Strompreise Meldung

Mehr als 100 Stromanbieter erhöhen ihre Preise, teilweise bis zu 15 Prozent. Grund genug, jetzt den Stromanbieter zu wechseln.

Schuld soll die Ökoenergie sein. So rechtfertigen einige der 119 Stromversorger ihre Preiserhöhung zum nächsten Jahr. Die Erhöhung trifft mehrere Millionen Verbraucher. Sie müssen im Schnitt 6,4 Prozent mehr bezahlen. Dies haben die Betreiber des Online-Vergleichsportals Verivox berechnet (Stand 1. Dezember).

Besonders drastisch schlägt die Oldenburger EWE AG zu. Bei ihr steigen die Strompreise im Onlinetarif um rund 14,6 Prozent. Ein Haushalt mit einem Jahresstromverbrauch von 4 000 Kilowattstunden zahlt dann 121,24 Euro mehr als bisher.

Aber auch sehr große Versorger wie Vattenfall oder EnBW bitten ihre Kunden ab 2010 stärker zur Kasse. Die hauptsächlich in Baden-Württemberg tätige EnBW will den Strom für alle Privatkunden mit Sondervertrag um rund 7,5 Prozent erhöhen, Vattenfall Berlin verlangt bald für den Grundtarif 5,9 Prozent mehr.

Doch was ist dran am Vorwurf, die Ökoenergie treibe die Preise? „Das ist bestenfalls die halbe Wahrheit“, sagt Holger Krawinkel vom Verbraucherzentrale Bundesverband. „Richtig ist, dass die Kosten für Wind-, Wasser- und Solarstrom gestiegen sind, aber nicht in dem Ausmaß, wie es manche Versorger darstellen“, sagt er.

Nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) werden die Erzeuger von Ökostrom besonders gefördert: Wind-, Wasser- und Solarstrom müssen vorrangig ins Netz eingespeist werden. Unabhängig von den aktuellen Marktpreisen erhalten die Betreiber solcher Anlagen eine festgeschriebene Vergütung pro Kilowattstunde. Die Gesamtkosten für Strom aus erneuerbaren Energien werden dann auf alle Stromkunden in Deutschland umgelegt.

„Durch die Umlage wird die Kilowattstunde ab 2010 höchstens 1 Cent teurer“, sagt Björn Klusmann vom Bundesverband Erneuerbare Energie. Die meisten Stromanbieter erhöhen ihre Preise aber gleich um mehrere Cent.

Falsche Preispolitik trifft Kunden

Holger Krawinkel nennt als Hauptursache für den Preisschub eine falsche Einkaufspolitik der Stromanbieter: „Einige Versorger hatten sich 2008, als die Megawattstunde an der Strombörse etwa 85 Euro kostete, mit langfristigen Strommengen eingedeckt. Wenig später fielen die Preise auf 45 bis 50 Euro. Viele Versorger sind aber immer noch an ihre alten Verträge gebunden.“

Die Folge spüren nun die Stromkunden: Die Versorger reichen die hohen Preise jetzt an den Endverbraucher weiter.

Dass es auch anders geht, zeigen 43 Stromversorger, die ihre Preise zum neuen Jahr senken. Einer davon sind die Stadtwerke Engen. Sie senken ab 2010 im Hegauprivatplus-Tarif die Preise um 5,9 Prozent. Ein Haushalt mit einem Verbrauch vom 4 000 Kilowattstunden zahlt dann 794 Euro. Zum Vergleich: Die gleiche Menge kostet bei der Oldenburger EWE AG ab Januar 951 Euro.

Politiker rufen zum Wechsel auf

Mit ihrer Preiserhöhung haben die Versorger nicht nur die Verbraucher verärgert, sondern auch Politiker gegen sich aufgebracht. Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle und Bundesverbraucherministerin Ilse Aigner fordern Stromkunden jetzt dazu auf, den Stromversorger zu wechseln.

