Strom­preis: Die Hälfte sind Abgaben

Die Strom­preise kennen seit Jahren nur eine Richtung – aufwärts. Schuld an der Entwick­lung sind nicht nur gestiegene Beschaffungs­preise. Auch die Abgaben steigen. Sie machen inzwischen mehr als die Hälfte des Strom­preises aus.

Strom­preise Test

EEG-Umlage

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Der größte Posten unter den Abgaben und Steuern ist die EEG-Umlage nach dem ­Erneuer­bare-Energien-Gesetz (EEG). Ab 2014 bezahlt der Strom­kunde für die Umlage 6,24 Cent pro verbrauchter Kilowatt­stunde. Für ­unseren Muster­haushalt mit einem Jahres­verbrauch von 5 500 Kilowatt­stunden sind das künftig mit Mehr­wert­steuer ­etwas mehr als 408 Euro pro Jahr.

Doch warum steigt die Umlage so stark? Schuld daran sind vor allem zwei Entwick­lungen:

Immer mehr Ökostrom

Die Höhe der EEG-Umlage wird auch von den Preisen an der Leipziger Strombörse beein­flusst. Um einen Anreiz zum Bau von Solar-, Wind­kraft- oder Biogas­anlagen zu schaffen, erhalten ihre Betreiber eine Abnahme­garantie für ihren Strom und eine auf 20 Jahre garan­tierte Vergütung. Sie liegt deutlich über dem Strom­preis an der Leipziger Börse.

Da immer mehr Strom aus erneuer­baren Energien produziert wird und die konventionellen Versorger ihre Kraft­werke nicht einfach abstellen können, gibt es ein Über­angebot, und die Preise an der Strombörse fallen. Die Differenz zwischen nied­rigem Börsen­preis und höherer garan­tierten Vergütung bezahlen die Verbraucher über die EEG-Umlage.

Ungleiche Kosten­verteilung

Viele Unternehmen mit hohem Energieverbrauch können eine Reduzierung der Umlage oder sogar die Befreiung beantragen. Das nutzen im Jahr 2013 laut Bundes­amt für Wirt­schaft und Ausfuhr­kontrolle mehr als 1 700 Firmen. Sie sparen dadurch mehrere Milliarden Euro, die alle anderen Kunden schultern müssen. Die Idee der Vergüns­tigungen ist eigentlich vernünftig. Firmen im interna­tionalen Wett­bewerb sollen konkurrenz­fähig bleiben. Das Problem ist nur: Die Ausnahmen wurden zuletzt deutlich ausgeweitet. Inzwischen kommen auch zahlreiche Schlacht­betriebe und Molkereien in den Genuss dieser Vergüns­tigungen.

Strom- und Mehr­wert­steuer

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Die Strom­steuer hat einen Anteil von rund 7 Prozent am Strom­preis. Sie beträgt 2,05 Cent pro Kilowatt­stunde und fließt zu großen Teilen in die Rentenkasse. Auf sämtliche Steuern und Abgaben zahlt der Kunde außerdem noch die Mehr­wert­steuer.

Off­shore-Umlage

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Die Off­shore-Haftungs­umlage gibt es erst seit diesem Jahr. Die Off­shore-Wind­parks sind darauf angewiesen, an das Über­tragungs­netz an Land ange­schlossen zu sein. Das hat vielfach nicht funk­tioniert. Wegen lang­andauernder Netzunter­brechungen oder fehlender Netze steht den Wind­park­betreibern deswegen eine Entschädigung zu. Diese bezahlen zu einem Teil die Strom­kunden über die Off­shore-Umlage.

Konzessions­abgabe

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Die Kommunen bekommen eine sogenannte Konzessions­abgabe von den Versorgern. Es ist eine Entschädigung dafür, dass die Versorger für die Verlegung und für den Betrieb von Stromleitungen öffent­liche Wege und Flächen nutzen.

Netznut­zung und §19-Umlage

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Die Netz­betreiber bekommen für den Strom­trans­port Netz­entgelte. Dazu fallen Kosten für den Mess­stellen­betrieb an. Das macht zusammen rund 21 Prozent des Strom­preises aus.

Auch auf die Netz­entgelte gibt es ­Vergüns­tigungen für Groß­verbraucher. Denn Unternehmen, die besonders viel Strom verbrauchen oder die Netze „atypisch“ nutzen, also beispiels­weise nachts, können eine Reduzierung beantragen oder sich befreien lassen. Damit die Netz­betreiber nicht auf diesen Kosten sitzenbleiben, gibt es die Paragraf-19-Umlage. Damit werden die entgangenen Einnahmen der Netz­betreiber auf die Verbraucher abge­wälzt.

Quelle: Verband kommunaler Unternehmen e. V. , Stand: Oktober 2013

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