Strom­preise Special

Die Ökostrom­umlage sinkt erst­mals – und trotzdem drohen steigende Strom­preise. Die Lösung: Einfach den Anbieter wechseln und so mehrere hundert Euro sparen. Die Experten von Finanztest erklären, wie man seinen individuell besten Anbieter findet und was ein Wechsel bringen kann.

Strom­preis seit dem Jahr 2000 fast verdoppelt

Strom­kunden kennen das schon. Jahr für Jahr bekommen sie Post vom Strom­versorger mit einer Preis­erhöhung. Seit 2000 hat sich der Strom­preis fast verdoppelt, so das Statistische Bundes­amt. Mindestens 63 Euro mehr mussten in diesem Jahr beispiels­weise Haushalte mit einem Jahres­verbrauch von 5 500 Kilowatt­stunden zahlen. Auch im nächsten Jahr droht ein Preis­anstieg. Wie hoch er sein wird, steht noch nicht fest. So schlimm wie im Vorjahr wird es diesmal wohl nicht kommen. Die Umlage zur Förderung von Ökostrom EEG-Umlage sinkt erst­mals sogar gering­fügig. Gleich­zeitig steigen aber vieler­orts die Netz­entgelte. Dieses Geld verlangen die Betreiber der Stromnetze für Wartung, Ausbau und Erhaltung. Es macht zurzeit rund ein Viertel des Strom­preises aus. Nach einer Analyse des Energieanbieters Licht­blick werden 24 von 33 großen Netz­betreibern ihre Preise erhöhen. Am stärksten langt die Schleswig-Holstein Netz AG zu. Sie erhöht ihr Netz­entgelt um 18,8 Prozent.

Strom­preise Special

So viel können Verbraucher bei einem Jahres­verbrauch von 5 000 Kilowatt­stunden sparen, wenn sie aus dem Grund­tarif wechseln.

Versorger müssten Preise senken

Energie­experte Udo Sieverding von der Verbraucherzentrale Nord­rhein-West­falen sieht keinen Anlass für Preis­erhöhungen – im Gegen­teil: „Viele Versorger müssten nach unseren Berechnungen die Strom­preise senken“, sagte er. Das liege weniger an der minimal sinkenden Ökostrom­umlage als an den gesunkenen Einkaufs­preisen an der Strombörse. „Seit Jahren beob­achten wir, dass Erhöhungen von EEG-Umlage und Netz­entgelten eins zu eins oder sogar mit Aufschlag weiterge­geben werden. Jetzt ist es Zeit für eine Weitergabe der gesunkenen Beschaffungs­kosten“, sagt Sieverding. Wer nicht auf eine Preissenkung seines Versorgers warten will, kann jetzt schon durch einen Wechsel des Strom­tarifs mehrere hundert Euro sparen. Das geht einfach und schnell. Wie hoch die Ersparnis ist, hängt vom Wohn­ort und Strom­verbrauch sowie von den Preisen des aktuellen Tarifs ab. Am meisten sparen normaler­weise alle, die noch nie gewechselt haben. Sparen können Kunden auf zwei Arten. Entweder sie wechseln bei ihrem Grund­versorger vor Ort in einen güns­tigeren Sonder­tarif oder sie entscheiden sich für einen neuen Anbieter.

Vier-Personen-Haushalt spart 315 Euro

Wir haben für drei Städte die Ersparnis eines Vier-Personen-Haus­halts mit einem Jahres­verbrauch von 5 500 Kilowatt­stunden berechnet. Sie ist beein­druckend: Wer in Frank­furt am Main vom Versorger Mainova zum Tarif „Strom pur“ der BEV Energie wechselt, spart rund 315 Euro pro Jahr. In Berlin bringt der Abschied vom örtlichen Versorger 270 Euro und in Dresden 133 Euro (Stand: 14. Oktober 2014). So viel Ersparnis winkt aber nur Kunden, die noch in der Grund­versorgung sind. Dies sind nach Angaben der Bundes­netz­agentur bundes­weit nur noch 37 Prozent aller Privathaushalte. Die meisten haben entweder schon einmal den Anbieter gewechselt oder sind bei ihrem Grund­versorger vor Ort in einen güns­tigeren Sonder­tarif gewechselt. Für Menschen, die einen Anbieter­wechsel scheuen, ist ein Sonder­tarif die Alternative. Kunden, die schon einmal gewechselt haben, können nicht mehr so viel heraus­holen. Wer beispiels­weise in Frank­furt am Main aus dem Sonder­tarif Mainova Strom direkt in den Tarif BEV Strom pur wechselt, spart nur rund 200 Euro im Jahr.

Sparen mit fairen Tarifen

Spätestens seit den Pleiten der Energiefirmen Teldafax und Flex­strom möchten viele Kunden nicht mehr um jeden Preis sparen. Sie wollen es lieber bequem haben. Das geht ganz einfach, wenn sie bei der Auswahl des Strom­tarifs nicht nur auf den Preis, sondern auch auf faire Tarifbedingungen achten. Ärger über plötzliche Preis­erhöhungen können sie sich damit genauso ersparen wie Streit um die Auszahlung eines Neukundenbonus. Sie müssen nur die wichtigsten Vertrags­bedingungen in den Internet­vergleichs­rechnern vorgeben. Die Vergleichs­rechner Check24 und Verivox machen es den Kunden bei der Suche nach einem neuen Anbieter leicht. Sie haben einen Suchfilter installiert, mit dem sich Tarife finden lassen, die wir als verbraucherfreundlich einstufen. Denn leider gibt es bei einigen Anbietern, die faire Tarife verkaufen, auch eine Reihe Angebote, von denen wir abraten. Die Such­funk­tion für verbraucherfreundliche Tarife ist etwas versteckt. Wie man sie findet, lesen Sie in Unser Rat.

Vergleichs­portale funk­tionieren gut

Unser Test der Stromvergleichsportale aus dem Jahr 2013 hat ergeben, dass die genannten Preise und die Vertrags­bedingungen fast immer richtig waren. Am 14. Oktober 2014 haben wir uns Check24 und Verivox noch einmal genauer angesehen. Wir haben für drei Musterstädte über­prüft, ob die Suche nach den „Kriterien der Stiftung Warentest“ tatsäch­lich Tarife listet, die unseren Empfehlungen entsprechen. Ergebnis: Wir haben auf den ersten fünf Plätzen keine Fehler gefunden. Am besten nutzen Kunden beide Portale. Sie können die Tarife über die Internetseite der Vergleichs­rechner oder die Anbieter abschließen. Beide Portale listen auch Tarife, die über den Anbieter abschließ­bar sind.

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