Klamme Studenten können mit Studien­krediten ihre Finanzlage verbessern. Die Angebote sind günstig.

Studien­kredite Test

Finn Meunier: Mit 3 000 Euro Kredit an die Pariser Top-Uni. Ohne zusätzliches Geld von der Bank hätte sich Finn Meunier (26 Jahre) das Master­studium in Volks­wirt­schaft an der Pariser Sorbonne nicht leisten können. Er nahm den KfW-Bildungs­kredit für zehn Monate in Anspruch, bekam monatlich 300 Euro. Ab September 2016, vier Jahre nach der ersten Auszahlung, muss er zu einem Effektivzins von 1,43 Prozent 3 207 Euro in Monats­raten von 120 Euro zurück­zahlen – etwa zwei Jahre lang.

Mindestens 570 Euro braucht ein Student im Monat: für Wohnung, Essen, Kleidung, Telefon und Internet, für Fahrt­kosten, Kranken­versicherung und ein wenig Vergnügen. Den Haupt­teil davon bekommen viele Studenten von ihren Eltern. Fast zwei Drittel gehen nebenher arbeiten, ein Drittel erhält Bafög vom Staat.

Die meisten kommen mit diesen Geldquellen über die Runden. Für die anderen gibt es Studien­kredite.

Bundes­weit können Studierende Kredite von der staatlichen Förderbank KfW, der DKB und der Evangelischen Kreditgenossenschaft bekommen. Regionale Angebote machen die Haspa, die Sparkassen Pforzheim-Calw, Essen, Herford, Leipzig und Lübeck sowie die Vereinigten Raiff­eisen­banken Gräfen­berg-Forchheim-Eschenau-Herolds­berg.

Die großen Privatbanken bieten mitt­lerweile keine eigenen Studien­kredite mehr an. Der bisher oft teuerste Anbieter, die Deutsche Bank, hat ihren Studenten­kredit zum 1. September 2013 einge­stellt. Sie will künftig den Studien­kredit der KfW vermitteln.

Kredit in drei Phasen

Gemein­sam ist den Krediten die Einteilung in drei Phasen: die Auszahlungs­zeit, die Ruhephase und die Jahre der Rück­zahlung.

In der ersten Phase zahlt die Bank den Kredit in Monats­raten verteilt über die vereinbarte Zeit aus. Die Höhe kann der Student selbst fest­legen. In der meist zweijäh­rige Ruhephase bekommt er kein Geld und muss auch noch nichts zurück­zahlen. Dann muss die Rück­zahlung des Darlehens beginnen – egal wie hoch das Einkommen ist.

So weit die Gemein­samkeiten, im Detail gleicht kaum ein Studien­kredit dem anderen. Bei der DKB dürfen die Antrag­steller zum Beispiel nicht älter als 30 Jahre sein. Andere Banken geben kein Höchst­alter vor. Die Evangelische Kreditgenossenschaft finanziert den Lebens­unterhalt mit höchs­tens 35 000 Euro, die Sparkasse Essen mit maximal 25 000 Euro. Die Sparkasse Lübeck zahlt monatlich bis zu 800 Euro aus, die Sparkasse Herford nur bis zu 555 Euro.

Die Zinsen sind oft güns­tiger als die für gewöhnliche Konsumenten­kredite. Einige Banken setzen für Auszahl- und Rück­zahl­phase je einen festen Zins an. Andere haben in beiden Phasen variable Zinsen.

Tipp: Am besten ist es, wenn der Zins in beiden Phasen fest­gelegt ist. So können Sie die finanzielle Belastung über die gesamte Zeit planen. Die KfW hat zwar in beiden Phasen variable Zinsen. Ab der Tilgungs­phase können Sie den Zins aber immerhin für bis zu zehn Jahren fest­schreiben lassen. Dafür verlangt sie aber einen Zins­aufschlag.

Zum Abschluss des Studiums

Meist ist der letzte Studien­abschnitt, wenn die Abschluss­arbeit ansteht, besonders arbeits­intensiv. Dann bleibt kaum Zeit zum Jobben. Oder der Geldbedarf steigt, weil der Student für die letzten Monate an einen anderen Studien­ort geht und dort die Lebens­haltungs­kosten höher sind. Wer in dieser Zeit zusätzlich Geld benötigt, fährt am güns­tigsten mit einem Kredit speziell für die Studien­abschluss­phase.

