Interview: „Das eigene Abbild kontrollieren“

StudiVZ und Co. Test

Prof. Hendrik Speck, Dozent für Interaktive Medien an der Fachhochschule Kaiserslautern.

Nutzer geben viele Daten von sich in Netzwerken preis. Besteht keine Angst vor Datenmissbrauch?
Ein Großteil der Anwender ist sich des Risikos nicht bewusst oder schätzt es falsch ein. Viele wissen gar nicht, was mit ihren veröffentlichten Daten geschehen kann. Die Netzwerke sind Herr unglaublich großer Nutzer-Datenmengen und oft ist es nicht nur für Hacker ein Leichtes, an sie heranzukommen.

Welche Daten sollten Nutzer niemals dort preisgeben?
Weder das eigene Geburtsdatum noch der Mädchenname der Mutter sollten veröffentlicht werden. Denn dies sind beliebte Passwörter, die auf diesem Wege schnell in die Hände von Datendieben fallen können. Auch vertrauliche Informationen wie Telefonnummern oder Kontonummern haben in sozialen Netzwerken nichts zu suchen.

Worauf ist noch zu achten?
Potenzielle Arbeitgeber suchen auf Websites nach Informationen. Nutzer sollten also nichts veröffentlichen, was ihre Chancen auf die neue Stelle gefährden könnte. Auf Plattformen, die der beruflichen Vernetzung dienen, ist es nicht sinnvoll, eine falsche E-Mail-Adresse, einen aufgemotzten Lebenslauf oder einen verniedlichten Profilnamen wie etwa „Schmusi“ anzugeben. Bei Netzwerken wie MySpace oder StudiVZ ist das wiederum durchaus vertretbar. Denn mit ihren Freunden können sie deshalb trotzdem noch in Kontakt stehen, meist kennt man die Profilnamen des Freundeskreises.

Welche Grundeinstellungen sollte der Anwender vornehmen?
In den Profileinstellungen sollte der Schutz der „Privatsphäre“ beziehungsweise „Privacy“ aktiviert werden. Hier legt der Nutzer selbst fest, wer seine Seite sehen darf und welche Infor­mationen angezeigt werden. Das geschieht vonseiten der Plattformbetreiber nicht automatisch, der Nutzer muss selbst aktiv werden.

Wo lauern Gefahren für den Nutzer?
Dritte können veröffentlichte Daten, Bilder oder Videos ohne das Wissen des Nutzers verwenden und/oder verfälschen. So kann er mit etwas in Verbindung gebracht werden, was nicht der Wahrheit entspricht, beispielsweise einer radikalen Vereinigung. Auch harmlose Lästereien, schwere Beleidigungen oder gar „Hetze“ gegen Privatpersonen oder Lehrer – wie beispielsweise im SchülerVZ schon der Fall – können vorkommen. Inhalte über den Nutzer werden veröffentlicht, obwohl der nichts davon weiß und auch nicht seine Zustimmung dazu gegeben hat. Er hat keine Kontrolle mehr über seine veröffentlichen Daten. Im schlimmsten Fall kann dies dem Nutzer privat oder sogar beruflich schaden.

Was tun, wenn es schon zu Datenmissbrauch gekommen ist?
Betroffene sollten sich unverzüglich an die in jedem Bundesland vertretenen Datenschutzbeauftragten (Landesbeauftragte für den Datenschutz) oder an die Verbraucherzentralen wenden. Handelt es sich um einen besonders schweren Fall, sollte ein Anwalt zurate gezogen werden.

Was kann jeder im Vorfeld tun?
Jeder Nutzer sollte ein aktives Identitätsmanagement betreiben, also regelmäßig das eigene Abbild im Netz kontrollieren. Dazu sollte der eigene Name in eine Suchmaschine eingegeben und die Ergebnisse überprüft werden: Mit welchen Themen wird er in Verbindung gebracht und auf welche Fotos ist er verlinkt. Wichtig für jeden einzelnen Nutzer, vor allem jedoch bei Kindern, ist die Entwicklung einer entsprechenden Medienkompetenz: ein Bewusstsein dafür zu erlangen, welche Daten preisgegeben werden können und welche auf keinen Fall in die Netzwerke gehören.

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