Stromausfälle im Münsterland Meldung

Seit dem Wintereinbruch am Wochenende harren Zehntausende Menschen im Münsterland ohne Strom aus. Oberarmdicke Eisschichten auf den Stromleitungen sowie starker Wind haben stählerne Hochleitungsmasten umknicken lassen wie Streichhölzer. Die Schäden durch Stromausfälle und Schneemassen erreichen Millionenhöhe. Betroffen sind neben Privathaushalten auch Landwirte und Gewerbetreibende. test.de erklärt, wer mit Schadenersatz rechnen kann.

[Update: 30.11.2005] RWE hat inzwischen einen Härtefallfonds mit einem Kapital von 5 Millionen Euro für die Bewohner der vom Stromausfall am stärksten betroffenen Gemeinden eingerichtet. Das Unternehmen erörtere nun mit den Bürgermeistern der Gemeinden, wie die Mittel verteilt werden.

Höhere Gewalt

Die schlechte Nachricht vorneweg: Weder der Stromversorger RWE noch die normale Hausratversicherung gleichen die Schäden des Stromausfalls aus. RWE beruft sich auf höhere Gewalt. Laut den Allgemeinen Versorgungsbedingungen (AVBEltV) haftet der Stromversorger nur, wenn er den Stromausfall vorsätzlich oder fahrlässig herbeigeführt hat. RWE versichert, die Stromleitungen seien in einwandfreiem Zustand gewesen und regelmäßig gewartet worden. Oberarmdick eingefrorene Stromleitungen habe es bisher nie gegeben. Auch herkömmliche Hausratsversicherungen zahlen in der Regel nur für Schäden aus Feuer, Einbruchdiebstahl, Leitungswasser sowie Sturm und Hagel. Trotzdem gibt es für einige Versicherte die Chance, wenigstens etwas Geld ersetzt zu bekommen:

  • Gefriergutklausel. Einige Hausratversicherungen enthalten eine so genannte Gefriergutklausel und zahlen für verdorbenes Gefriergut infolge eines Stromausfalls. Solche Klauseln finden sich meist nur in neueren Verträgen, die eine erweiterte Deckung bieten, oder in den neuen Bundesländern in alten Verträgen aus Zeiten der DDR.
  • Elementarschadenversicherung. Diese Versicherungen kommen nur für Schäden auf, die direkt von Naturgewalten angerichtet wurden. Da das Eis auf die Hochleitungen und nicht auf einzelne Häuser gedrückt hat, haben Hausbesitzer keinen Schadenersatzanspruch aus dem Stromausfall. Die Elementarschadenversicherung springt dagegen dann ein, wenn die Schneemassen direkt auf das Haus gedrückt und das Dach oder den Wintergarten zum Einsturz gebracht haben.
  • Wohngebäudeversicherung. Für Schäden am Haus zahlt die Wohngebäudeversicherung - allerdings nur bei Feuer-, Sturm- und Leitungswasserschäden. Die Versicherungen zahlen nur für Schäden, die der Schneesturm direkt am Haus verursacht hat. Zudem muss der Sturm mindestens die Windstärke 8 haben. Dies war nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes am Freitag zumindest im Raum Osnabrück der Fall.
  • Elektronikversicherung. Mit dieser Versicherung sind elektronische Anlagen wie beispielsweise Telefonanlagen oder auch elektronische Fütterungsanlagen abgesichert. Wenn es durch einen Stromausfall oder eine Stromschwankung zu einem Sachschaden am versicherten Gerät kommt, ist dieser Schaden hiermit abgedeckt.
  • Private Unfallversicherung. Wer in seinem dunklen Haus stürzt, sich verletzt und bleibende Gesundheitsschäden davonträgt, erhält Unterstützung von der privaten Unfallversicherung oder der Berufsunfähigkeitsversicherung. Die gesetzliche Unfallversicherung kommt in der Regel nur für die Folgen von Arbeitsunfällen auf.

Hoffen auf Kulanz

Die Bundesnetzagentur hat als zuständige Regulierungsbehörde den Stromversorger RWE inzwischen aufgefordert, Auskunft über die Ursache und das Ausmaß der Schäden zu geben. Nach dem Energiewirtschaftsgesetz ist RWE zu einem solchen Schadensbericht verpflichtet. Unabhängig davon fordert die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen ein unabhängiges Gutachten. Dieses soll klären, ob der Stromausfall vorhersehbar und vermeidbar gewesen ist. In der Zwischenzeit empfiehlt die Verbraucherzentrale NRW den Bewohnern der vom Stromausfall betroffenen Gemeinden, ihre Schadensersatzforderungen unverzüglich bei RWE anzumelden. Zwar besteht der Anspruch auf Schadenersatz nur, wenn RWE die Schuld am Stromausfall nachgewiesen wird. Doch sei nicht ausgeschlossen, dass das Unternehmen aufgrund der vielen Beschwerden aus Kulanzgründen die Schäden begleicht.

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