Stromverbrauch im Standby: Warum sich Strenge lohnt

Hoher Standbyverbrauch ist teuer und unnötig. In unseren Tests gibts dafür schlechte Noten. Nicht alle Leser finden das gut. Lesen Sie, warum wir so streng sind.

Glauben Sie wirklich, dass es irgendeinen Ihrer Leser – der ja 600 Euro für das Gerät zahlt – interessiert, ob er dadurch zwei, fünf oder zwölf Euro Stromkosten im Jahr hat? Diese Frage stellte test-Leser Dieter Mathes in einem Brief an die Redaktion. Lesen Sie hier, warum wir beim Stromverbrauch so unerbittlich sind.

Stein des Anstoßes war der Test von Sat- und Kabelempfängern. Der sonst mit meist guten bis sehr guten Noten bedachte Sat-Empfänger Kathrein UFS 821 (mit Festplatte) wurde dort wegen seines hohen Stromverbrauchs im Standby abgewertet: Da er 9,6 Watt zieht, bekam er „mangelhaft“. Somit konnte auch das übergeordnete Gruppenurteil Umwelteigenschaften nicht besser sein als eben „mangelhaft“. Das führt bei der Stiftung Warentest dazu, dass auch das test-Qualitätsurteil für die Kathreinbox um eine Note herabgesetzt wird. Kurz: Ohne diese Abwertungen hätte die Box „gut“ bekommen. So aber kam sie bei uns nur auf „befriedigend“ (Note 3,2).

98 Euro im Jahr für Stromfresser

Für die strenge Notengebung sprechen der hohe Verbrauch, die schlechte Ingenieurleistung, die Umweltschädlichkeit.

  • Hohe Kosten: Bei 600 Euro Gerätepreis mögen manch einen zehn Euro im Jahr mehr auf der Stromrechnung kaltlassen. Da aber in einer Wohnung oft mehrere Elektronik- und PC-Geräte stehen, bleibt es nicht dabei: Ganze 98 Euro werden in einem durchschnittlich ausgestatteten Haushalt, wie ihn die Initiative Energieeffizienz zugrunde legt, pro Jahr insgesamt durch Standbystrom verschwendet – bei 19 Cent pro Kilowattstunde.
  • Schlechte Leistung: Niemand kann ein Gerät mit unnötig hohem Verbrauch als ingenieurtechnische Meisterleistung betrachten. Dass es auch anders geht, zeigt die Konkurrenz: Die beste Box mit Festplatte im Test, der TechniSat DigiCorder S2 für 465 Euro begnügte sich mit nur 0,2 Watt – 48-mal weniger als die Kathreinbox.
  • Verschwendete Energie: Energie ist kostbar. Doch in Deutschlands Privathaushalten wird durch Standby laut Umweltbundesamt Energie für 3,3 Milliarden Euro im Jahr verpulvert – rund 17 Milliarden Kilowattstunden. Dafür müssen zwei durchschnittlich große Kernkraftwerke ein ganzes Jahr laufen – unnötigerweise. Und die Kohlendioxid-Emissionen, die bei der Stromerzeugung aus Kohle, Gas oder Öl entstehen, gelten als mitverantwortlich für den Klimawandel.

Transparenz bei der test-Bewertung

Wer für andere Vorzüge eines Geräts einen hohen Stromverbrauch in Kauf nehmen will, wird von der test-Bewertung nicht gegängelt: In der Tabelle sind alle Noten aufgeführt. Die Abwertung wird im Kasten „Ausgewählt, geprüft, bewertet“ erklärt. Abgewertet wird nicht nur bei hohem Standbystrom ohne echten Netzschalter an der Frontseite. Strikt sind wir auch, wenn der Nutzer glaubt, das Gerät sei aus, tatsächlich fließt aber Strom.

Viele Leser machen uns Mut. Wie meinte Manuel Pliske aus München? „Bitte behalten Sie eine hohe Gewichtung der umweltbelastenden Faktoren wie Strom- und Wasserverbrauch unbedingt bei.“ Machen wir, Herr Pliske.

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