Strom­preis­erhöhungen Meldung

Strom­preis­erhöhungen sind oft unwirk­sam. Ein aktuelles Urteil des Europäischen Gerichts­hofs (EuGH) stärkt die Rechte von Verbrauchern. Doch Kunden müssen um ihr Geld kämpfen und riskieren sogar die Kündigung durch den Versorger. test.de informiert und sagt, was Sie tun können, wenn Ihr Versorger die Preise erhöht.

Gaspreis­urteil gilt wohl auch für Strom­kunden

Die meisten Strom­kunden, die schon einmal den Tarif gewechselt haben, müssen sich Preis­erhöhungen nicht gefallen lassen. Das Urteil des Europäischen Gerichts­hofs (EuGH) vom März zu Gaspreisen gilt auch für sie: Preis­erhöhungen sind nur zulässig, wenn Kunden anhand ihres Vertrags erkennen können, unter welchen Voraus­setzungen und nach welchem Verfahren sich die Preise ändern (Az. C-92/11). Auf der Grund­lage des EuGH-Urteils verurteilte der Bundes­gerichts­hof den Versorger RWE, Gaskunden Preis­erhöhungen zu erstatten – zum Teil über viele Jahre hinweg (Az. VIII ZR 162/09). Viele Juristen sind sich sicher: Was für Gaspreise gilt, ist auf Strom­preise über­trag­bar.

Tipp: Sparen mit fairen Tarifen Die Stiftung Warentest hat die Energiepreise für die 20 Städte recherchiert, in denen die meisten Finanztest-Abonnenten wohnen. Die größte Ersparnis fanden wir in Essen. Ein Haushalt mit 5 500 Kilowatt­stunden Jahres­verbrauch kann dort bis zu 321 Euro im Jahr sparen.

Wer vom EuGH-Urteil profitiert

Es profitieren die meisten Kunden, die den Strom- oder Gaslieferanten schon einmal gewechselt und damit die Grund­versorgung verlassen haben. Genau wie beim Gas (Finanztest 10/2013) gilt: Finanztest kennt kein Unternehmen, das eine eindeutig wirk­same Preis­erhöhungs­klausel verwendet. Die meisten Rege­lungen sind nach den Kriterien des EuGH-Urteils offensicht­lich unwirk­sam. Sie sehen eine Preis­erhöhung ohne Angabe von Gründen vor. Oft fehlt auch die Verpflichtung, die Preise bei sinkenden Kosten zu senken.

Chancen auf Erstattung sind groß

Bisher wiegeln die Energieversorger ab. Die Urteile bezögen sich auf Einzel­fälle und seien nicht über­trag­bar, erklären sie. Doch Juristen der Verbraucherzentralen und des Bundes der Energieversorger machen Strom- und Gaskunden Mut: Die Chancen auf Erstattung sind aus ihrer Sicht außer­ordentlich gut. Zumindest Geduld und Kampf­geist sind allerdings nötig. Ohne gericht­liche Schritte wird kaum ein Unternehmen zahlen. Außerdem können Energieversorger Kunden jeder­zeit kündigen und werden das wahr­scheinlich tun, wenn diese Forderungen stellen. Alle Einzel­heiten und ausführ­liche Tipps gibt es hier.

Tipp: Durch einen Wechsel des Stromversorgers sparen Sie oft sofort viele hundert Euro im Jahr. Den Kampf um Preis­erhöhungen gegen den alten Versorger können Sie trotzdem ausfechten.

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