Stromtarife Test

Viele Stromkunden wollen nicht nur ein günstiges Angebot, sie wollen auch einen möglichst „sauberen“ Strom. Die Tarifbedingungen sollen fair und die Hotline kompetent sein. Reine Ökostromanbieter schaffen das am besten.

Die Auswahl ist riesig: Rund 940 Unternehmen bieten zurzeit in Deutschland Strom an, zusammen haben sie mehr als 10 000 Tarife ausgeklügelt. Wer will, kann Strom allein aus alternativen Energiequellen beziehen oder einen Mix aus Wasser-, Kohle- und Atomkraft. Es gibt die Tarife der Grundversorgung und Sonderverträge, es gibt Vorauskasse, Paketpreise, Bonusmodelle und Preisgarantien. Kurzum: Die Wahl des Stromtarifs erfordert heute einiges an Durchblick – und einen Standpunkt.

Stromtarife Test

Für die meisten Menschen ist ein guter Stromtarif einer, der nicht viel kostet. Doch viele schauen inzwischen nicht mehr nur auf den Preis, sondern fragen nach, wo denn dieses Lebenselixier herkommt, ob es im Kernkraftwerk oder in der Windmühle erzeugt wird und welches Unternehmen den Saft schließlich verkauft. Und nicht nur das: Wer schon öfter Stunden in der Wei­terverbindungsschleife einer Hotline verbracht hat oder sich darüber ärgert, dass er wegen langer Vertragslaufzeit nicht zu einem günstigeren Anbieter wechseln kann, achtet bei der Wahl des Anbieters auch auf Service und Vertragsbedingungen.

Im Test sind die Vertriebsgesellschaften und Discountunternehmen der vier größten deutschen Stromversorger, fünf preisgünstige überregionale Anbieter sowie vier konzernunabhängige, reine Ökostromanbieter (siehe Tabellen „Konventionelle Stromtarife“ und „Ökostromtarife“). Von diesen Anbietern haben wir für vier Städte – Berlin, Essen, Paderborn und Stuttgart – den jeweils günstigsten Tarif für konventionellen Strom und für Ökostrom herausgesucht und dessen Tarifbedingungen auf Verbraucherfreundlichkeit geprüft.

Außerdem haben wir mit verdeckten Anrufen und E-Mails getestet, wie diese Strom­anbieter potenzielle Neukunden beraten und welche Informationen sie im Internet bereitstellen (siehe „Telefon, E-Mail, Internet“).

So finden Sie den richtigen Tarif

Während die Ergebnisse des Beratungstests für den jeweiligen Anbieter gelten, sind die Ergebnisse des Tariftests nur für den jeweiligen Tarif gültig, andere Verträge desselben Anbieters können anders aussehen. Auch der Preis gilt nur für das jeweilige Postleitzahlengebiet bei einem Jahresverbrauch von 3 000 Kilowattstunden, etwa dem Verbrauch eines Zwei-Personen-Haushalts. Bei der Vielzahl von Angeboten im Markt ist unser Test also nur eine kleine Stichprobe. Er zeigt aber beispielhaft, worauf Sie bei der Suche nach einem Stromtarif achten müssen, was Sie erwarten können und welche Haken es gibt.

Tipp: Um ein Angebot für Ihr Tarifgebiet und Ihre Haushaltsgröße zu finden, geben Sie Ihren Jahresverbrauch und die Postleitzahl in einen Online-Stromtarifrechner wie Verivox.de ein (siehe Test Stromtarifrechner). Sie erhalten dann eine Liste der für Sie preisgünstigsten Stromtarife. Sehen Sie in den Tabellen „Konventionelle Stromtarife“ und „Ökostromtarife“ nach, wie gut deren Tarifbedingungen sind. Sind Tarife in der Liste, die nicht getestet wurden, prüfen Sie deren Vertragsbedingungen nach den gleichen Kriterien wie wir: Laufzeit, Kündigungsfrist, Zahlungsmodalitäten, Preisgestaltung, Serviceumfang.

Auf kurze Laufzeiten achten

In unserer Untersuchung bietet Yello Strom die besten Tarifbedingungen: Außer bei der Preisanpassung sind die Konditionen hier durchweg „sehr gut“. Das Wichtigste: Der Vertrag ist jederzeit mit einer Frist von einem Monat zum Monatsende kündbar. Damit bleibt man flexibel und kann stets auf bessere Angebote im Markt reagieren. Kritikpunkte: Yello Strom gibt keine Garantie, gesenkte Strompreise an Kunden weiterzureichen. Zudem ist Yello Strom vergleichsweise teuer.