„Ich kann den Verbrauchern nur raten, ihre Konsumentenmacht zu nutzen“, sagt Rainer Brüderle, Bundesminister für Wirtschaft und Technologie, zu Finanztest. „Damit tun sie nicht nur ihrem Geldbeutel etwas Gutes. Sie tragen zugleich dazu bei, dass der Wettbewerb im Stromsektor endlich in die Gänge kommt.“

Ob ein Wechsel des Versorgers möglich ist, zeigt ein Blick in den Stromvertrag. Leicht haben es alle Kunden, die bislang weder den Stromanbieter noch den Tarif gewechselt haben. Sie sind im Grundtarif, auch Basistarif oder allgemeiner Tarif genannt. Seine Kündigungsfrist ist kurz.

„Wer kündigen will, kommt zum Ersten des übernächsten Monats aus dem Vertrag“, sagt Thorsten Kasper vom Verbraucherzentrale Bundesverband. Kündigt ein Kunde also am 2. Dezember, kann sein neuer Vertrag ab 1. Februar beginnen.

Kunden, die bei ihrem jetzigen Versorger den Tarif geändert oder sich einen neuen Anbieter gesucht haben, sind dagegen in einem Sondertarif. Ihre reguläre Kündigungsfrist steht in den allgemeinen Geschäftsbedingungen. Zahlreiche Versorger wie etwa Yello Strom haben aber dieselbe Frist wie ein Grundtarif. Viele bieten zudem ein Sonderkündigungsrecht bei Preiserhöhungen.

Mühsam kann es für Verbraucher werden, die einen Jahres- oder Zweijahresvertrag abgeschlossen haben. Nur wenn in den allgemeinen Geschäftsbedingungen ein Sonderkündigungsrecht festgeschrieben ist, kommen sie ohne Schwierigkeiten vorzeitig aus dem Vertrag.

Einen günstigen Versorger finden

Beim Anbieterwechsel sind Verbraucherportale wie etwa www.verivox.de unverzichtbar. Sie bieten Vergleichsrechner für Stromtarife an.

Der Preis sollte beim Wechsel aber nicht das einzige Auswahlkriterium sein. Warum, zeigt dieses Beispiel:

Wir haben bei www.wer-ist-billiger.de und www.toptarif.de einen jährlichen Verbrauch von 4 500 Kilowattstunden und eine Berliner Postleitzahl eingegeben. Zu weiteren Punkten in der Suchmaske wie Bonus, Preisgarantie oder Zahlungsweise haben wir keine Angaben gemacht.

Beide Rechner nannten dasselbe Ergebnis: Am günstigen ist das „4500 Family Herbst Special“ der Flexstrom AG mit Treuebonus und einer Preisgarantie von drei Monaten. Als Preis wurde 592,38 Euro angegeben. Die Betrag ist für zwölf Monate im Voraus fällig.

Das Angebot hat gleich mehrere Haken: Ein Blick in die Tarifdetails beider Vergleichsrechner zeigt: In den Endpreis von 592,38 Euro wurde bereits ein Bonus von 120 Euro für Neukunden eingerechnet. Ihn erhalten laut Geschäftsbedingungen der Firma nur Kunden, die nicht im ersten Laufjahr kündigen.

Wer vorher kündigt, zahlt für den Strom 712,38 Euro. Dies wäre noch vergleichsweise günstig, wenn der Preis so bliebe.

Flexstrom garantiert den günstigen Preis aber nur für drei Monate, obwohl die Laufzeit zwölf Monate beträgt. Zahlreiche Verbraucher berichten uns von Preiserhöhungen bei ganz ähnlichen Tarifmodellen nach Ablauf der Preisgarantie, teilweise sogar bis zu 25 Prozent.

Ein weiterer Nachteil des Angebotes: Mit dem Tarif kauft der Kunde eine feste Strommenge als „Strompaket“ (siehe Checkliste). Verbraucht er mehr als 4 500 Kilowatt, muss er für jede weitere Kilowattstunde 20,50 Cent bezahlen. Verbraucht er weniger, gibt es nichts zurück.

„Niemand sollte sich vom Wechseln abschrecken lassen, nur weil einige wenige Verträge besonders viele Fallstricke haben“, sagt Dagmar Ginzel von Verivox. Das Unternehmen hat den Flexstrom-Tarif „4 500 Family Herbst Special“ aus dem Vergleichsrechner genommen.

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