Studienkredite Test

Ihr Mathematikstudium in Freiburg im Breisgau lässt Beate Siefer kaum Zeit zum Jobben. Ein Kredit hilft ihr.

Wenn das Geld fürs Studium nicht reicht und zum Jobben keine Zeit ist, kann ein Studienkredit die Finanzlücke füllen. Die Angebote sind vielfältig, die meisten Institute in unserem Test bieten günstige Zinsen.

Als der Bafög-Bescheid kam, war das für Beate Siefer ein Schock. Noch im Sommer 2007 hatte die Studentin fast 400 Euro Bafög pro Monat erhalten, zum Oktober des Jahres sollten es nur noch 140 Euro sein: „Dass es weniger wird, hatte ich erwartet, aber nicht, dass es so viel weniger wird.“ Ihr Bruder, der bei den Eltern wohnte, hatte eine Ausbildung begonnen. Sein Einkommen wird seither zum Haushalt gerechnet.

Beate Siefer studiert in Freiburg im Breisgau Englisch und Mathematik fürs Lehramt an Gymnasialstufen: „Mein Studium ist sehr zeitintensiv, während des Semesters zu jobben ist kaum möglich.“ Obwohl die Eltern sie unterstützen, reicht das nicht.

Siefer entschied sich schließlich für den Studienkredit der staatlichen Förderbank KfW und lässt sich nun monatlich 250 Euro auszahlen. Leicht gefallen ist ihr das nicht: „Irgendwann habe ich aber aufgehört, darüber nachzudenken, dass ich mit Schulden ins Berufsleben starte, und bin optimistisch, dass alles gut klappt.“

Zinsen weiterhin günstig

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Die Zinsen für die meisten Studienkredite sind günstig. Die Kredite kosten etwa so viel wie die günstigsten Ratenkredite für jedermann. Dazu bekommt der Kunde meist ein kostenloses Girokonto bei der Bank. Manche Sparkassen erheben entweder Kontoführungsgebühren oder Bearbeitungsgebühren für den Kredit.

Im Vergleich zu unserem Test im vergangenen Jahr haben die Banken ihre Zinsen kaum angehoben. Bei sechs von zehn Angeboten sind sie sogar gleich geblieben. Kunden der Hamburger Sparkasse können für die Rückzahlungsphase jetzt zwischen Festzins und variablem Zins wählen. Bisher war der Zins an einen Marktzins gekoppelt.

Jedes Angebot ist anders

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Die Kredite sind leicht zu bekommen. Die Banken fragen zwar nach Einträgen bei der Schutzgemeinschaft für allgemeine Kreditsicherung (Schufa), doch nur „harte Kriterien“ wie eine Insolvenz oder eidesstattliche Versicherungen führen zum Ausschluss. Bürgschaften, wie bei anderen Krediten üblich, sind nur selten nötig.

Jedes Angebot ist anders gestrickt. Bei sieben von zehn Krediten werden die Rückzahlungsbedingungen zu Vertragsbeginn festgelegt. Nur wenige Banken vereinbaren diese mit dem Kunden erst vor Beginn der Rückzahlungsphase.

Bisher verlangen nur einige Anbieter eine Einnahmen-Ausgaben-Rechnung von den Studierenden. Auch die KfW verzichtet darauf. Dabei ist so eine Aufstellung sinnvoll, damit der Kredit möglichst knapp auf den Bedarf zugeschnitten wird.

Die Zahl der Angebote hat sich im Vergleich zum vergangenen Jahr etwas reduziert. Die Flensburger Sparkasse, die damals sehr günstige Zinsen bot, fusionierte mit der Nord-Ostsee Sparkasse und bietet jetzt deren Produkt an. Die Berliner Sparkasse stellte ihr eigenes Angebot vor kurzem ein und vermittelt nun wie viele andere Banken die KfW-Kredite.

Dürftige Beratung zum KfW-Kredit

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Die KfW-Förderbank ist weiterhin Marktführer und hat seit dem Start des Programms im April 2006 rund 42 500 Studienkredite vergeben. Beate Siefer stieß durch Faltblätter, die im Studentenwerk Freiburg auslagen, auf das Angebot . „Lange war mir nicht bewusst, dass es auch andere Anbieter gibt.“ Vor der Entscheidung machte sie sich dann schlau: „Der KfW-Kredit erschien mir am günstigsten.“

Die gesamte Abwicklung läuft bei der KfW über das Onlineportal. Der Kunde gibt seine Daten im Internet ein, druckt den Antrag aus und geht, weil die Bank selbst keine Filialen betreibt, zu einem Vertriebspartner. Von 64 Banken in unserer Stichprobe vermittelten 31 den KfW-Kredit.