Unser Test zeigt: Preisgünstige Verträge gibt es oft nur mit einer Mindestlaufzeit von einem Jahr. Auch Kündigungsfristen sind mit bis zu acht Wochen meist lang. Wird der Termin verpasst, verlängert sich der Vertrag oft automatisch um ein weiteres Jahr. Tarife der Üwag und der EnBW Onlinetarif müssen sogar drei Monate vor Vertragsende gekündigt werden.

Immerhin schließt kein Anbieter ein Sonderkündigungsrecht im Falle einer Preiserhöhung aus. Der Haken: Dieses Recht muss meist schnell – innerhalb von zwei bis drei Wochen – geltend gemacht werden. Nur energieGut und Greenpeace Energy geben sechs Wochen Zeit.

Tipp: Wenn Sie den Anbieter wegen einer Preiserhöhung wechseln wollen, sollten Sie selbst kündigen. Nur so stellen Sie sicher, dass die Frist nicht verstreicht. Ansonsten ist es besser, den neuen Anbieter alle Formalitäten erledigen zu lassen. Erteilen Sie ihm eine Vollmacht zur Kündigung Ihres Altvertrags, dann ist er bei Problemen in der Pflicht. In der Regel dauert der Wechsel sechs bis acht Wochen. Bei Verzögerungen wenden Sie sich an die Bundesnetzagentur oder die Verbraucherzentrale.

Preisgarantie für mindestens ein Jahr

Fast jeder Anbieter gibt heute Preisgarantien. Dabei gilt: je länger, desto besser. Häufig sind es zwölf Monate, eprimo in Berlin gibt sogar eine Garantie bis Ende 2010. Flexstrom dagegen schreibt den Preis im getesteten Tarif gerade mal für drei Monate fest. Das lohnt sich kaum.

Tipp: Preisgarantien sind gut, wenn sie mindestens für ein Jahr gelten. Im besten Fall wird der gesamte Bruttopreis garantiert, also Grundpreis und Arbeitspreis inklusive Steuern und Abgaben. Achten Sie darauf, dass die Garantie erst ab Lieferbeginn läuft und nicht schon ab Vertragsschluss, wie zum Beispiel bei der Üwag.

Auf Vorauskasse besser verzichten

Was die Zahlungsmodalitäten angeht, ist ein monatlicher Abschlag – also ohne Vorauskasse – am verbraucherfreundlichsten. Tarife mit Vorkasse oder Sonderabschlägen sind zwar oft günstiger, doch wenn es Ärger gibt, läuft man dem Geld mitunter lange hinterher. Kunden von Flexstrom und TelDaFax berichten, dass sie erst nach Androhen rechtlicher Schritte ihr Geld zurückbekommen haben.

Tarife mit festen Kilowattstundenpaketen, zum Beispiel der 2 400er Partner von Flexstrom, eignen sich nur für jene, die ihren Stromverbrauch genau einschätzen können. Wer mehr verbraucht als im Paket vereinbart, zahlt dafür den teureren Mehrverkaufspreis. Wer weniger verbraucht, bekommt keinen Cent zurück – da lohnt auch Stromsparen nicht. Am besten ist es, wenn der exakte Verbrauch abgerechnet wird.

Bonuszahlungen werden von vielen Anbietern verwendet, um Kunden zu locken. Meist wird das Geld mit der ersten Jahresrechnung in Aussicht gestellt. Doch auch hier berichten Verbraucher davon, das Boni nicht oder erst sehr spät gezahlt wurden.

Tipp: Vergleichen Sie Preise am besten ohne Bonuszahlungen. Dann wird auch klar, was der Tarif im nächsten Jahr kostet. Die Preise in unseren Tabellen sind ohne Boni ausgewiesen.

Mehr Service kostet mehr

Der Klimaschutz-Aktions-Tarif von Entega sowie die Tarife EnBW Online, RWE Strom Pur Online und Vattenfall Berlin Easy Privatstrom gibt es nur im Internet. In der Regel läuft dann die gesamte Kommunikation vorwiegend online: Zählerstände müssen meist online mitgeteilt werden, Rechnungen werden nur per E-Mail versandt. Das ist nicht jedermanns Sache. Dafür sind reine Onlinetarife meist preisgünstiger als die „Papiertarife“. Auch sonst bestätigt unsere Untersuchung: Mehr Service oder mehr Flexibilität kosten mehr. So ist der „sehr gute“ Yello Strom in den vier Beispielstädten zwischen 165 und 207 Euro für 3 000 Kilowattstunden (kWh) teurer als der „mangelhafte“ 2 400er Partner Tarif von Flexstrom.

