Strompreise Meldung

Strom ist teuer in Deutschland. Eine Kilowattstunde kostet im Schnitt über 17 Cent. Hinter Italien der zweithöchste Preis in Europa. Und der Strompreis steigt und steigt: Plus fünf Prozent im vergangenen Herbst, plus fünf Prozent zum Jahreswechsel. Strom ist heute wieder ebenso teuer wie vor der Marktöffnung im Frühjahr 1998. Von Wettbewerb keine Spur. Höchste Zeit für eine Regulierungsbehörde, die faire Bedingungen schafft. test.de sagt, wie Sie auch jetzt schon sparen.

Diktat der Konzerne

Vier Energiekonzerne beherrschen den deutschen Markt: Eon, RWE, EnBW und Vattenfall Europe. Sie liefern über 80 Prozent des Stroms und betreiben alle Hochspannungsnetze. Neue Anbieter, die billigen Strom liefern wollen, müssen Durchleitungsgebühren bezahlen. Das so genannte Netznutzungsentgelt. Damit diktieren die Netzbetreiber die Preise. Die Durchleitung ist in Deutschland besonders teuer. Die Konzerne berechnen rund drei bis acht Cent pro Kilowattstunde. Je nach Region. Zum Vergleich: In Dänemark kostet die Durchleitung nur 2,6 Cent pro Kilowattstunde. Auch in Großbritannien und Schweden sind die Gebühren viel niedriger. Hier wachen Regulierungsbehörden über die Preise.

Preise ohne Kontrolle

In Deutschland gibt es eine solche Behörde nur für Telekommunikation und Post. Mit Erfolg: Telefonieren ist seit 1998 um bis zu 95 Prozent billiger geworden. Die Regulierung des Strommarktes ist zwar geplant, bisher aber nicht umgesetzt. In Deutschland bestimmen die Energiekonzerne ihre Durchleitungsgebühren selbst. Im Osten und Westen sind sie sehr hoch, im Norden eher mäßig und im Süden vergleichsweise niedrig. Das erklärt auch die unterschiedlichen Strompreise von Region zu Region. Beispiel: In Berlin kostet die Kilowattstunde bei Yello Strom 17,93 Cent. In München berechnet derselbe Anbieter nur 16,65 Cent. Noch billiger ist Yello Strom in Köln: 15,68 Cent pro Kilowattstunde. Hintergrund: Yello Strom sitzt in Köln und kann dort günstig liefern.

30 Prozent teurer

Die Stiftung Warentest hat die Entwicklung der Strompreise in den vergangenen fünf Jahren untersucht. Von September 2000 bis Januar 2005 stiegen die Preise im Schnitt um fast 30 Prozent. Spitzenreiter ist der Billiganbieter Yello Strom, der seine Preise um bis zu 58 Prozent angehoben hat. Der gelbe Strom ist zwar im Vergleich immer noch günstig, aber längst nicht mehr billig. Kostenfaktor Nummer eins sind die hohen Netznutzungsgebühren. Beispiel: Greenpeace energy. Der Anbieter schlüsselt seinen Preis pro Kilowattstunde präzise auf: 4,3 Cent für Strom plus 4,6 Cent Öko- und Mehrwertsteuer plus satte 7 Cent Netznutzungsgebühr. Dazu kommen noch 2,5 Cent für Konzessionsabgabe sowie Umlagen für erneuerbare Energien und Kraft-Wärme-Kopplung: macht 18,4 Cent pro Kilowattstunde. Greenpeace gehört damit zu den teuersten Anbietern – hat seinen Preis aber in den vergangenen Jahren nur um zwei bis drei Prozent erhöht.

Erdgas jetzt billiger

Die Energiekonzerne verteidigen die hohen Netznutzungsgebühren. Die Sicherheit der Stromversorgung habe eben ihren Preis, argumentiert der Verband der Elektrizitätswirtschaft. Es seien vor allem staatliche Belastungen, die den Strom teuer machten: Ökosteuer, Mehrwertsteuer und Umlagen für erneuerbare Energien und Kraft-Wärme-Kopplung. Auch die gestiegenen Rohstoffpreise werden gern zitiert. Öl spielt bei der Stromerzeugung in Deutschland aber keine Rolle. Erdgas ist gegenüber dem Vorjahr sogar billiger geworden. Nur der Preis für Steinkohle ist um 33 Prozent gestiegen.

Traumrenditen für Stromkonzerne

Der Aufpreis bei Steinkohle dürfte den Strompreis aber nur um 0,2 Cent pro Kilowattstunde erhöhen, sagt Holger Krawinkel, Energieexperte beim Verbraucherzentrale Bundesverband. Er sieht den eigentlichen Grund der hohen Strompreise in den Renditeanforderungen der Konzerne. Die haben im vergangenen Jahr satte Gewinne gemacht: Traumrenditen zwischen 15 und 20 Prozent. Die EU mahnt Deutschland bereits zu mehr Wettbewerb. In Zukunft sollen Netzbetreiber und Stromanbieter voneinander getrennt werden. Mehr Wettbewerb, neue Kraftwerke und Konkurrenz auch bei Abrechnung und Stromzählung könnten den Strom billiger machen – um zwei bis drei Cent pro Kilowattstunde, schätzen Experten.

Jetzt schon sparen

In diesem Jahr wird Strom wohl teuer bleiben. Die geplante Regulierungsbehörde startet frühestens im Sommer oder Herbst. Die Energielobby wehrt sich derzeit nach Kräften. Hat sie Erfolg, würden die Kompetenzen der neuen Behörde weit zurückgefahren. Stromkunden können trotzdem sparen. Heute schon. Anbieter wie Yello Strom, Lichtblick, Elektrizitätswerke Schönau und Energie AG Iserlohn-Menden bieten Strom zumindest etwas billiger an. Lichtblick und Energie AG liefern sogar puren Ökostrom aus Wasser, Wind und Sonne. Das hilft zumindest der Umwelt. Ansonsten ist Strom sparen angesagt. Beispiel: Fernseher, Stereoanlage und PC. Wer den Stand-by-Verbrauch reduziert, spart bis zu 70 Euro im Jahr.

Dieser Artikel ist hilfreich. 1131 Nutzer finden das hilfreich.