Die Strompreise steigen und haben das Niveau vor der Öffnung des Marktes erreicht. Preiserhöh­ungen um ein Drittel seit Herbst 2000 sind kein Einzelfall.

Wer Gründe für die ständig steigenden Strompreise sucht, kommt an einem Wortungetüm nicht vorbei: Netznutzungsentgelte. Seit der Liberalisierung des deutschen Strommarkts sind sie in der Diskussion. Genau genommen handelt es sich um Transportgebühren. Sie sind für die Durchleitung des Stroms von den neuen Netznutzern an jene Konzerne zu entrichten, die seit langem Besitzer der Stromleitungen sind: EnBW, Eon, RWE und Vattenfall Europe. Sie setzen die Höhe der Nutzungsentgelte fest. Die Neulinge am Markt müssen kräftig zahlen, weil sie ihren Strom auf dem Weg in die Haushalte durch deren Leitungen und Umspannwerke schicken müssen. Sie kalkulieren den Strompreis oft so, dass am Ende ihre Kunden die Durchlei­tungsgebühren zu tragen haben.

Ohne Aufsicht

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Bislang existiert keine Aufsichtsbehörde, die die Netzbetreiber und ihr Drehen an der Preisschraube im Blick hat. Eine Vorabgenehmigung der Durchleitungstarife durch eine staatliche Regulierungsbehörde ist im Gespräch, aber noch nicht verwirklicht. Bei der gegenwärtigen Beratung des Energiewirtschaftsgesetzes versuchen die Verbraucherverbände, wieder Voraussetzungen für einen spürbaren Wettbewerb auf dem Strommarkt zu schaffen. Die Verbraucherzentralen werfen der Stromwirtschaft eine Abzocke der privaten Kundschaft vor – durch eine Preisgestaltung, die kaum nachvollziehbar ist.

Der Verband der Elektrizitätswirtschaft hingegen unterstellt den Verbraucherschützern „bewusste Irreführung“ der Stromkunden. Die Sicherheit der Stromversorgung habe eben ihren Preis. Vor allem die staatlichen Belastungen seien dafür verantwortlich, dass die Preise für die Haushalte wieder genauso hoch seien wie zu Beginn des Wettbewerbs.

Der Kunde ärgert sich über den ständig steigenden Tarif seines Stromversorgers. Und das inzwischen sehr einheitliche und recht hohe Strompreisniveau schreckt viele Interessenten ab, sich von ihrem alten Stromanbieter zu trennen und zu einem neuen, billigeren zu wechseln. Der Aufwand zahlt sich kaum aus.

Die Netznutzungsentgelte in Deutschland sind sehr unterschiedlich: im Osten und Westen sehr hoch, im Norden eher mäßig und im Süden vergleichweise niedrig. Pro Kilowattstunde liegen sie zwischen 3 und knapp 8 Cent. Anders im Ausland: In Großbritannien und Schweden sind die Entgelte nur etwa halb so hoch.

Mit Hintergedanken

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Marktbeobachter sehen in dieser Kostengestaltung ein Zeichen, wie die Durchleitungsentgelte eingesetzt werden, um unliebsame Mitbewerber auszutricksen. Die Netzbetreiber setzen gezielt hohe Entgelte an. Die Konkurrenten kommen nicht umhin, sie zu bezahlen, wenn sie ihren Strom an die Haushalte liefern wollen. Vielfach machen die Nutzungsentgelte den dicksten Kostenbrocken in der Preisgestaltung aus. So haben die konkurrierenden Anbieter kaum eine Chance, neue Kunden mit attraktiven Preisen zu locken.

Das bekam auch der Hamburger Anbieter Lichtblick zu spüren. Er begründete seine Strompreiserhöhung für Haushaltskunden zum 1. Januar unter anderem mit den gestiegenen Kosten bei der Durchleitung. Vattenfall Europe, der Betreiber des Hochspannungsnetzes in den östlichen Bundesländern, Berlin und Hamburg, habe die Netzentgelte zum Jahreswechsel um 20 Prozent angehoben.

Nur kurze Zeit billig

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Die Entgelte im Visier hat auch der Verband der Industriellen Energie- und Kraftwirtschaft. Bei rund 150 regionalen Stromnetzen bestehe der Verdacht, dass die Betreiber ihren Kunden überhöhte Netzentgelte in Rechnung stellen. Das seien 30 Prozent mehr Netzbesitzer als ein Jahr zuvor.

Die Strompreise in Deutschland bewegen sich seit Jahren nur in eine Richtung: nach oben. Nach der Öffnung des Strommarktes für neue Anbieter vor sechs Jahren hatten sich alle Beteiligten das Gegenteil erhofft. Der frische Wind im Wettbewerb sollte die Preise durcheinander wirbeln und drücken. Aber billigen Strom gab es nur kurze Zeit. Viele der neuen Stromanbieter mit günstigen Preisen sind schon längst nicht mehr am Markt. Auch 2005 müssen Stromkunden mit Tariferhöhungen rechnen und sind die Verlierer. Nach Ansicht des Verbands der Elektrizitätswirtschaft liegen die Steigerungen „im einstelligen Prozentbereich“.

Preissteigerung frisst Vorteile auf

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Strompreiserhöhungen ausgewählter Anbieter von September 2000 bis Januar 2005.

Die Grafik zeigt, um wie viel Prozent sich der Haushaltsstrom von September 2000 bis Januar 2005 verteuert hat. Wir haben Tarife ausgewählt, die sich in dieser Zeit in Struktur und Energiemix nicht oder nur wenig verändert haben.

