Strom­tarife Meldung

Im Februar hatte die Stiftung Warentest zehn Vergleichs­portale für Strom­tarife untersucht. Keines über­zeugte. Im Interview erklärt Projektleiterin Simone Vintz, wie gut die Angebote der Portale heute sind.

Haben die Anbieter ihre Strom­tarif­rechner im Internet verbessert?

Vintz: Nein, in den wichtigen Punkten nicht. Unsere Haupt­kritik im Test Stromtarifrechner galt den Voreinstel­lungen der Rechner. Hier hat es bis Ende Juni keine Verbesserungen gegeben. Manche Voreinstel­lungen sind noch verbraucherunfreundlicher geworden.

Können Sie ein Beispiel nennen?

Vintz: Ja. Verivox zum Beispiel. Wer nur seine Post­leitzahl und seinen Verbrauch eingibt, ohne selbst Filter anzu­klicken, erhält eine Liste mit güns­tigen Tarifen. Verivox hat allerdings Tarifmerkmale voreinge­stellt und diese Voreinstel­lungen wurden verändert: Die Verbraucher sehen jetzt nur Tarife, „von Anbietern mit hoher Kunden­empfehlungs­quote“. Das klingt zwar sehr positiv. Doch mit dieser Einstellung werden fast nur Tarife ange­zeigt, bei denen ein Vertrags­abschluss über Verivox möglich ist. Nur solche Tarife erhalten nämlich viele Kundenbe­wertungen. Verivox hat so dafür gesorgt, dass in der Ergeb­nisliste auf den vorderen Plätzen Tarife auftauchen, bei denen das Portal eine Provision verdient.

Verivox hatte in einem früheren Test sehr gut abge­schnitten, aber Anfang des Jahres nur noch befriedigend. Was war passiert?

Vintz: Im ersten Test vor gut fünf Jahren hatten wir den Unter­suchungs­schwer­punkt auf Richtig­keit und Voll­ständig­keit der Tarife gelegt. Das entsprach dem damaligen Selbst­verständnis der Rechner. Jetzt, wo die Vergleichs­rechner den Anspruch haben, Verbraucherportale zu sein, haben wir erst­mals auch die Qualität ihrer Suchergeb­nisse beur­teilt. In diesem Punkt über­zeugte aufgrund der Voreinstel­lungen kein Vergleichs­portal.

Was raten Sie Strom­kunden, die den Anbieter wechseln wollen?

Vintz: Sie können die Portale ruhig nutzen, sollten aber die Voreinstel­lungen ihren Bedürf­nissen anpassen. Wir empfehlen bequemen Kunden einen Tarif, der nicht nur durch den Bonus im ersten Jahr günstig ist. Außerdem sollte der Tarif eine Preis­garantie haben und eine kurze Anschluss­lauf­zeit nach Ablauf der Erst­vertrags­lauf­zeit haben.

Wieso kurze Anschluss­lauf­zeit?

Vintz: Der Kunde hat bei kurzen Anschluss­lauf­zeiten von beispiels­weise vier Wochen keinen Druck, bei Preiserhöhungen von seinem kurzen Sonderkündigungs­recht Gebrauch zu machen. Er kann ja sowieso schnell raus. Wichtig ist auch: Vor Abschluss den Anbieter googlen, um so von Erfahrungen anderer Kunden zu profitieren.

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