Studienkredite Meldung

Studium mit KfW-Bildungskredit. Anja Galinsky hat sich ein gutes Jahr lang 300 Euro monatlich geliehen.

Ein Studienkredit von der Bank macht das Studentenleben leichter. Doch sie verlangt alles mit Zins zurück. Besonders günstige Angebote machen kleine, regionale Kreditinstitute.

Studenten bekommen günstigere Kredite als andere Menschen. Die staatliche KfW Förderbank verlangt einen Effektivzins ab 5,15 Prozent, einige regionale Banken liegen sogar deutlich unter 5 Prozent. Davon können andere Kreditkunden nur träumen.

Unsere Stichprobe enthält bundesweite Angebote und eine Auswahl von Krediten, die nur Studenten aus bestimmten Regionen oder von einzelnen Universitäten bekommen können. Vollständig ist die Übersicht nicht, doch sie zeigt, dass es sich lohnt, bei kleinen Banken am Heimat- oder Studienort nachzufragen.

Unschlagbar ist das Angebot der Vereinigten Raiffeisenbank (VR-Bank) Gräfenberg-Forchheim-Eschenau-Heroldsberg für Studierende in Nürnberg und Unterfranken. Sie verlangt 3,5 Prozent festen Zins während der Auszahlung und 4,4 Prozent variabel in der Tilgungsphase.

Kaum schlechtere Konditionen haben die VR-Banken in Hof mit 4,95 Prozent und in Rothenburg mit 4,50 Prozent festem Effektivzins für ihr Darlehen.

Für Studenten, die bereits im Hauptstudium sind, ist die Deutsche Kreditbank günstig. Sie hat ihr Angebot, das im vergangenen Jahr nur für Studierende in Berlin und Ostdeutschland galt, auf ganz Deutschland ausgedehnt und den Zinssatz gesenkt. Jetzt verlangt sie einen festen Effektivzins zwischen 4,86 und 5,02 Prozent.

Wer sich nur Geld für Studiengebühren borgen will, kann bei den Landesbanken nachfragen. Die NRW-Bank verlangt zum Beispiel 4,84 Prozent variablen Zins.

Kredit mit schwankendem Zins

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Gute Aussicht. Inzwischen ist Anja Galinsky Apothekerin. Ab 2007 zahlt sie ihren Kredit von 4 185 Euro zurück.

Der Studienkredit der staatlichen KfW Förderbank ist bundesweit zu haben und ab dem ersten Semester. Da die KfW ihre Darlehen nicht selbst ausgibt, vermitteln andere Banken sie (siehe „KfW-Kreditanbieter“). Einen Studienplan, wie ihn etwa die Deutsche Bank verlangt, müssen die Antragsteller nicht vorlegen.

Die KfW verlangt derzeit 5,1 Prozent Nominalzins. Der tatsächliche Preis, der Effektivzins, beträgt im günstigsten Fall 5,15 Prozent. Er ist etwas höher, weil er zum Beispiel auch die Art der Zins- und Tilgungsverrechnung erfasst.

Der Zins des Kredits ist aber nicht für die ganze Laufzeit festgelegt. Jedes halbe Jahr entscheidet die KfW neu, ob und wie sie ihn ändert. Steigen die Zinsen am Kapitalmarkt, wird auch das Darlehen teurer.

Damit die Kosten nicht durch die Decke gehen, garantiert die KfW bei Abschluss des Vertrags eine 15-jährige Zinsobergrenze von zurzeit 8,38 Prozent.

Mehr als 39 000 Euro Schulden

Angenommen ein Studierender im Erstsemester borgt sich ab September zehn Semester lang jeden Monat den Höchstsatz von 650 Euro bei der KfW. Dann häuft er einen Schuldenberg von 39 000 Euro plus Zinsen an.

Schließt er nach dem vierten Semester planmäßig sein Grundstudium ab, verschiebt die KfW ihre weiteren Zinsansprüche in die Tilgungsphase. Die beginnt in unserem Beispiel 18 Monate nach dem Uniabschluss im März 2013.

Der Akademiker zahlt dann monatlich die feste Rate von 273,80 Euro zurück. Nach 25 Jahren, im Februar 2038, hat er mit der letzten Rate von 248,17 Euro seinen Studienkredit zurückgezahlt.

Nur wenn der Nominalzins über die 31,5 Jahre stabil bei 5,1 Prozent bleibt, beträgt der Effektivzins 5,15 Prozent. Das ist unwahrscheinlich, weil sich die Zinsen am Kapitalmarkt ändern werden.

Außerdem kann auch der Student vom Plan abweichen. Wenn er etwa ein Semester anhängt und zusätzliches Geld braucht, ändern sich die tatsächlichen Darlehenskosten. Wie hoch der effektive Zins tatsächlich ist, lässt sich deshalb erst nach Zahlung der letzten Rate sagen.

Studienkredite mit einem festen Zinssatz sind besser zu überschauen.

Ein Jahr mit Kredit überbrücken

Anja Galinsky brauchte für die Endphase ihres Pharmaziestudiums einen Kredit. „Ich habe mir vor dem zweiten Staatsexamen eine Auszeit genommen, so konnte ich einen guten Abschluss hinlegen“, sagt die damals 22-Jährige.

Die Förderungshöchstdauer für die staatliche Studienhilfe Bafög hatte die Leipzigerin bereits erreicht. Sie nahm deshalb ab 2003 einen Bildungskredit bei der KfW auf. Der ist noch günstiger als der Studienkredit, aber erst ab dem Hauptstudium zu haben.

Monatlich lieh sie sich 300 Euro, insgesamt 13 Monate lang. In dieser Zeit setzte sie sich zum Büffeln in die Bibliothek.

Bafög ist die beste Geldquelle

Galinskys Kredit ist günstig, doch nicht so günstig wie das Bafög. Das Staatsdarlehen ist zinslos. Der Höchstsatz liegt bei 585 Euro monatlich. Großer Vorteil: Es muss nur zur Hälfte zurückgezahlt werden und keinesfalls mehr als 10 000 Euro. 507 000 Studierende haben im Jahr 2005 Bafög bekommen. Es hat nur einen Haken: Der Bafög-Satz hängt vom Einkommen der Eltern und dem des Studierenden ab.

Im nächsten Jahr beginnt Anja Galinsky, ihren KfW-Bildungskredit von 4 185 Euro einschließlich Zinsen zurückzuzahlen. Pro Monat werden 120 Euro fällig. „Ich könnte auch mehr tilgen“, sagt Galinsky, „aber bei dem günstigen Zins von 3,17 Prozent tue ich das nicht.“

In zwei Jahren will die Absolventin von 2005 ihre 9 000 Euro Bafög-Schulden in einem Zug zurückzahlen. Dann wird ihr ein Teil erlassen. Bis dahin spart die Apothekerin dafür knapp 500 Euro monatlich und lebt weiter wie eine Studentin.

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