenten gibt es den Bildungs­kredit der KfW – nicht zu verwechseln mit dem KfW-Studien­kredit. Die monatliche Auszahlrate kann 100, 200 oder 300 Euro betragen. Sie wird längs­tens für zwei Jahre gezahlt.

Bachelor-Studenten können den Bildungs­kredit nach Leistungs­nach­weis beantragen. Der Kredit ist mit einem Effektivzins von zum Beispiel 2,52 Prozent bei einer monatlichen Auszahlung von 300 Euro für ein Jahr günstig. Der Kredit wird inner­halb von drei Jahren mit monatlich 120 Euro zurück­gezahlt.

Günstig kommen auch die Studenten in Hamburg und Nord­rhein-West­falen in der Examens­phase weg. Die dortigen Darlehens­kassen zahlen in unserem Beispiel 400 oder 500 Euro für ein Jahr. Für die Rück­zahlung haben die Absolventen etwa vier Jahre Zeit und müssen monatlich 100 oder 140 Euro abstottern.

Kredite der Darlehens­kassen sind meist zinslos und trotz der Bearbeitungs­gebühren sehr günstig. Die Studenten bekommen den Kredit aber nur bewil­ligt, wenn sie einen Bürgen haben oder eine Bank­bürg­schaft vorweisen. Damit soll auch erreicht werden, dass nur Studenten den Kredit in Anspruch nehmen, die ihren Abschluss in nächster Zeit erreichen.

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