Für die beiden letzten Jahre der Ausbildung vergibt die KfW bundes­weit einen speziellen Kredit, den Bildungs­kredit. Die monatliche Auszahlrate kann 100, 200 oder 300 Euro betragen, die KfW über­weist sie längs­tens für zwei Jahre. Vier Jahre nach der ersten Auszahlung muss der Student beginnen, monatlich 120 Euro zurück­zuzahlen.

Sehr günstig – meist sogar zinslos – verleihen die Darlehens­kassen Bayern, Berlin, Hamburg, Nord­rhein-West­falen und die Studenten­werke Bodensee, Schleswig-Holstein und Hannover Geld für die letzte Studien­phase. Dafür verlangen sie allerdings als Sicherheit oft eine Bürg­schaft.

Bedürftige Studenten können einen Antrag auf eine Studien­abschluss­hilfe bei der E.-W.-Kuhlmann-Stiftung stellen. Sie vergibt für sechs Monate einen zins­losen Mikro­kredit in Höhe von maximal 2 000 Euro.

Tipp: Die speziellen Angebote für die Studien­abschluss­phase sind oft güns­tiger als die allgemeinen Studien­kredite, die Sie aber auch für diese Phase nutzen können.

Teil­zeit-, Zusatz- und Zweitstudium

Immerhin 5 Prozent der Studierenden sind im Teil­zeit-, im berufs­begleitenden oder dualen Studium einge­schrieben. Auch sie und Menschen im Zusatz- und Zweitstudium können die allgemeinen Studien­kredite für Lebens­haltungs­kosten nutzen.

Seit April 2013 steht diesen Studenten auch der KfW-Studien­kredit offen. Bis dahin finanzierte die KfW solche Varianten des Studiums nicht.

Auslands­studium, Auslands­praktika

Rund ein Drittel der Studierenden geht eine Zeit­lang ins Ausland. Studien­kredite gibt es meist nur für kürzere Auslands­auf­enthalte wie Praktika oder einzelne Semester. Der Student muss oft an seiner deutschen Hoch­schule einge­schrieben bleiben.

Den KfW-Bildungs­kredit für die letzten beiden Jahre der Ausbildung bekommen Studenten, wenn sie im Ausland lernen und die Ausbildung in engem Zusammen­hang mit der deutschen Ausbildung steht.

Die DKB stockt den Studien­kredit bei Auslands­auf­enthalten und unbe­zahlten Praktika um eine Einmalzahlung von bis zu 5 000 Euro auf. Der Student muss aber in Deutsch­land immatrikuliert bleiben.

Tipp: Über das europäische Förderprogramm Erasmus können Sie drei bis zwölf Monate Studien­auf­enthalt in einem anderen Teil­nahme­land in Ihr Studium integrieren. Sie werden von Ihrer Heimathoch­schule an die ausländische Hoch­schule entsandt und bekommen Vergüns­tigungen.

Sonderfall privater Bildungs­fonds

Studenten können auch Geld aus einem Bildungs­fonds bekommen, in den private Geld­geber einge­zahlt haben. Davon werden die oft fünf­stel­ligen Studien­gebühren vorwiegend privater Hoch­schulen beglichen.

Solche Bildungs­fonds haben in Deutsch­land die Unternehmen Brain Capital, CareerConcept und Deutsche Bildung aufgelegt. Das Geld bekommt, wer in einem Auswahl­gespräch, in einem Motivations­schreiben und in einem mehr­stündigen Assess­ment-Center Leistungs­willen und Leistungs­fähig­keit nach­weist.

Die Rück­zahlungen beginnen erst, wenn der Absolvent ein Mindest­einkommen erzielt. Von seinem Einkommen muss er einen vereinbarten Prozent­satz zurück­zahlen. Die Dauer und die Höhe der monatlichen Rück­zahlung wird bereits bei Vertrags­schluss fest­gelegt. Wer viel verdient, zahlt viel zurück – sogar manchmal deutlich mehr, als er bekommen hat.

Im Gegen­zug können Absolventen ohne Arbeit nicht in Schwierig­keiten kommen. Sie müssen nicht zahlen.

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