Stromtarifrechner Test

Vier Suchportale überzeugen. Und vier fallen durch, da sie kaum günstige Stromangebote finden.

Seit die Strompreise die Schmerzgrenze erreicht haben, wechseln immer mehr Verbraucher den Anbieter. Wer es nicht tut, verschenkt womöglich einige Hundert Euro im Jahr. Das hat den Markt belebt. Die Schattenseite dieser Entwicklung: Für den Kunden wird es immer schwieriger, den für ihn besten Stromtarif zu finden. Rund 900 Versorger bieten zurzeit in Deutschland Strom an, manche gleich in Dutzenden von Tarifen. Es gibt zum Beispiel die Wahl zwischen Bonusmodellen, Paketangeboten, Ökostrom, Preisgarantie, Vorkasse.

Stromtarifrechner im Internet sind da eine willkommene Hilfe. Mit ihnen lässt sich schnell und kostenlos eine Liste der günstigsten Stromtarife ermitteln, einfach durch Eingabe von Postleitzahl und Jahresverbrauch. Mit Filtern wie „keine Vorkassetarife“ oder „nur Ökostrom“ sortieren sie das Ergebnis nach den Wünschen des Verbrauchers. Und wer will, kann vielen Stromanbietern auch gleich über das Portal einen Wechselantrag schicken – online oder als ausgedrucktes Formular per Fax oder Post.

Mittlerweile stehen Hunderte solcher Vergleichsrechner im Netz. Allerdings greifen viele davon auf die gleichen Datenbanken zurück, sodass nur wenige voneinander unabhängige übrigbleiben. Wir haben elf eigenständige Rechner ausmachen können und getestet: Wer findet die günstigsten Stromangebote, wer hat die aktuellen Daten, wer informiert den Verbraucher am besten über den Wechselvorgang?

Dem Sieger folgen drei Neulinge

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Am Ende gab es einen klaren Gewinner: Der Stromtarifrechner von Verivox.de hat als Einziger „sehr gut“ abgeschnitten. Das 1998 gegründete Portal hat die Nase vorn – sowohl bei den Suchergebnissen als auch bei der Darstellung und den Informationen rundherum. Überzeugen konnten aber auch drei Newcomer der Branche: Die Portale Tarifvergleich.de, Toptarif.de und Wer-ist-billiger.de, allesamt erst seit 2007 online, folgen mit durchweg „guten“ Noten auf den Plätzen. Vier Tarifrechner haben wir am Ende mit „mangelhaft“ bewertet. Sie hatten kaum einen der günstigsten Tarife gefunden (siehe Testabelle).

Ökostrom für Singles in Berlin

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Wir haben jeden Stromtarifrechner mit verschiedenen Vorgaben getestet, etwa Ökostrom für einen Singlehaushalt in Berlin gesucht oder Tarife ohne Vorkasse für eine Familie in Bayreuth (siehe Ausgewählt, geprüft, bewertet). Verivox.de hat fast immer die günstigsten Tarife gefunden, das heißt, dem Verbraucher geht hier nur sehr selten ein Angebot durch die Lappen. Den anderen Rechnern fehlten von den sieben besten Tarifen meist einer oder mehrere.

Die „Mangelhaften“ zeigen zu wenig

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Bei den vier „mangelhaften“ Portalen Stromtip.de, Stromforyou.de, Energieboerse-deutschland.de und Stromtarife.de bekamen unsere Tester meist nur drei oder noch weniger der sieben Topangebote zu sehen. Die Familie in Bayreuth etwa bekam bei den besten Tarifrechnern 869 Euro im Jahr als günstigstes Angebot genannt, beim schlechtesten 986 Euro. Möglicherweise verschenkt sie also fast 120 Euro im Jahr – obwohl sie den Anbieter wechselt.

