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Strom- und Gaspreise Test

Schon vor einem Jahr sollten die deutschen Haushalte ihren Gasversorger frei wählen können. Doch erst jetzt kommen alternative Angebote.

Die Unterschiede bei den Gaspreisen in Deutschland sind enorm: Während die Stadtwerke Soltau in Niedersachsen für die Versorgung einer Wohnung mit 7 000 Kilowattstunden (kWh) rund 381 Euro verlangen, wollen die Stadtwerke Leipzig (Sachsen) rund 40 Prozent mehr dafür haben, nämlich 532 Euro.

Fast genauso deutlich ist der Unterschied bei größeren Gasmengen. Für die Versorgung eines Einfamilienhauses (20 000 kWh Jahresverbrauch) müssen deren Bewohner zwischen 954 Euro bei den Stadtwerken Rotenburg (Niedersachsen) und 1 305 Euro bei der Energieversorgung Gera (Thüringen) bezahlen. Diese Zahlen präsentierte das Bundeskartellamt nach einem Vergleich von über 700 deutschen Gasversorgern im Mai 2007.

Wer teures Gas bezieht, konnte bisher nicht einfach den Anbieter wechseln. „Die Öffnung des Gasmarkts war bis zum Jahr 2006 nur formal“, sagt Robert Busch von Bundesverband Neuer Energieanbieter. Inzwischen gibt es einige alternative Gaslieferanten für Haushaltskunden, die aber noch nicht alle flächendeckend in Deutschland liefern können.

Im Vorteil sind zum Beispiel Berliner Gaskunden. Sie können wählen zwischen dem örtlichen Versorger Gasag, dem holländischen Anbieter Nuon, Klickgas der Firma DEH, dem Eon-Ableger „E wie einfach“ und dem Ökostromanbieter Lichtblick. Der ostdeutsche Energieversorger EnviaM will Ende des Jahres in das Gasgeschäft einsteigen.

Die Auswahl ist aber nur auf den ersten Blick ein Vorteil. Denn Gasag-Kunden mit Einfamilienhaus und Onlinetarif konnten Mitte September durch einen Wechsel zu Nuon nur rund 25 Euro sparen.

„Gaskunden sollten aber nicht resignieren“, meint Thorsten Kasper vom Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv). „Sie sollten Wechselchancen am Markt suchen und sie auch konsequent nutzen, sobald neue Anbieter in ihrem Versorgungsgebiet auftauchen.“

Einziger bundesweit liefernder Gasversorger war bis Redaktionsschluss „E wie einfach“. Die Eon-Tochter versichert ihren Kunden, mit dem „MeinCentTarif“ für jeden Kubikmeter Gas 2 Cent unter dem allgemeinen Preis des örtlichen Grundversorgers zu bleiben.

Hartgesottene, die nicht wechseln wollen, können bei ihrem Versorger auch gegen zu hohe Preiserhöhungen protestieren und die Rechnung entsprechend reduzieren (Musterbriefe und Beratung bei den Verbraucherzentralen). In dem schlimmsten Fall verklagt sie der Versorger. Das ist bisher nur in wenigen Einzelfällen passiert, denn der Versorger müsste auch in diesem Prozess seine Preiskalkulation offenlegen. Wer die harte Gangart wählt und möglicherweise auf seine Rechtsschutzversicherung vertraut, sollte vorher fragen, ob dieser Fall gedeckt ist.

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