Strom- und Gasrechnung Meldung

Versorger müssen Guthaben zügig auszahlen und Abschläge am Vorjahres­verbrauch bemessen. Das hat das Ober­landes­gericht Düssel­dorf im Fall des Anbieters Extra Energie entschieden. test.de erklärt, was das kundenfreundliche Urteil für Gas- und Strom­kunden bedeutet.

Verbraucherzentrale zog vor Gericht

Hintergrund der Entscheidung: Die Verbraucherzentrale Nord­rhein-West­falen (VZ-NRW) hatte gegen die Extra Energie GmbH geklagt. Das Unternehmen, das nach eigenen Angaben mehr als eine Million Kunden hat, bietet unter verschiedenen Marken wie Hitstrom, Prio­strom oder Hitgas Energietarife an. Strittig war die Abrechnungs­praxis. Kunden, die ein Guthaben aus dem ersten Vertrags­jahr haben, das höher als eine monatliche Abschlags­zahlung ist, fanden in ihrer Abrechnung den Satz: „Ihre Gutschrift von ... Euro wird mit den nächsten Abschlags­zahlungen verrechnet.“ Die Verbraucherzentrale Nord­rhein-West­falen legte dem Gericht Fälle vor, in denen die Guthaben der Kunden bis zu 1 116 Euro betrugen.

Ober­landes­gericht untersagt Abrechnungs­praxis

Das Ober­landes­gericht Düssel­dorf urteilte: Die Extra Energie GmbH muss diese Abrechnungs­praxis künftig unterlassen. Guthaben sind dem Kunden unver­züglich, spätestens aber mit der ersten Abschlags­forderung zu erstatten. Ob die Gutschrift einen Bonus beinhaltet, ist dabei unerheblich (Az. I-20 U 136/14, nicht rechts­kräftig).

Kunden sollten Anpassung der Abschläge fordern

Auch zur Berechnung der monatlichen Abschlags­zahlung äußerten sich die Richter. Energieversorger müssen sich bei der Fest­legung der monatlichen Abschlags­zahlungen am Vorjahres­verbrauch orientieren. Was so selbst­verständlich klingt, sorgt oft für Ärger. Kunden berichteten der Stiftung Warentest öfter, dass Anbieter die Monats­abschläge im neuen Vertrags­jahr nicht gesenkt haben, obwohl sich der Verbrauch deutlich verringert hatte. „Betroffene Kunden sollten eine unver­zügliche Anpassung der Abschläge fordern“, so Jürgen Schröder, Energie-Jurist der Ver­braucherzentrale NRW.

Versteckte Voraus­zahlungen sind verboten

Kundenfreundlich ist auch: Die Monats­abschlags­zahlungen dürfen keine versteckten Voraus­zahlungen beinhalten. „Versorger dürfen den Jahres­verbrauch nicht durch elf Abrechnungs­einheiten teilen – auch wenn viele Anbieter so vorgehen“, sagt Jürgen Schröder.

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