Die nächste Überraschung gab es, als wir die aufgelisteten Tarife bei den Stromversorgern überprüften. Während Verivox.de 99 Prozent der Preise richtig angab, und wenn nicht, dann meist nur knapp da­ne­ben lag, waren andere hier weniger solide. Stromforyou.de zeigte viele Tarife, die es gar nicht gab, weil sie veraltet waren oder im gesuchten Postleitzahlengebiet doch nicht angeboten wurden. Außerdem war hier im Schnitt jeder dritte Preis falsch – mit Abweichungen von bis zu 15 Prozent. Alle Tarifrechner weisen darauf hin, dass sie nicht für vollständige und richtige Tarifdaten garantieren. Im Grunde gehen sie mit dem Nutzer gar keinen Vertrag ein. Das kostenlose Bereitstellen der Tarifinformationen gilt als Schenkung, aus der sich kaum Ansprüche ableiten lassen. Und wenn ein Wechselantrag über das Tarif­portal gestellt wird, entspricht das rechtlich dem Verhältnis Kunde zu Makler. Ein Makler aber muss auch nicht für die Vollständigkeit seiner Angebote garantieren.

Was die Datenbasis betrifft, hängen die Tarifrechner am Tropf der Strom­anbieter. Allein gelingt es ihnen nicht, alle Tarife ständig aktuell zu halten – es sind schlicht zu viele. Die Portale sind darauf angewiesen, dass die Stromversorger ihnen die Tarife und Preisänderungen mitteilen. Die Stromanbieter können sich dabei aussu­chen, wen sie beliefern. Manche bekommen die Daten daher erst später oder auch gar nicht, wodurch andere einen günsti­gen Tarif schon mal exklusiv haben.

Tarifrechner erhalten Provisionen

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Mit der Eingabe von Stromverbrauch und Postleitzahl lässt sich der günstigste Stromanbieter ermitteln, hier bei Verivox. Die Ergebnisse können mit verschiedenen Filtermöglichkeiten nach eigenen Wünschen sortiert werden. Über einen Button kann ein Wechselantrag verschickt werden.

Mit der Eingabe von Stromverbrauch und Postleitzahl lässt sich der günstigste Stromanbieter ermitteln, hier bei Verivox. Die Ergebnisse können mit verschiedenen Filtermöglichkeiten nach eigenen Wünschen sortiert werden. Über einen Button kann ein Wechselantrag verschickt werden.

Kann der Kunde auf dem Tarifrechnerportal den Wechselantrag eines Stromanbieters ausfüllen oder herunterladen, dann ist dieser Stromanbieter Geschäftspartner des Portals. Sobald jemand tatsächlich mit dem Wechselantrag wechselt, zahlt das Stromunternehmen dem Portal eine Provision. Die meisten Tarifrechner finanzieren sich – neben Werbeeinnahmen und Branchendiensten – durch diese Provisionen. Eine Ausnahme machen Energieverbraucherportal.de und Stromtarife.de, sie verzichten auf solche Provisionen. Daher ist bei ihnen auch kein direkter Wechsel möglich, es gibt nur einen Link zum Anbieter.

Wie die Verträge zwischen Tarifrechner und Stromanbieter im Einzelnen gestaltet sind, darüber schweigen sich die Beteiligten aus. Es lassen sich aber zum Teil rege Geschäftsbeziehungen erkennen. So hatte etwa Wer-ist-billiger.de im April eine exklusive Aktion mit den Stadtwerken Düsseldorf, durch die Kunden beim Abschluss über diesen Rechner 50 Euro Bonus erhielten. Das Portal bietet auch persönliche Tarifberatungen an, um Kunden per Telefon neue Anbieter zu vermitteln. Tarifvergleich.de und Toptarif.de heben einzelne Tarife mit einem „Tipp der Redaktion“ hervor – nur solche, bei denen ein direkter Wechsel möglich ist, sprich Provisionen fließen. Und bei Energieboerse-deutschland.de leuchtet neben der Ergebnisliste gleich die Werbung eines Strom­anbieters. Dass Stromanbieter wegen Provisionen weiter oben in der Ergebnisliste auftauchen, konnten wir aber nicht feststellen.

