Strom- und Gast­arife: Güns­tiger heizen

Strom und Gas Test

Kunden, die mit Gas heizen, können durch einen Versorgerwechsel am meisten sparen. In Leipzig sogar über 650 Euro im Jahr.

Viele Kunden der Energieversorger trifft es zum Jahres­wechsel doppelt. Denn nicht nur die Preise zahlreicher Strom­tarife, sondern auch die vieler Gast­arife steigen.

Die Entgelte für die Gasnetze sollen im kommenden Jahr um durch­schnitt­lich 10 Prozent steigen, berichtet das Internet­vergleichs­portal Verivox. Ein Muster­haushalt mit 20 000 Kilowatt­stunden Jahres­verbrauch muss dann rund 34 Euro pro Jahr mehr bezahlen.

Der Preis­anstieg beim Gas ist lange nicht so hoch wie beim Strom. Trotzdem lohnt sich ein Wechsel des Gasanbieters besonders, denn beim Gas gibt es viel größere Preis­unterschiede. Die größte Ersparnis fanden wir in Leipzig: 656 Euro im Jahr konnte unser Muster­haushalt mit 20 000 Kilowatt­stunden Jahres­verbrauch sparen, wenn er vom Grund­versorgungs­tarif zum Tarif LogoGas Stan­dard von Logo­Energie wechselte.

Mit der Grund­versorgung ist der Tarif gemeint, den der Kunde auto­matisch hat, wenn er noch nie etwas an seinem Tarif verändert hat.

Der Haken: Die Grund­versorgung ist meist der teuerste Weg, Gas zu beziehen. Das ist in 70 Prozent der Haushalte bereits bekannt und sie sind deshalb bei ihrem örtlichen Versorger von dem teuren Grund­tarif in einen güns­tigeren Sonder­tarif gewechselt. So steht es in dem Monitoringbe­richt 2011 der Bundes­netz­agentur.

Endlich weg vom Grund­versorger

Doch auch für die Kunden im Sonder­tarif des Grund­versorgers lohnt sich ein Wechsel oft. Diesmal müssen sie aber den Anbieter wechseln und nicht nur ihren Tarif (siehe „Kündigung nach Preiserhöhung“). Unser Leipziger Haushalt mit 20 000 Kilowatt­stunden Jahres­verbrauch spart mit einem Wechsel vom Sonder­tarif Gas21 Best­preis plus der Stadt­werke Leipzig zu Logo­Energie, Tarif LogoGas Stan­dard immer noch 333 Euro jähr­lich.

Ohne Tarif­rechner kein Wechsel

Der erste Schritt zum Wechsel führt wie beim Strom zu den Vergleichs­portalen im Internet (siehe „Checkliste: In drei Schritten ...“). Sie bieten aktuelle Preise und erfassen alle wichtigen Tarif­informationen.

Kunden können dort auch Sonder­tarife des örtlichen Grund­versorgers einstellen, wenn sie ausrechnen wollen, welche Ersparnis ihnen der Wechsel bringt. Sie dürfen sich aber wie beim Strom nicht auf die Voreinstel­lungen verlassen, sondern sie müssen selbst die Häkchen für einen fairen Tarif setzen (siehe „Gute Wahl - Fairer Tarif“).

Klimatarife sind oft Vertrauens­sache

Unter den fünf besten Tarifen in unserer Unter­suchung fanden sich in vielen Städten auch Klimatarife: Avia my-Gas, ESWE Klima Fair Gas, Mein Klima-Tarif von „E wie einfach“ und Tchibo Klima Gas.

Mit einem Klimatarif bekommen Gasverbraucher wie alle anderen Kunden fossiles Erdgas. Der Anbieter des Tarifs will aber die CO2-Menge, die beim Heizen und Kochen mit Gas entsteht, durch Unterstüt­zung von Klima­projekten ausgleichen.

Anders als für Ökostrom gibt es für klima­neutrale Tarife bislang keine Gütesiegel unabhängiger Institutionen, die prüfen, ob ein Anbieter seine Umwelt­versprechen einhält. Kunden müssen sich daher stärker auf den Anbieter und seine Angaben verlassen. Zu ESWE Klima Fair Gas gibt es keine weiteren Angaben auf der Home­page, „E wie einfach“ verweist auf das Öko-Trend Institut.

Im Klimatarif von Tchibo und Avia my-Gas verpflichten sich die Versorger dem Gold Stan­dard, entwickelt mit dem WWF, der größten interna­tionalen Natur­schutz­organisation. Der Ausgleich der CO2-Mengen soll über Projekte geschehen, die nach dem Gold Stan­dard zertifiziert sind. Der Gold Stan­dard ist ein anerkannter unabhängiger Qualitäts­stan­dard für Projekte, die Treib­hausgase im Rahmen des Kyoto-Protokolls mindern wollen. Sie müssen nicht nur CO2 vermeiden, sondern auch weitere Kriterien einhalten. So sollen beispiels­weise durch die geförderten Projekte keine Arbeits­plätze vernichtet werden. Die Einhaltung der Kriterien soll durch unabhängige Prüfer über­wacht werden.

Versorger bestimmen die Hälfte des Preises

Strom und Gas Test

Rund 50 Prozent des Gaspreises entfallen auf den reinen Energiekosten­anteil und Vertrieb. Diese Posten kann der Anbieter beein­flussen, die anderen nicht. Die Erdgassteuer von rund 9 Prozent fließt vor allem in die Rentenkasse. Rund 19 Prozent des Preises entfallen auf die Nutzung der Gasnetze, die Kosten hierfür steigen 2013 vieler­orts.

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