Sie sollen helfen, güns­tige und faire Strom­tarife zu finden. Keinem Portal gelingt das gut. Zwei schützen immerhin vor Bauernfängerei.

Der Wett­bewerb auf dem Strommarkt kommt nicht richtig in Schwung. Die Preise steigen seit Jahren. Trotzdem harren knapp 40 Prozent der Haushalte in den teuren Tarifen ihrer örtlichen Grund­versorger aus. Umfragen zeigen: Vielen ist das Spar­potenzial zu gering. Hinzu kommt die Sorge, an unseriöse Anbieter zu geraten. Viele erinnern sich an die Teldafax-Pleite 2011 mit hundert­tausenden geprellter Kunden, an die andauernde Kritik am Billiganbieter Flex­strom, an scharen­weise verärgerte Discounter­kunden.

Rund 1 100 Strom­anbieter

Orientierung könnten die Vergleichs­portale für Strom­tarife im Internet bieten. Sie sind für die meisten Verbraucher die erste Adresse bei der Suche. Die Portale ermöglichen in der Regel annähernd einen Voll­vergleich aller aktuell in Deutsch­land verfügbaren Angebote. Das sind mehrere tausend Tarife von rund 1 100 Strom­anbietern. Die meisten stehen nur regional zur Verfügung. Daher können Verbraucher je nach Post­leitzahlen­gebiet im Schnitt aus etwa 95 Anbietern wählen.

Die Tarif­daten beziehen die Portale direkt von den Energieversorgern oder von entsprechenden Dienst­leistern wie Ene’t oder Get. Verbraucher können kostenlos aus der Vielzahl der Tarife Angebote einfach nach Post­leitzahl und voraus­sicht­lichem Strom­verbrauch filtern. Doch besonders hilf­reich sind die Portale für unbe­darfte Nutzer nicht. Wir haben zehn geprüft. Keines ist gut.

Richtige Preise und aktuelle Tarife liefern die meisten. Daran liegt es nicht. Problematisch sind die voreinge­stellten Suchoptionen. Die Portale wählen die Filter oft so, dass auf den vorderen Plätzen der Ergeb­nislisten über­wiegend verbraucherunfreundliche Angebote landen. Die bieten oft unfaire Vertrags­bedingungen wie etwa Vorkasse, Paket­tarife, lange Anschluss­lauf­zeiten (siehe „Voreinstellungen“). Oder der Verbraucher sieht sich schon bald zu einem erneuten Wechsel gezwungen, wenn der Anbieter die Preise erhöht. Viele Portale haben außerdem Mängel bei den Fach­informationen zu den Tarifen und bei der Trans­parenz der Tarifdar­stellung. Am Ende schneiden fünf befriedigend ab, vier ausreichend, eines mangelhaft.

Die Fall­stricke im Tarifd­schungel

Kein Portal ist ein verläss­licher Partner für Verbraucher, die unbe­darft nach einem güns­tigen und fairen Strom­tarif suchen wollen. Einige bemühen sich zwar, einen Weg durch das Wirr­warr der Tarife zu weisen. Gut gelingt das aber keinem. Meist muss der Suchende Häkchen weg- oder hinzukli­cken, unver­ständliche Erklärungen lesen und teil­weise erst einmal finden. Kurz: Der Verbraucher muss hell­wach sein und die Augen offenhalten. Am besten, er weiß bereits vor der Suche über mögliche Fall­stricke im Tarif­dschungel Bescheid. Sonst ist bei den meisten Vergleichs­rechnern die Gefahr gegeben, in die Fänge von Anbietern mit unseriösem Geschäfts­gebaren zu geraten (siehe „Lockangebote“).

Den besten Schutz vor Bauernfängerei bieten Energieverbraucherportal und Hauspilot. Wer hier mit den voreinge­stellten Filtern auf die Suche geht, findet auf den ersten zehn Plätzen über­wiegend bis ausschließ­lich faire Tarife.

Das heißt: Wer Sorge hat, bei verbraucherunfreundlichen Tarifen zu landen und sich beim Thema Strom­wechsel kaum auskennt, ist hier am besten aufgehoben. Ein direkter Wechsel ist aber über Energieverbraucherportal nicht möglich, bei Hauspilot kostet er bis zu 45 Euro. Bei den anderen Portalen ist der Wechsel kostenlos.

Beide Portale sortieren von vorn­herein Vorkasse- und Paket­angebote aus. Das machen andere zwar auch, aber Energieverbraucherportal berück­sichtigt zudem keine Boni. Dadurch werden alle Tarife weggefiltert, die nur wegen hoher Bonuszah­lungen günstig erscheinen, womöglich aber im Endeffekt wenig Ersparnis bringen. Außerdem bewertet Energieverbraucherportal Service, Umwelt­aspekte sowie regionales und soziales Engagement der Strom­anbieter und bezieht dies neben dem Preis in seine Sortierung mit ein.

