Strom­preise Test

Genervt von hohen Strom­preisen? Mit einem Anbieter­wechsel lassen sich im besten Fall mehr als 300 Euro sparen – und das sogar mit fairen Tarifen.

Es ist wieder so weit: Die ersten Strom­kunden bekommen schon Mitte November Post von ihrem Versorger. Er schickt ihnen eine Preis­erhöhung für 2014.

Haushalte mit einem Jahres­verbrauch von beispiels­weise 5 500 Kilowatt­stunden müssen künftig mindestens 63 Euro im Jahr mehr zahlen. Ärgerlich ist das vor allem, weil bereits im Jahr 2013 viele Kunden eine saftige Strom­preis­erhöhung verschmerzen mussten.

Wer sich ärgert, jetzt schon wieder mehr bezahlen zu müssen, kann gleich zweierlei tun. Erstens: Er wechselt zu einem güns­tigeren Anbieter und holt so weit mehr als die Preis­erhöhung wieder rein. Zweitens: Er verbraucht weniger Strom und kann damit mehr als 100 Euro im Jahr sparen (siehe Energiespartipps).

Viele sparen hunderte Euro im Jahr

Wie hoch die Ersparnis beim Anbieter­wechsel ist, hängt vom Verbrauch, vom Preis des aktuellen Tarifs und vom Wohn­ort ab. Wir haben am 22. Oktober die Preise für die 20 Städte recherchiert, in denen die meisten Finanztest-Abonnenten wohnen. Die größte Ersparnis fanden wir in Essen. Ein Haushalt mit 5 500 Kilowatt­stunden Jahres­verbrauch kann dort bis zu 321 Euro im Jahr sparen, sofern der Kunde noch nie gewechselt hat und deswegen im Grund­versorgungs­tarif des örtlichen Versorgers ist. In Frank­furt am Main waren im selben Fall fast 280 Euro möglich (Tabelle Preisersparnis). Auch Kunden, die schon einmal bei ihrem Grund­versorger den Tarif gewechselt haben, sparen noch: In Essen sind mehr als 170 Euro drin, in Frank­furt 190 Euro.

Erhöhung trotz Preis­garantie

Ein Grund für den Preis­anstieg im Jahr 2014 ist die Erhöhung der EEG-Umlage nach dem Erneuer­bare-Energien-Gesetz (EEG). Die Umlage steigt um 18 Prozent auf 6,24 Cent pro verbrauchter Kilowatt­stunde.

Die Erhöhung hat nicht allein mit dem Ausbau der erneuer­baren Energien zu tun. Privatkunden zahlen mit ihrer EEG-Umlage auch für Groß­verbraucher mit, die Vergüns­tigungen bekommen (siehe „Die Hälfte sind Abgaben“). Hinzu kommt, dass in einigen Regionen die Netz­entgelte steigen.

Selbst für Kunden, die einen Vertrag mit Preis­garantie haben, kann es teurer werden. Denn die meisten Preis­garan­tien schließen Steuern und Umlagen aus. Damit sind über­haupt nur gut 50 Prozent des Strom­preises garan­tiert. Der Rest sind Steuern und Abgaben (siehe „Die Hälfte sind Abgaben“).

Wechsel setzt Versorger unter Druck

Der Präsident der Bundes­netz­agentur, Jochen Homann, ermuntert Strom­kunden zum Wechsel: „Nur ein Anbieter­wechsel setzt die Versorger unter Druck“, sagt er.

Solange die Unternehmen sicher sein können, dass die Kunden Preissteigerungen hinnehmen, ohne zu kündigen, werden sie wenig Hemmungen haben, die Preise zu erhöhen. Doch mit dem Druck auf die Unternehmen ist es bisher nicht weit her: Nur 17 Prozent der Haushalte sind schon einmal zu einem ganz neuen Versorger gewechselt.

„Wir beob­achten, dass die Verbraucher kein Vertrauen in den Markt haben. Aus diesem Grund bleiben viele Strom­kunden lieber bei ihrem örtlichen Stadt­werk“, sagt Energie­experte Thorsten Kasper vom Verbraucherzentrale Bundes­verband.

Die Zurück­haltung der Kunden ist verständlich. Schließ­lich haben die Pleiten der Energiefirmen Flex­strom und Teldafax mehr als 1,5 Millionen Gläubiger getroffen. Das verunsichert.

Vom Wechsel sollte sich trotzdem niemand abhalten lassen. Es gibt viele seriöse Stromanbieter am Markt. Wer nicht nur auf den Preis schaut, sondern auch auf die Tarifbedingungen, findet Angebote, die fair und günstig sind.

Strom­tarif­rechner richtig nutzen

Strom­kunden, deren Stadt nicht in der Über­sicht dabei ist, oder die erst später wechseln wollen, finden aktuelle Angebote nur mithilfe von Vergleichs­portalen im Internet wie Check24, Toptarif oder Verivox. Alternativen haben sie nicht.

Unsere Schwesterzeit­schrift test hat die Stromtarifrechner zu Jahres­beginn untersucht. Keiner konnte über­zeugen (siehe test 3/2013). Ein Kritik­punkt der Tester waren die Voreinstel­lungen der Rechner, die die Tarif­auswahl der Verbraucher beein­flussen. Kunden, die in den Rechner nur Post­leitzahl und Jahres­verbrauch eingeben, landen wegen voreinge­stellter Filterkriterien schnell im falschen Tarif. Doch das lässt sich leicht umgehen: Nutzer sollten deswegen mithilfe unserer Anleitung in der Tabelle unten die Filterkriterien selbst einstellen, um einen verbraucherfreundlichen Tarif zu finden (siehe „Gute Wahl“).

