Interview: Die Preise sind generell zu hoch

Strompreise Meldung

Dr. Holger Krawinkel ist Energieexperte beim Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv).

Was schätzen Sie: Wie stark könnten die Strompreise in Deutschland sinken, wenn echter Wettbewerb und faire Chancen bestehen würden?

Die Netzentgelte variieren in Deutschland zwischen 3,1 und 7,7 Cent je Kilowattstunde. In Dänemark betragen sie nur etwa 2,6 Cent je Kilowattstunde und somit nur etwa 40 Prozent des deutschen Durchschnitts. Eine Liberalisierung des Mess- und Zählwesens könnte zu weiteren Kostensenkungen führen. Bei der Stromerzeugung würde sich ein zunehmender Wettbewerb vor allem bei den anstehenden Kraftwerksneubauten kostensenkend auswirken. Das gesamte Kostensenkungspotenzial beträgt 2 bis 3 Cent je Kilowattstunde und kann schrittweise in den nächsten fünf bis zehn Jahren erreicht werden.

Dennoch steigen aktuell die Preise. Wo liegen die Hauptgründe dafür?

Wegen des um 33 Prozent gestiegenen Preises für Steinkohle dürfte sich die Stromrechnung nur um 0,2 Cent je Kilowattstunde, also um 1 Prozent, erhöhen. Erdöl spielt in Deutschland bei der Stromerzeugung keine Rolle und Erdgas ist gegenüber dem Vorjahr günstiger geworden. Der eigentliche Grund dürfte in den erhöhten Renditeanforderungen der Energiekonzerne liegen. Die exorbitant gestiegenen Gewinne in den letzten beiden Jahren zeigen die erfolgreiche Umsetzung dieser Shareholder-Value-Philosophie.

Welche Anbieter schlagen bei den Preiserhöhungen besonders hart zu?

Die Strompreise sind in Deutschland generell zu hoch. Bis zu 5 Milliarden Euro werden den privaten Haushalten und den Kleinverbrauchern, folglich der Binnenkonjunktur und somit wiederum der nicht stromerzeugenden Wirtschaft entzogen.

Welche Maßnahmen halten Sie für erforderlich, um die Kunden vor hohen Strompreisen zu schützen?

Gegenwärtig wird das Energiewirtschaftsgesetz beraten. Die Bundesregierung hat auf Druck der Verbraucher und des Bundesrates einige Verbesserungen angekündigt. Zur Schaffung eines nachhaltigen Wettbewerbs und zur Belebung der Binnennachfrage wird das nicht ausreichen. Die neue Regulierungsbehörde muss sofort die Spitzen kappen und die teuersten Netzbetreiber zwingen können, die Preise zu senken. Gleichzeitig müssen die Netze neutralisiert werden, damit ein fairer Wettbewerb möglich wird.

Haben Stromkunden eine Chance, sich gegen Preiserhöhungen zu wehren?

Die Verbraucher sollten immer wieder überprüfen, ob es günstigere Stromanbieter gibt und den Versorger wechseln, wenn es sich lohnt. Außerdem kann der Verbraucher Strom sparen oder auch Strom selbst erzeugen. Dazu gibt es kostenlosen Rat in allen Verbraucherberatungsstellen.

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