Stromverbrauch Fernseher Meldung

Ab heute müssen neue Fernseher ein Energie­label tragen. Über die Energie­effizienz der Geräte gibt die Kenn­zeichnung jedoch nicht unbedingt korrekt Auskunft. Die Hersteller können über die Vorein­stellungen Einfluss darauf nehmen, welches Label ihr Gerät bekommt – auf Kosten der Bildqualität.

Label in der Hand der Hersteller

Spätestens ab 30. November müssen Fernsehgeräte – so wie bereits Kühlschränke oder Waschmaschinen – ein Energielabel tragen. Damit sollen die Kunden auf einen Blick erkennen können, ob sie ein sparsames Gerät oder einen Stromfresser kaufen. Der Labelvergabe liegen die EU-Richtlinien 642/2009 und 1062/2010 zugrunde. Den für die Leistungsaufnahme bedeutsamsten Punkt, die Bildhelligkeit, regeln sie aber nicht eindeutig. Vorgeschrieben ist zwar, die Leistungsaufnahme im sogenannten Zuhause- oder Heim-Modus des Fernsehers zu messen. Dieser Zuhause-Modus ist die Bild-Einstellung eines Fernsehers, die vom Hersteller für den normalen Betrieb zu Hause empfohlen wird. Der Hersteller darf aber selbst bestimmen, wie hell oder dunkel er sein Bild in diesem Modus einstellt. Es gilt nur eine Regel: Das Bild muss im Zuhause-Modus mindestens 65 Prozent der Maximalhelligkeit des jeweiligen Fernsehers erreichen.

Auf das Energielabel können Kunden nicht bauen

Je geringer die Maximalhelligkeit des Bildes voreingestellt ist, desto stromsparender arbeitet der Fernseher. So wundert es nicht, dass Anfang 2010 für unsere Tests eingekaufte Fernseher doppelt so hell leuchten konnten wie aktuelle. Je geringer die Maximalhelligkeit ist, desto dunkler darf das Bild im messrelevanten Zuhause-Modus sein ­– das kann die Leistungsaufnahme deutlich senken und schönt das Energielabel. Die Nachteile für die Kunden: In einer hellen Umgebung sind die Fernsehbilder neuer Geräte oft zu dunkel. Und auf die Aussagekraft eines Energielabels ist nur bedingt Verlass. Es kann sein, dass ein gutes Label von der Trickserei mit der maximalen Helligkeit profitiert. Worauf es ankommt, lesen Sie in unserer Anleitung Helligkeit richtig regeln.

Gute Bildeinstellung steigert Stromverbrauch erheblich

Stromverbrauch Fernseher Meldung

Beispiel LCD-Fernseher von Sony: Er bekommt ein A, obwohl er bei optimaler Bildeinstellung ein B haben müsste.

Beispiel LCD-Fernseher von Sony: Er bekommt ein A, obwohl er bei optimaler Bildeinstellung ein B haben müsste.

Auch die Stiftung Warentest begutachtet beim Testen von Fernsehgeräten die Bildqualität im Zuhause-Modus, also mit den vom Hersteller vorgegebenen Einstellungen. Doch anschließend optimieren die Tester die Einstellungen und holen das beste Bild aus dem Fernseher heraus. Häufig verbessert sich dadurch das Urteil für die Bildqualität: Nicht selten um eine ganze Note, zuweilen sogar um zwei Notenstufen. Aber das kann auch den Stromverbrauch in die Höhe treiben. Deutlich wird der Unterschied am Beispiel des LCD-Fernsehers Sony KDL-46EX725. Im Auslieferungszustand bekommt das Gerät ein knappes, mit optimierten Einstellungen ein glattes gut. Dafür steigt der Stromverbrauch auch deutlich: Bei uns im Prüflabor von 61 Watt auf 95 Watt. Keine Frage, selbst diese 95 Watt sind für ein so großes Gerät ein ausgezeichneter Wert. Doch das Energielabel berücksichtigt solche Zusammenhänge nicht. So bekommt der Sony-Fernseher aufgrund der Messung im Zuhause-Modus ein A für den Stromverbrauch – selbst bei den 81 Watt, die Sony selbst im Label angibt. Würde der Hersteller die optimierten Einstellungen berücksichtigen, müsste er aber ein B auf den Fernseher kleben.

Größe schönt das Ergebnis

Neben der Effizienzklasse nennt das Energielabel auch die Leistungsaufnahme in Betrieb. Das entlarvt große Fernsehgeräte als Stromfresser. Ihre Bildfläche braucht mehr Lichtleistung als die kleinerer Fernseher. Doch wie bei Fahrzeugen Gewicht und Kraftstoffverbrauch in Beziehung gesetzt werden, geht bei Fernsehern die Größe der Bildfläche in die Berechnung ein. Deshalb können große Modelle trotz absolut hoher Leistungsaufnahme ein gutes Energielabel erhalten. Weitere Boni gibt es übrigens für integriertes Zubehör wie zusätzliche Tuner oder eine Festplatte.

Tests der Stiftung Warentest zeigen echte Werte

Lassen Sie sich nicht vom Energielabel in die Irre führen. Weil die Messbedingungen im entscheidenden Punkt Bildhelligkeit den Herstellern überlassen sind, hilft das Label nicht beim Vergleich der Effizienz von Fernsehgeräten. Für gute Bilder müssen Sie oft die Helligkeit des Fernsehers ändern, dann steigt der Stromverbrauch – im Einzelfall um bis zu 50 Prozent. Einen verlässlichen Vergleich liefern die Testergebnisse der Stiftung Warentest. Ihnen liegt ein realistischer Stromverbrauch zugrunde, der beim Betrieb mit optimierten Einstellungen gemessen wurde. Fernseher mit geringem Stromverbrauch und guten Bildern zeigt der ständig aktualisierte Produktfinder Fernseher.

Auch Kfz-Umweltampel kann in die Irre führen

Ähnlich irreführend ist übrigens auch die „Umweltampel“, die ab Dezember 2011 für Kraftfahrzeuge eingeführt wird. Sie soll Aufschluss über die Energieeffizienz eines Autos geben. Da dabei das Gewicht der Fahrzeuge in Beziehung zum Spritverbrauch gesetzt wird, darf auch manche Spritschleuder mit einer guten Energie-Bewertung rechnen. Ein anschauliches Beispiel ist der Kampfpanzer Leopard, der aufgrund seines Gewichts in einer besseren Effizienzklasse auftauchen würde als ein Kleinwagen von Daihatsu – obwohl er rund 400 Liter Sprit auf 100 Kilometer verbraucht.

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