Trauriger Spitzenreiter ist Yello Strom. In Hamburg und Berlin müssen Yello-Kunden mit einem hohen Jahresverbrauch von 6 000 Kilowattstunden über die Hälfte mehr bezahlen. Auch bei Haushalten mit mittleren Verbräuchen hat Yello kräftig zugeschlagen. Selbst Kleinverbraucher, die nur 1 600 Kilowattstunden im Jahr aus dem Netz holen, müssen seit September 2000 ein Fünftel bis ein Drittel mehr bezahlen.

Bei anderen Stromanbietern sind die Preiserhöhungen weniger abhängig von der jährlich verbrauchten Kilowattstundenzahl, aber trotzdem noch happig genug. Anders als Yello belastet Eon mit dem Aqua Power Tarif stärker die Single-Haushalte mit niedrigem Verbrauch – plus 47 Prozent – und hat die Preise in Haushalten mit hohem Verbrauch „nur“ um 38 Prozent erhöht. Bei Bewag Berlin Klassik liegen die Preisaufschläge zwischen 19 und 23 Prozent, sehr ähnlich auch bei RWE private direct und private nature.

Bei den übrigen Anbietern sieht das Bild kaum anders aus. Auch hier liegen die meisten Steigerungen zwischen 20 und 30 Prozent, allerdings bringt es NaturEnergie mit Natur-Energie Silber auf Preiserhöhungen von rund 35 Prozent. Da ist Greenpeace fast vorbildlich: Mit nur 2 bis 3 Prozent Erhöhung in gut vier Jahren verteuerte sich der Ökostrom nur minimal. Aber: Greenpeace war und bleibt einer der teuersten Ökostrom-Lieferanten auf dem deutschen Markt.

Eine völlig andere Sortierung der Anbieter ergibt sich bei der Gegenüberstellung der jährlichen Stromkosten in absoluten Zahlen. Egal ob 1 600, 4 000 oder 6 000 Kilowattstunden in den Modellhaushalten auf der Rechnung stehen, die drei teuersten Anbieter liefern Ökostrom: Greenpace energy und NaturEnergie mit zwei Tarifen. Der preiswerteste Ökolieferant ist in allen drei Fällen Lichtblick.

Yello noch immer preiswert

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1) Bundesweit ohne Eon-Bayern-Netzgebiet.
2) Nur regional verfügbar.

Trotz der enormen Preissteigerungen in den vergangenen Jahren zählt Yello noch immer zu den billigsten Stromanbietern. Ein Beispiel: Für 4 000 Kilowattstunden pro Jahr zahlen Yello-Kunden in Köln 703 Euro und in München 713 Euro. Für einen gleich hohen Jahresverbrauch verlangt Lichtblick 787 Euro, Greenpeace 830 Euro und NaturEnergie, Tarif Gold, als teuerster Anbieter 949 Euro.

Die Grafiken verstärken den Eindruck, dass die Höhe der Strompreise relativ ausgeglichen ist. Das war nicht immer so. Nach der Öffnung des Strommarktes für neue Anbieter war das Preisgefälle riesig. Das Strompreisniveau rutschte auch insgesamt kräftig ab. Inzwischen ist es wieder auf dem relativ hohen Stand kurz vor der Liberalisierung. Die Zeit niedriger Strompreise scheint zunächst vorüber zu sein. Der Markt ist bereinigt. Viele Billiglieferanten sind verdrängt worden.

Nur geringe Unterschiede im Preis

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1) Bundesweit ohne Eon-Bayern-Netzgebiet.
2) Nur regional verfügbar.

Beim Singlehaushalt, Verbrauch 1 600 Kilowattstunden im Jahr, liegt die Differenz zwischen teuerstem und billigstem Anbieter bei 119 Euro. Wer sich für Ökostrom entscheidet, muss generell mehr bezahlen. Kleinverbraucher, die keinen Wert legen auf umweltschonende Stromproduktion und Ökoanbieter links liegen lassen, können durch einen Anbieterwechsel nur wenige Euro im Jahr einsparen.

Unser Tipp: Auch wenn die Preisunterschiede nicht riesig sind, prüfen Sie, ob es einen preisgünstigeren Stromversorger gibt. Unser Preisvergleich hilft dabei. Auch wer ein Zeichen für Ökostrom aus erneuerbaren Energien setzen will, wagt aus gutem Grund den Anbieterwechsel. Strom aus Wind- und Wasserkraft, Sonnenenergie und Kraft-Wärme-Kopplung ist stets eine gute Empfehlung, denn er schont die Ressourcen.

Alternative Stromsparen

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1) Bundesweit ohne Eon-Bayern-Netzgebiet.
2) Nur regional verfügbar.

Einer hohen Stromrechnung lässt sich auch durch sparsamen Umgang mit der Energie aus der Steckdose vorbeugen. Stromsparen heißt nicht unbedingt, Licht zu sparen. Es sind vielmehr die heimlichen Stromfresser im Haushalt, die den Verbrauch in schwindelnde Höhen treiben: alte Kühl- und Gefriergeräte und der Stand-by-Verbrauch der Unterhaltungselektronik. Der regelmäßige Blick auf den Stromzähler und ein zwischen Stecker und Steckdose geschaltetes Strommessgerät können erste Maßnahmen sein, den Verbrauch besser in den Griff zu bekommen.

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