Täglich eine gute Viertelstunde - mehr ist den 25- bis 45-Jährigen ihre berufliche und allgemeine Weiterbildung nicht wert. Allen Aufforderungen zum lebenslangen Lernen zum Trotz opfern die über 45-Jährigen im Durchschnitt sogar nur wenige Minuten dafür. Das sind Ergebnisse einer Zeit-Studie, die das Statistische Bundesamt veröffentlicht hat.

Viele Wege zum Wissen

Ein Lichtblick sind demnach die jungen Erwachsenen: Bei den 18- bis 25-Jährigen geht es der Studie zufolge immerhin noch eineinhalb Stunden am Tag um das Lernen. Dazu zählen die Statistiker neben dem Besuch von Schule und Hochschule die berufliche Fortbildung während und außerhalb der Arbeitszeit sowie die allgemeine Weiterbildung durch den Besuch von Kursen, Info-Veranstaltungen und das Selbstlernen. Gerade dabei sind die Wege zum Wissen unterschiedlich: Etwa zehn Prozent der aufgewandten Zeit widmen die Selbstlerner dem Lesen von einschlägigen Büchern und Fachzeitschriften, rund acht Prozent entfallen auf die Nutzung elektronischer Medien wie Computer, Internet, Fernsehen und Radio, und vier Prozent der Zeit wird in Gruppen gelernt.

Männer bevorzugen den Computer

Bei der beruflichen Weiterbildung innerhalb der Arbeitszeit gewinnt selbst organisiertes Lernen immer größere Bedeutung und verdrängt klassische Methoden. Bücher und Zeitschriften etwa haben mit einem Zeitanteil von fast einem Drittel mittlerweile den gleichen Stellenwert wie der Unterricht. Grundsätzlich setzen Frauen und Männer bei den Lernmethoden aber andere Schwerpunkte: Während „Sie“ fast 45 Prozent ihrer Weiterbildungszeit am Arbeitsplatz für Kurse, Seminare und ähnliches verwendet, gilt das bei „Ihm“ nur für 30 Prozent. Männer bevorzugen dagegen stärker Print- und elektronische Medien. Zum Beispiel lernen sie doppelt so lange mit dem Internet wie Frauen, haben die Statistik-Experten herausgefunden. Dieser Vorlieben-Unterschied gilt auch für den Wissenserwerb außerhalb der Arbeitszeit: Statt in Kurse oder Seminare setzen sich Männer lieber vor den PC.

Akademiker lernen doppelt so lange

Offenbar wird die Bereitschaft, das ganze Leben lang zusätzliche Weiterbildungsangebote zu nutzen, stark vom Bildungsstand beeinflusst. So wenden Absolventen einer wissenschaftlichen Hochschule mit rund zwei Stunden pro Woche mehr als doppelt so viel Zeit für Weiterbildung auf wie Fachhochschul-Absolventen, Meister und Techniker, die jeweils etwa eine Dreiviertelstunde „büffeln“. Auch Absolventen einer beruflichen Lehre, so das Statistische Bundesamt, bleiben mit wöchentlich gut einer Stunde deutlich hinter den Hochschulabsolventen zurück. Unter den Akademikern sind übrigens die Frauen am lernfreudigsten: Mit rund drei Stunden in der Woche widmen sie sich doppelt so lange der Wissensvermehrung wie Männer mit Hochschulabschluss.

Die so genannte Zeitbudget-Auswertung hat das Statistische Bundesamt im Auftrag des Bundesfamilienministeriums mittlerweile zum zweiten Mal durchgeführt. Sie erfasst, wie die Deutschen in unterschiedlichen Lebensbereichen ihre Zeit verwenden. Die Daten sind allerdings schon etwas älter: Die Studie fand in den Jahren 2001 und 2002 statt, befragt wurden nach Angaben des Bundesamtes mehr als 12 000 Personen in rund 5400 Haushalten.

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