Ökostrom muss nicht teuer sein

Neben konventionellen Stromtarifen haben wir uns auch die Vertragsbedingungen von Ökostromtarifen angesehen. Ob Laufzeiten, Kündigungsfristen oder Preisgarantien verbraucherfreundlich geregelt sind, ist hier genauso wichtig wie bei konventionellem Strom. Die besten Konditionen für Ökostrom bietet der Privatkundentarif von Greenpeace Energy, der allerdings mit 749 Euro für 3 000 kWh recht teuer ist. Insgesamt sind die Preise für Ökostrom jedoch heute mit denen für konventionellen Strom vergleichbar. Kurios: Mit Abstand am teuersten war der schlechteste Ökostromtarif im Test – der Standard Ökoflex von Flexstrom mit 945 Euro für 3 000 kWh.

Die von uns untersuchten Ökostromtarife liefern zu 100 Prozent Strom aus regenerativen Energiequellen (siehe Tabelle: Stromanbieter mit Ökostromtarifen), es entstehen also kaum Kohlendioxidemissionen und kein radioaktiver Abfall. Ausnahme: EWS Schönau. Hier stammt ein Teil des Stroms aus hocheffizienten Gaskraftwerken mit Kraft-Wärme-Kopplung. Diese produzieren neben Strom gleichzeitig Wärme und gelten daher trotz fossiler Energieträger als klimaschonend. Den Kohlendioxidausstoß beziffert EWS mit 17 Gramm pro Kilowattstunde (g/kWh), der Bundesdurchschnitt liegt bei 541 g/kWh. Einige Ökostromanbieter sichern eine „zeitgleiche Einspeisung“ des Stroms zu. Das soll gewährleisten, dass auch bei kurzfristigen Abweichungen zwischen prognostiziertem und tatsächlichem Stromverbrauch – den sogenannten Nachfragespitzen – nur Ökostrom geliefert wird. Andere speisen in diesem Fall einfach herkömmlichen Strom zum Ausgleich ins Netz ein und gleichen die Bilanz später aus.

Schutz vor Mogelpackungen

Ein Problem bleibt: Es fehlt eine allgemeine Definition, was eigentlich Ökostrom ist. So etikettieren Flexstrom und TelDaFax durch den Kauf von RECS-Zertifikaten konventionellen Strom lediglich zu „Ökostrom“ um – zusätzlicher Umweltnutzen gleich null (siehe „Ökostrom“). Label und Zertifikate bieten zwar einen gewissen Schutz vor Mogelpackungen, doch Stromkunden müssen genau hinschauen, was im Einzelnen zertifiziert wird. Oft wird als Kriterium auf die „Zubauwirkung“ verwiesen: Der Anbieter baut neue Ökostromanlagen. Das tun aber auch Großkonzerne, die ansonsten vor allem in Kohle- und Atomkraft investieren. Engagierter erscheinen da Anbieter, die nicht nur eine Zubauwirkung garantieren, sondern ausschließlich Strom aus umweltschonenden Energiequellen verkaufen.

Am besten zum reinen Ökostromer

Eine Entscheidungshilfe jenseits aller Label könnte daher der Blick in die Angebotspalette des Stromversorgers sein (siehe Tabelle: Stromanbieter mit Ökostromtarifen). Wer mit der Wahl eines Stromtarifs ein Zeichen für Klimaschutz und Energiewende setzen will, sollte einen Anbieter wählen, der ausschließlich umweltschonend erzeugten Strom verkauft. Im Test sind das EWS Schönau, Greenpeace Energy, Lichtblick und Naturstrom. Sie sind zum Teil aus Bürgerinitiativen entstanden und bieten noch heute die Möglichkeit, sich einzubringen – etwa als Genossenschafter bei Greenpeace Energy. Alle vier haben „gute“ Ta­rifkonditionen, beraten Neukunden „gut“ (siehe Tabelle: Information für Neukunden) und haben laut unserer Umfrage die zufriedensten Kunden (siehe Grafik).

Darüber hinaus gilt: Wer Strom spart und effiziente Geräte nutzt, erreicht als Einzelperson am meisten. Auch eine Solaranlage auf dem Dach oder die Beteiligung an Bürgersolaranlagen ist konkreter Klimaschutz. Der Wechsel zu Ökostrom ist da eher ein Versprechen in die Zukunft – wenn auch eines mit Signalwirkung: Die steigende Nachfrage belebt die Branche.

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