Studentenfutter Test

Gesunder Snack. Studentenfutter ist gut für Geist und Körper – wenn die Qualität stimmt.

Nuss-Frucht-Mischungen gelten als gesunder, wohl­schme­ckender Energiespender. Im Test werden aber nicht alle den Erwartungen gerecht.

Der Sieges­zug des Studenten­futters begann vermutlich im 17. Jahr­hundert – mit einem Kater. Weil Studenten schon damals feierlustig waren, knabberten sie eine Mischung aus Rosinen und Mandeln. Letztere galten als Mittel gegen die Nach­wehen eines Alkohol­rauschs. Allerdings waren sie teuer. Ebenso wie das Studieren selbst konnten sich seiner­zeit nur Wohl­habende den gesunden Katerkiller leisten. Heute ist das anders. Der Knabberklassiker ist inzwischen schon ab 65 Cent pro 100 Gramm zu haben. Im Vergleich zum Urpro­dukt ist das nicht der einzige Unterschied: Die 20 Studentenfutter im Test bestehen aus Rosinen gemischt mit Mandeln, aber auch Hasel-, Wal-, Cashew- und/oder Paranüssen. 6 Produkte enthalten Erdnüsse. So unterschiedlich wie die Zusammenset­zung der Nuss-Frucht-Mischungen sind auch die Test­ergeb­nisse. Sie reichen von der seltenen Abschluss­note sehr gut bis zum Qualitäts­urteil mangelhaft.

Im richtigen Verhältnis

Wie sich Studentenfutter zusammensetzen sollte, ist – untypisch für Deutsch­land – nicht verbindlich geregelt. Im Test liegt das Verhältnis Nüsse zu Rosinen im Schnitt bei rund 60 zu 40. Die Unterschiede in der genauen Zusammenset­zung sind allerdings groß. Die Mischungen ohne Erdnüsse bestehen aus vier bis fünf verschiedenen Nuss­sorten – je nach Anbieter – mit unterschiedlichen Anteilen. Bei den Produkten mit Erdnüssen sind meist nur zwei weitere Sorten enthalten. Die Erdnuss ist stets dominant, vor allem beim Studentenfutter von Pittjes. Ärgerlich: Das Bild auf der Tüte erweckt den Eindruck einer ausgewogenen Mischung (siehe Foto unten). Tatsäch­lich aber sind 61 Prozent Erdnüsse und 27 Prozent Rosinen enthalten, die wenigen Cashew- und Haselnüsse gehen völlig unter. Auch in der Zutaten­liste finden sich keine Mengen­angaben. Über ein Ausreichend beim Prüf­punkt Deklaration kommt Pittjes nicht hinaus. Geschmack­lich ist an der Mischung immerhin nichts auszusetzen.

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Von aromatisch bis ranzig

Auch sonst fallen die sensorischen Noten bei den 6 Studenten­futtern mit Erdnüssen meist gut aus, Ültje bekommt sogar ein knappes Sehr gut. Eine glatte Eins in Aussehen, Geruch und Geschmack erreicht der Testsieger Seeberger. Von diesem klassischen Studentenfutter ohne Erdnüsse waren die Verkoster besonders angetan. In der sensorischen Fach­sprache klingt das dann so: „Die Nuss­note ist kräftig ausgeprägt“, „Wein­beeren mit intensiver und komplexer Fruchtig­keit“, „Nüsse und Wein­beeren riechen und schme­cken aromatisch“. Ganz anders lauten die Urteile für einige preis­werte Handels­marken. Grund: Nüsse, die „alt“ schme­cken oder „dumpf“ und einen „hohen Bruch­anteil“ haben. Das Studentenfutter von Netto Marken-Discount ist sogar leicht ranzig. Die Fett­analyse bestätigt das. Abschluss­note: mangelhaft.

Nähr­stoff­reiche Kraft­pakete

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Eine gute Hand­voll. 50 Gramm Studentenfutter eignen sich als Zwischenmahl­zeit.

Figurbewusste meiden Nüsse oft. Sie gelten als Dick­macher. Antje Gahl von der Deutschen Gesell­schaft für Ernährung (DGE) sieht das anders. „Zwar liegt der Fett­gehalt von Nüssen je nach Sorte zwischen 40 und 70 Prozent“, erläutert Gahl. „Es handelt sich aber über­wiegend um wert­volle einfach und mehr­fach ungesättigte Fett­säuren. Die wirken positiv auf den Cholesterinspiegel. Häufiger Verzehr senkt außerdem das Risiko für Herz-Kreis­lauf-Erkrankungen.“

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Energie für Wanderlustige. „Trail mix“ heißt Studentenfutter auf Eng­lisch. Trail bedeutet Pfad oder Wanderweg.