Hauspilot geht noch einen Schritt weiter. Das Portal sortiert die Tarife nach einer selbst­ermittelten „Effektiv­preis-Prognose“. Es meint damit den Jahres­preis, der sich aus den Vertrags­bedingungen ergeben soll, wenn Kunden den Tarif zwei Jahre halten. In der Rechnung stecken neben den Strom­kosten und der Wechselpauschale zum Beispiel eventuelle Neukundenboni, Zins­verluste durch Voraus­kasse oder vermutliche Mehr­kosten durch Preissteigerungen. Die Berechnungen sind interes­sant, aber für Verbraucher schwer nach­voll­zieh­bar. Außerdem merkt man nicht sofort, dass dies nicht die echten Preise sind. Die nennt Hauspilot zwar auch, aber versteckt. Im Prüf­punkt Trans­parenz gibt es daher Punkt­abzüge für das Vergleichs­portal.

Portale kassieren Provisionen

Wenig trans­parent ist auch das Geschäfts­modell der Portale. Die meisten finanzieren sich über­wiegend mit Werbung und Provisionen. Oft können Kunden direkt zu einem neuen Versorger wechseln. Einige Strom­anbieter zahlen eine Provision, wenn ihnen ein Kunde vermittelt wird. Über die Höhe der Provision findet sich bei den meisten Rechnern wenig. Nach unseren Recherchen liegt sie oft zwischen 30 und 55 Euro pro vermitteltem Vertrag.

Das erklärt vielleicht eine Besonderheit bei Verivox und Check24: Beide Portale platzieren in ihrer Ergeb­nisliste ober­halb des billigsten Angebots einen „Tarif-Tipp“. Was diesen Tarif konkret auszeichnet, bleibt auf den ersten Blick vage.

Verbraucher müssen auf der Hut sein

Strom­tarif­rechner Test

Mehr­marken­strategie - wer zu wem gehört. Anbieter sind oft mit mehreren Firmen, Marken oder Geschäfts­feldern in den Vergleichs­portalen vertreten. Einige Beispiele.

Als größte Falle entpuppt sich etwas anderes: Check24 und Verivox haben wie die meisten Portale ihre Voreinstel­lungen so gestaltet, dass der Neukundenbonus vom ausgewiesenen Gesamt­preis abge­zogen wird. Allein dadurch landen auf den ersten zehn Plätzen haupt­sächlich Anbieter, die mit riesigen Boni von 25 Prozent der Gesamt­kosten locken. Und das, obwohl Verbraucher diese Boni womöglich gar nicht bekommen.

Ein Beispiel: Wer einen Tarif mit einer festen Verbrauchs­menge wählt und unter­halb der vereinbarten Strommenge bleibt, läuft bei manchen Anbietern Gefahr, den Neukundenbonus nicht zu bekommen.

Ein weiteres Problem: die Mehr­marken­strategie. Wer von Extra­energie zu Prio­strom wechselt, bleibt inner­halb des Unter­nehmens – der Neukundenbonus entfällt. Solche Klauseln finden Kunden im Klein­gedruckten, über­sehen sie zunächst – und bemerken sie erst am Ende der Lauf­zeit. Check24 weist auf diese Falle hin, viele Konkurrenten aber nicht.

Aktuelle Preise für faire Tarife von Finanztest

Tarife, bei denen diese Gefahr nicht besteht, haben die Experten von Finanztest zusätzlich zum Test der Strom­tarif­rechner ermittelt. Sie haben ihre Unter­suchung von Strom­tarifen vom Oktober 2012 stich­proben­artig aktualisiert. Für die drei Städte Berlin, Leipzig und Mainz ermittelten sie verbraucherfreundliche und güns­tige Tarife siehe Tabelle. In Berlin kann ein Haushalt mit einem Jahres­verbrauch von 5 500 Kilowatt­stunden mit dem Wechsel aus dem Grund­versorgungs­tarif zum Anbieter Wemag 221 Euro im Jahr sparen. In Mainz sind es 347 Euro.

Vergleichs­portale könnten es Nutzern einfacher machen

Die Vergleichs­portale könnten es Nutzern viel einfacher machen. Etwa, wenn sie in der Voreinstellung all die Boni nicht in den Preis einrechnen, Paket- sowie Vorkassetarife ausschließen und einen Filter für die Anschluss­lauf­zeit anbieten würden. Schön wäre auch ein Über­blick über die Preis­entwick­lung des jeweiligen Tarifs. Sie würde offenlegen, wie oft und wie stark Anbieter den Preis erhöht haben.

Und nicht zuletzt: Mit ausführ­lichen Informationen zum Versorger und aktuellen Erläuterungen, etwa zu Ökostromsiegeln, direkt am Tarif könnten sie Wechselwil­ligen viel Zeit sparen.

Alles durch­aus mach­bare Verbesserungen. Die vielleicht dazu beitragen würden, Verbrauchern die Scheu vor dem Wechsel des Strom­anbieters zu nehmen.

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