Stromanbieter Meldung

Der Verbraucherzentrale Bundes­verband (vzbv) hat den Stromanbieter Care Energy abge­mahnt. Der Grund: Ein Online-Tarif­rechner, der Strom­kunden Schnäpp­chen vorgaukeln soll. Care-Energy war auch in den Monaten zuvor in die Schlagzeilen geraten, weil Netz­betreiber die Verträge mit dem Unternehmen gekündigt hatten. Dadurch waren zahlreiche Kunden unfreiwil­lig im Grund­versorgungs­tarif ihres örtlichen Strom­versorgers gelandet. test.de sagt, was betroffene Kunden jetzt tun sollten.

Angeblich mehr als 900 Euro Ersparnis im Jahr

Vor einigen Wochen startete Care Energy seinen Online-Tarif­rechner. Doch die Ergeb­nisse, die dieser ausspuckt, sollen nicht korrekt sein. Das wirft jedenfalls der vzbv dem Energieunternehmen vor. Die Verbraucherschützer haben einen Beispielfall konstruiert und eine Rechen­probe gemacht. Sie gaben die Daten für einen Berliner Muster­haus­haushalt mit einem fiktiven Jahres­verbrauch von 3 500 kW in den Rechner ein. Der nannte als güns­tigsten Anbieter ein Unternehmen der Unter­nehmens­gruppe Care-Energy, zu dem Nutzer mit wenigen Mausklicks wechseln konnten. Der angebliche Jahres­preis für den Beispiel-Haushalt lag laut Tarif­rechner bei 157,50 Euro. Die Ersparnis im Vergleich zum Grund­versorger lag bei 937,70 Euro.

Versteckte Kosten in den AGB

Der vzbv weist darauf hin, dass es sich bei den genannten 157,70 Euro nicht um den Endpreis handle. Informationen über weitere Kosten fänden sich erst in den AGB. Für die Energiekosten­optimierung werde demnach eine zusätzliche Gebühr fällig. Die genaue Höhe der Gebühr werde jedoch nicht genannt.

Frist bis zum 12. August

Der vzbv hat das Unternehmen abge­mahnt und aufgefordert, bis zum 12. August 2016 eine Unterlassungs­erklärung abzu­geben. Falls das nicht geschieht, wird der vzbv eine Klage prüfen. Die Care-Energy Management GmbH sagte auf Anfrage von test.de, dass ihnen diese Abmahnung nicht vorliege, sondern lediglich eine Presseerklärung des vzbv.

Care-Kunden bei Grund­versorger

Care-Energy war bereits in den letzten Monaten wieder­holt Gegen­stand von Medienbe­richten. Zwei von vier Über­tragungs­netz­betreibern, nämlich Tennet und 50Hertz, hatten Verträge mit Care Energy wegen Zahlungs­rück­ständen gekündigt. Mehrere Tausend Kunden von Care Energy beziehen jetzt ihren Strom ersatz­weise vom jeweiligen örtlichen Grund­versorger. Diese Ersatz­versorgung kann teuer sein.

Verbraucherzentralen raten zur Kündigung

Nach Angaben des vzbv haben sich in den letzten Wochen verstärkt Kunden bei den Verbraucherzentralen über Care Energy beschwert. Die Verbraucherschützer raten Verbrauchern, die in der Ersatz­versorgung sind, ihre Care-Verträge außer­ordentlich zu beenden und sich einen neuen Stromanbieter zu suchen. Care-Energy-Tarife werden seit Kurzem nicht mehr bei den Vergleichs­portalen Check24 und Verivox gelistet.

Was können Kunden jetzt tun?

Verunsicherte Kunden, die weiterhin von Care Energy mit Strom beliefert werden und dennoch den Vertrag kündigen möchten, sollten in ihre Vertrags­bedingungen schauen. Viele Verträge haben eine kurze Lauf­zeit und eine Kündigungs­frist von vier bis sechs Wochen.

  • Vertrag kündigen. Der Vertrag mit Care Energy endet nicht auto­matisch durch den Liefer­stopp, Sie müssen ihn selbst kündigen, am besten per Einschreiben mit Rück­schein. Das Firmen­konstrukt von Care-Energy besteht aus mehreren Unternehmen. Manche Kunden haben mehrere Verträge abge­schlossen. Über­prüfen Sie daher anhand Ihrer Unterlagen, mit welcher Gesell­schaft oder mit welchen Gesell­schaften Sie Verträge geschlossen haben. Sie müssen bei jeder gesondert kündigen! Ausführ­liche Informationen sowie einen Musterbrief finden Sie bei der Verbraucherzentrale Nord­rhein-West­falen. Teilen Sie Care Energy im Kündigungs­schreiben auch Ihren Zählerstand mit und widerrufen Sie Ihre Einzugs­ermächtigung.
  • Zählerstand. Sobald Ihnen Ihr örtlicher Grund­versorger mitgeteilt hat, das Sie in die Ersatz­versorgung gerutscht sind, sollten Sie den Zählerstand ablesen und diesen sowohl dem örtlichen Versorger als auch dem Netz­betreiber mitteilen, um sicher­zustellen, dass korrekt abge­rechnet wird.
  • Kündigungs­frist. Wenn Sie in die Ersatz­versorgung gerutscht sind, können Sie jeder­zeit wechseln. Nach drei Monaten landen Sie auto­matisch im Grund­versorgungs­tarif. Hier beträgt die Kündigungs­frist 14 Tage. Bei vielen Tarifen ist der Vertrags­beginn aber zum Monats­ersten, so dass sich die Kündigung auch länger hinziehen kann. Der Grund­versorgungs­tarif ist vergleichs­weise teuer. Unser kostenloser Leitfaden hilft Ihnen bei der Suche nach einem neuen Tarif.

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