Verbraucher sollten bei der Suche nicht nur auf den Preis sehen. Alle Rechner bieten die Möglichkeit, gezielt nach Ökostrom zu suchen. Die Informationen zum grünen Strom sind allerdings oft spärlich. Nur wenige Portale geben an, ob der Tarif ein Ökostromzertifikat trägt. Ein sinnvolles Angebot ist so oft gar nicht zu erkennen. Viele weisen auch Fragwürdiges als Ökostrom aus (siehe Text Grüner Strom).

Billigste Angebote mit Haken

Insgesamt enthalten gerade die Vertragsbedingungen vermeintlicher Topangebote viel Kleingedrucktes. Die günstigsten Tarife gibt es zum Beispiel oft nur gegen Vorkasse oder mit einer Vertragsbindung von zwölf Monaten. Bonustarife, bei denen Neukunden nach dem ersten Jahr einen Teil des Geldes zurückbekommen, stehen im Ranking ganz vorn, wenn man den Bonus einrechnet. Die meisten Portale bieten die Möglichkeit, den Erstjahresrabatt herauszurechnen. Nur so bekommt man einen Überblick über die Kosten im Folgejahr (siehe Tipps). Auch für Vorkasse, Preisgarantien und Vertragslaufzeiten gibt es Filter – allerdings nicht immer. Bei Stromtip.de und Stromtarife.de lassen sich die Ergebnisse so gut wie gar nicht sortieren.

Neben der reinen Tarifrecherche bieten alle Portale Informationen rund ums Thema Strom. Vor allem Verivox.de glänzt mit umfangreichen Erklärungen zum Wechsel des Stromanbieters, mit Hintergrundinfos zu den einzelnen Stromversorgern und vielen Details zu den Tarifen. So wird zum Beispiel bei jedem Stromanbieter klar, wer dahintersteckt, ob Großkonzern oder kleiner Ökostromer. Verivox.de bewertet zudem den Kundenservice vieler Anbieter – etwa Kosten und Qualität der Hotline – und die allgemeinen Geschäftsbedingungen, zum Beispiel Vertragslaufzeit und Kündigungsfristen. Daneben können Kunden ihre Erfahrungen mit dem Anbieter beschreiben, sodass sich ein umfassendes Bild ergibt.

Auch andere Rechner bieten gute Informationen, aber nicht in dieser Fülle. Doch die Konkurrenz holt auf. So enthält zum Beispiel Energieverbraucherportal.de heute schon deutlich mehr Infos als zur Zeit unseres Tests. Verbraucher finden dort ein umfangreiches Bewertungssystem, das Preise, Service und Umweltaspekte der Anbieter vergleicht. Außerdem kommen immer noch neue Rechner auf den Markt, etwa Kilowatthandel.de, der kurz nach unserem Test online ging und nur Tarife ohne Vorkasse und ohne Paketpreise berücksichtigt.

Nur einmal ein Fiasko erlebt

Um ein Bild vom Wechselvorgang zu bekommen, haben wir exemplarisch über fünf Tarifportale einen Wechselantrag verschickt. Viermal lief alles glatt, nach wenigen Wochen hatten unsere Tester einen neuen Stromanbieter. Nur in einem Fall endete das Ganze im Fiasko: Erst herrschte wochenlang Funkstille, dann schoben sich Tarifportal und neuer Stromanbieter gegenseitig die Schuld in die Schuhe – ein Vertrag kam nicht zustande. Dass solche Reinfälle die Ausnahme sind, zeigte aber unsere Umfrage im Juni: Nur 13 der rund 1 500 Teilnehmer gaben an, dass der Stromtarifrechner die Anfrage nicht oder nicht richtig weitergeleitet hatte (siehe Artikel Stromanbieter: Keine Angst vor dem Wechsel aus test 08/2008).

Tipp: Achten Sie darauf, dass der Tarifrechner Ihren Wechselantrag im Internet verschlüsselt. Bei Energieboerse-deutschland.de und Findhouse.de gehen alle Daten inklusive Name, Adresse und Bankverbindung ungeschützt durchs Netz.

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