Die Lock­angebote: Die Tricks der vermeintlichen Billiganbieter

Ein hoher Neukundenbonus ist ein wichtiges Instru­ment von Strom­anbietern, um in Vergleichs­portalen vorn zu landen. Oft sparen Kunden in solchen Fällen erst einmal gar nichts. Beispiel: Der Vergleichs­rechner weist für einen Discounter­tarif Strom­kosten von 700 Euro im ersten Jahr aus –darin einge­rechnet ist ein Bonus von 233 Euro. Bei seinem alten Anbieter zahlt der Kunde 933 Euro. Das Vergleichs­portal errechnet so eine Ersparnis von 233 Euro. In Wirk­lich­keit fließt der Bonus aber frühestens ein Jahr nach Vertrags­beginn. Der Strom kostet also zunächst auch beim neuen Versorger 933 Euro. Die Höhe der Abschlags­zahlungen bleibt gleich.

Gezahlt wird der Bonus nicht immer. Viele Kunden laufen dem Geld hinterher. Manche Strom­anbieter zögern die Endabrechnung hinaus oder berufen sich aufs Klein­gedruckte. Mitunter wird der Bonus nur an Kunden gezahlt, die ein zweites Jahr bleiben.

Im Klein­gedruckten finden sich manchmal schwer verständliche Klauseln. Zum Beispiel sind manche Bonus­regeln in Paket­tarifen so gestaltet, dass der Neukundenbonus verfällt, wenn Kunden weniger als die vereinbarte Menge an Strom verbrauchen.

Drastische Preis­erhöhungen im zweiten Jahr sollen bei Discountern üblich sein, berichten Leser. Etwa 65 Prozent des Strom­preises sind Steuern, Abgaben und Netz­entgelte – also fix. Oft geben Discounter 25 Prozent Bonus. So bleiben ihnen 10 Prozent, um Strom einzukaufen, Mitarbeiter zu bezahlen und Gewinn zu machen. Das erscheint unrentabel. Nach der Mindest­lauf­zeit, meist ein Jahr, droht Kunden ein Preis­schub. Nach Preis­erhöhungen steht ihnen zwar ein Sonderkündigungs­recht zu. Wer die Frist verpasst, hängt im teuren Tarif – oft erneut zwölf Monate.

Mit mehreren Marken und Tochterfirmen besetzen Discounter gleich mehrere Plätze in den Vergleichs­listen. Wer von Extra­energie zu Prio­strom wechselt, bekommt den Neukundenbonus nicht, weil er inner­halb des Unter­nehmens Extra­energie bleibt. Davor bewahren nur manche Portale.

Abschlags­zahlungen werden im zweiten Jahr bei einer Preis­erhöhung von 11 auf 12 Abschläge umge­stellt, um konstante Summen zu suggerieren.

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