Tarif­rechner lenken den Kunden­strom

Vor der Pleite von Teldafax hatten die Rechner lange die Voreinstellung „Vorkassetarife berück­sichtigen“. Wer damals nur seine Post­leitzahl und seinen Verbrauch einge­geben hatte, bekam als güns­tigsten Anbieter oft Teldafax genannt. Oben standen Tarife mit Vorkasse, bei denen der Kunde die gesamte Strommenge ein Jahr im Voraus bezahlen musste.

„Diese Voreinstellung hat Anteil daran, dass die Zahl der Gläubiger über­haupt so immens hoch ist“, sagt Udo Sieverding, Energie­experte der Verbraucherzentrale Nord­rhein West­falen. „Die Verbraucherzentralen haben schon lange vor der Teldafax-Pleite die Rechner aufgefordert, diese Voreinstellung abzu­schaffen“, sagt er.

Riskant sind Vorkassetarife, weil die Voraus­zahlungen im Fall einer Pleite zur Insolvenzmasse gehören. Im schlimmsten Fall ist das Geld verloren.

Inzwischen sind die Voreinstel­lungen der Tarif­rechner etwas freundlicher geworden. Wichtige Tarifkriterien wie eine monatliche Zahlungs­weise, eine Preis­garantie und eine kurze Kündigungs­frist sind heute oft voreinge­stellt.

Neukundenbonus wird zur Falle

Eine große Falle gibt es aber noch in den Einstel­lungen der Vergleichs­portale: In der Liste der Sucher­gebnisse steht normaler­weise ein Gesamt­preis, von dem bereits ein hoher Neukundenbonus abge­zogen ist.

„Die ersten zehn Plätze belegen haupt­sächlich sehr billige Anbieter mit Boni bis zu 25 Prozent auf die Gesamt­kosten“, sagt Simone Vintz, die verantwort­liche Projektleiterin für den Test der Stromtarifrechner.

Der Neukundenbonus hat gleich mehrere Haken. Immer wieder müssen sich Kunden mit Versorgern um die Auszahlung streiten. Und wenn sie ihn in voller Höhe bekommen, dann macht der Bonus den Tarif oft nur im ersten Jahr billig.

Kunden, die nicht jedes Jahr einem Neukundenbonus hinterherjagen wollen, sollten daher diese Voreinstellung ändern.

Leser­aufruf Strom-Discounter

Wie wichtig die Auswahl eines fairen Anbieter ist, zeigen auch die Zuschriften auf unseren Leser­aufruf im Mai. Sie geben einen schönen Einblick in die Trick­kiste einiger Versorger. Hier eine Auswahl:

Um den Bonus geprellt. Die Almado- Energy hat einen perfiden Trick, Boni nicht zu zahlen. Ein Leser wollte seinen Vertrag wegen einer Preis­erhöhung frist­gerecht zum 30. April 2013 kündigen. Almado bestätigte ihm die Kündigung aber zum 19. April 2013. Der Bonus ist an eine Belieferungs­zeit von zwölf Monaten geknüpft. Er ging dem Kunden verloren, weil ihm wenige Tage zu dieser Frist fehlten.

Jahres­verbrauch hoch­geschraubt. Der monatliche Abschlag berechnet sich nach dem Jahres­strom­verbrauch, den der Energieversorger prognostiziert. Ein Kunde, der drei Jahre bei Stromio Kunde war, verbrauchte im ersten Vertrags­jahr 3 400 Kilowatt­stunden Strom, im zweiten 3 500. Im dritten Jahr setzte das Unternehmen plötzlich einen Jahres­verbrauch von 4 114 Kilowatt­stunden an. Der monatliche Abschlag erhöhte sich. Erst als der Kunde mit Kündigung drohte, reagierte Stromio.

Preis verschleiert. Hitstrom verschwieg bei Vertrags­abschluss eine Kosten­steigerung, die bereits fest­stand. Ein Kunde hatte am 10. Dezember einen Vertrag zum 1. März abge­schlossen. Da war längst klar, dass die EEG-Umlage im folgenden Jahr steigen würde. Kurz vor Liefer­beginn erhielt der Kunde eine Mitteilung, dass die Belieferung bald losgehe, die Abgaben aber gestiegen seien und er mehr zahlen müsse.

„Das kann kein Zufall sein“, vermutet Fabian Fehrenbach von der Verbraucherzentrale Rhein­land-Pfalz. „Bei fairen Angeboten sind bekannte Kosten bereits in den Endpreis einge­rechnet“, sagt er.

Solche Ärger­nisse müssen nicht sein. Wer keinen Stress mit Boni haben will, wählt einen Tarif, der ohne Bonus günstig ist. Sehr wichtig ist auch die Anschluss­lauf­zeit. Meiden Kunden Verträge, die sich im zweiten Vertrags­jahr auto­matisch um zwölf Monate verlängern, bleiben sie flexibel. Dann können sie bei möglichem Ärger schnell wechseln. Achtung: Die Anschluss­lauf­zeit ist in den Tarif­rechnern kein Filterkriterium. Sie steht unter „Tarifdetails“.

Dieser Artikel ist hilfreich. 110 Nutzer finden das hilfreich.