Die kleinen Kraft­pakete enthalten zudem Ballast­stoffe, sekundäre Pflanzen­stoffe und Vitamine – etwa B-Vitamine. Letztere sind wichtig für die Zellerneuerung sowie den Energiestoff­wechsel und fördern die Bildung von Boten­stoffen des Nerven­systems. Dazu kommen reichlich Proteine und Mineralstoffe wie Magnesium. All das macht Studentenfutter für Denk- und Bewegungs­sportler empfehlens­wert. Für süße Abwechs­lung sorgen die Rosinen. Die Trockenfrüchte sind nicht nur ein Energielieferant, sondern auch eine gute mineral- und ballast­stoff­reiche Ergän­zung zur Nuss. Gleich­zeitig stillen sie den Appetit auf Süßig­keiten wie Schokolade und Co.

Wichtig: 50 Gramm Studentenfutter sind eine gute Zwischenmahl­zeit für Kinder ab 10 Jahren und Erwachsene. Nüsse enthalten viele gesunde Fett­säuren, Vitamine und Mineralstoffe, sollten wegen des hohen Energiegehalts aber in Maßen genossen werden.

Kaum Schimmelpilzgifte nach­weisbar

Schad­stoffe trüben den gesunden Knabberspaß nicht. So fanden wir Rück­stände von Pestiziden allenfalls in unbe­denk­lichen Mengen. Geprüft haben wir außerdem auf Ochratoxin A und Aflatoxine. Diese Schimmelpilzgifte (Mykotoxine) können Leber und Niere schädigen, Aflatoxine werden zudem als krebs­er­regend einge­stuft. Sie waren aber nur in unkritischen Mengen und auch nur in wenigen Produkten nach­weisbar. Trotz dieser Ergeb­nisse: Mykotoxine sind nie ganz auszuschließen. Schimmelpilze bilden Nester, Schimmelpilzgifte können also in Lagern und Chargen ungleich­mäßig verteilt sein.

Tipp: Nüsse, die sehr bitter oder ungewöhnlich schme­cken, am besten ausspucken. Vorsicht auch bei muffigem Geruch. Essen Sie keine über­lagerten Nuss-Frucht-Mischungen Tipps.

Wer aufpassen sollte

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Unklar. Anbieter weisen oft auf Nuss­spuren hin, nicht auf konkrete Sorten

Unklar. Anbieter weisen oft auf Nuss­spuren hin, nicht auf konkrete Sorten.

Selbst einwand­frei gelagerte Knabber­mischungen sind nicht für jedermann unbe­denk­lich: Nüsse zählen zu den häufigsten Auslösern schwerer allergischer Reaktionen. Das größte allergische Potenzial hat die Erdnuss, die bota­nisch eine Hülsen­frucht ist. Es folgen Hasel- und Walnuss. Sonja Lämmel vom Deutschen Allergie- und Asth­mabund beruhigt jedoch: „Wer etwa gegen Haselnuss allergisch ist, muss andere Sorten nicht generell meiden. Auf die Haselnuss selbst sollten Betroffene aber natürlich verzichten. Das gilt auch für Spuren, die immer vorkommen können.“ Die meisten Produkte im Test wären für Allergiker tabu, weil die Anbieter mögliche Spuren anderer Nüsse nicht ausschließen. Hilf­reich ist dagegen der konkrete Hinweis von Farmer’s Snack. „Frei von Haselnuss­kernen“ steht auf dem Etikett. Darauf war Verlass: Wir konnten keine Spuren von Haselnüssen nach­weisen.

Kinder unter 4 sollten keine Nüsse essen

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Unsicher. Klein­kinder unter 4 Jahren sollten keine ganzen Nüsse essen.

Unsicher. Klein­kinder unter 4 Jahren sollten keine ganzen Nüsse essen.

Gar kein Studentenfutter essen sollten kleine Kinder unter 4 Jahren. Sie können sich an den ganzen Nüssen verschlu­cken. Viele Anbieter weisen darauf hin. Nüsse sind häufiger Ursache von Ersti­ckungs­anfällen bei Klein­kindern als etwa klein­teiliges Spielzeug.

Mischung und Menge entscheidend

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Energie für Kopf­arbeiter. Die nähr­stoff­reiche Knabber­mischung kann die Konzentrations­fähig­keit unterstützen.

Ernährungs­experten empfehlen auch bei Nüssen viel Abwechs­lung auf dem Speiseplan. „Jede Sorte hat unterschiedlich hohe Anteile positiver Nähr­stoffe“, sagt DGE-Expertin Gahl. Die Walnuss über­trifft zum Beispiel alle mit ihrem Anteil an Alpha-Linolensäure, einer wert­vollen Omega-3-Fett­säure. Die Mandel wartet mit extra vielen Ballast­stoffen auf Nüsse im Vergleich. 50 Gramm Studentenfutter liefern etwa 250 Kilokalorien. Kinder ab 10 Jahren und Erwachsene haben damit die empfohlene Energiezufuhr einer Zwischenmahl­zeit fast ausgeschöpft. Für kleinere Kinder reicht eine entsprechend kleinere Portion. Ein gutes Maß ist eine Hand­voll Studentenfutter pro Tag. Das genügt, um von den gesunden Nähr­stoffen und Fett­säuren zu profitieren. Zum Beispiel als Fitmacher für den Tag im Büro oder vor einer Prüfung.

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