Beate Siefer ging zur Volksbank, weil sie dort schon Kundin war. Doch der Berater konnte ihr auf ihre Fragen nur die Informationen aus dem Internet geben, die sie bereits gelesen hatte. Auch andere Mitarbeiter seien zu wenig informiert. „Oft gucken die ein bisschen, wenn ich jedes Semester mit der Studienbescheinigung auftauche.“ Den Beleg muss Siefer vorlegen, damit der Kredit weiter ausgezahlt wird.

Problemzone Ausland

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Mit ihrem Kredit ist die 25-Jährige zufrieden, die Auszahlung läuft problemlos und die Zinsen werden ihr gestundet, weil sie bereits im Hauptstudium ist. Nur in den ersten Monaten wurde ihre Auszahlung um ein paar Euro für Zinsen gekürzt.

Beate Siefers Auslandssemester stellte die KfW allerdings vor ein Problem. Als die Studentin sich an ihrer Universität beurlauben lassen wollte, um ein Semester in Schottland zu studieren, fragte sie bei der Hotline nach: Die KfW könne den Kredit dann nicht mehr weiter auszahlen, hieß es. Also verzichtete Siefer auf die Beurlaubung und musste zuhause weiter die Studiengebühren zahlen – zusammen mit dem Semesterbeitrag waren das 605 Euro.

Dabei hat Beate Siefer für diese Zeit sogar Auslands-Bafög bekommen, doch die KfW kann mit so einem Bescheid nichts anfangen. Allein die Daten der Studienbescheinigung werden jedes Semester elektronisch erfasst. Gilt jemand als beurlaubt, wird die Auszahlung automatisch gestoppt, denn das Programm kann nicht unterscheiden, ob jemand wegen eines Auslandssemesters beurlaubt ist oder einfach nicht studiert.

Bei der KfW weiß man um das Problem: „Alles, was vom Standard abweicht, können wir nicht verarbeiten“, sagt Inken Voß, Referentin Förderpolitik der KfW.

Mit Bafög Studiengebühren sparen

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Seit 2006 nehmen einige Bundesländer Gebühren für das Erststudium. Hessen hat sie jetzt wieder abgeschafft, Hamburg senkt sie von 500 auf 375 Euro.

Seit 2006 nehmen einige Bundesländer Gebühren für das Erststudium. Hessen hat sie jetzt wieder abgeschafft, Hamburg senkt sie von 500 auf 375 Euro.

Geht es nur darum, die Studiengebühren zu bezahlen, sind Kredite der Landesförderbanken günstiger als die Bankangebote. Studenten, die viel Bafög erhalten, müssen sie manchmal nicht einmal zurückzahlen. Sobald die Schulden aus dem Bafög-Darlehen und dem „Studienbeitragsdarlehen“ eine Höchstsumme überschreiten, werden darüber hinausgehende Schulden aus dem Studiengebührendarlehen erlassen.

Die „Kappungsgrenzen“ sind je nach Bundesland sehr unterschiedlich. Für Bafög-Empfänger in Nordrhein-Westfalen ist die Regelung günstig: Die Höchstgrenze richtet sich nach der Zahl der Semester, in denen das Darlehen in Anspruch genommen wurde, multipliziert mit 1 000.

Für einen Studenten, der drei Semester lang ein Darlehen für die Studiengebühren aufgenommen hat, gilt eine Grenze von 3 000 Euro. Hat er bereits Bafög-Schulden in dieser Höhe angehäuft, muss er das Studienbeitragsdarlehen nicht zurückzahlen. Zum Vergleich: In Baden-Württemberg bekommen nur Studenten mit 15 000 Euro Bafög-Schulden ihr Darlehen erlassen.

Alternativen fürs Examen

Für die Finanzierung im Examensjahr bieten die Darlehenskassen günstige Alternativen zum Studienkredit. Diese Kassen gehören oft zu den Studentenwerken. Es gibt aber auch landesweite Kassen, die sich durch Hochschulen finanzieren wie in Berlin, oder Landesstiftungen wie in Hessen.

Die Studienabschlussdarlehen sind oft zinslos und trotz Verwaltungsgebühren unschlagbar günstig. Im Gegensatz zu Studienkrediten sind hier Bürgen nötig und zum Teil Gutachter, die gute Aussichten auf einen Studienabschluss bescheinigen.

Beate Siefer ist seit ihrem 25. Geburtstag im Juli wieder knapper bei Kasse. Jetzt ist das Kindergeld weggefallen. Ihren Studienkredit will sie möglichst nicht erhöhen. Sie hofft, dass sie ab Herbst wieder mehr Bafög erhält. Der Antrag ist schon unterwegs.

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