Strom und Gas Test

Nie war der Ärger über hohe Energiepreise so groß. Wer jetzt seinen Strom- und Gast­arif wechselt, macht nicht nur seinem Ärger Luft, sondern spart auch kräftig – im besten Fall mehrere hundert Euro im Jahr.

Strom wird im nächsten Jahr richtig teuer. Eine Familie mit einem Jahres­strom­verbrauch von 4 000 Kilowatt­stunden muss dann durch­schnitt­lich 128 Euro im Jahr mehr bezahlen.

Schuld an dem Preisschock sind vor allem zwei Bestand­teile des Strom­preises, die teurer werden: die EEG-Umlage für Ökostrom und die Kosten für die Nutzung der Stromnetze. Beides reichen die Versorger nun an die Verbraucher weiter.

Die steigenden Kosten werden jedoch nicht auf alle Strom­kunden gleich verteilt. Große Industrieunternehmen erhalten Vergüns­tigungen, private Haushalte und kleine Unternehmen zahlen umso mehr. Schon Mitte November bekommen die ersten Strom­kunden Post von ihrem Anbieter. Denn die Versorger können die Mehr­kosten nur dann gleich Anfang 2013 an ihre Kunden weiterreichen, wenn sie die Preis­erhöhung sechs Wochen vorher mitgeteilt haben.

Oft kassieren Versorger zusätzlich

Unserem Beispiel­haushalt kann es auch passieren, dass sein Strom­preis stärker steigt, als die staatlichen Abgaben und die Netz­gebühren. „In der Vergangenheit haben viele Versorger die Preise stärker erhöht, als die staatlichen Abgaben gestiegen sind“, sagt Peter Blenkers, Energie­experte der Verbraucherzentrale Nord­rhein-West­falen.

Kunden, die steigende Preise nicht einfach hinnehmen wollen, sollten jetzt ihren Versorger wechseln und versuchen, so die Mehr­kosten wieder rein­zuholen.

Unsere aktuelle Unter­suchung zeigt: Die Preis­unterschiede für Strom und Gas sind in vielen Städten enorm groß. Finanztest hat Strom- und Gast­arife in 20 Städten untersucht. Beim Strom kann beispiels­weise eine Familie in Mainz bis zu 331 Euro im Jahr sparen. Beim Gas sind es in Leipzig sogar bis zu 656 Euro. Der Wechsel geht einfach und schnell. Das gilt für Strom und für Gas. Finanztest rät deswegen allen, die mit Gas heizen, zum Wechsel im Doppel­pack.

Faire Tarife für bequeme Kunden

In unseren Tabellen führen wir ausschließ­lich verbraucherfreundliche Tarife auf. Sie eignen sich für bequeme Kunden, die möglichst viel Preissicherheit und nicht jedes Jahr einem Neukundenbonus nach­jagen wollen. Es gibt zwar auch Tarife, mit denen der Kunde noch güns­tiger wegkommt. Sie werden aber im zweiten Jahr – wenn der Neukundenbonus wegfällt – viel teurer.

Ein Beispiel für solchen Preiszauber ist der Tarif Einfach­grün der Almado-Energy: Dieser Tarif stand beim Online-Preisportal Verivox am 26. Oktober 2012 auf Platz eins. Einge­geben hatten wir die Berliner Post­leitzahl 10785 und den Jahres­verbrauch von 4 000 Kilowatt­stunden.

Kunden, die von der Grund­versorgung in diesen Tarif wechseln, sparen laut Verivox 278 Euro im Jahr. Der Neukundenbonus ist mit 254 Euro ähnlich hoch. Trotz des Wechsels ändern sich die monatlichen Abschläge kaum. Denn den Neukundenbonus gibt es erst mit der Jahres­rechnung. Im zweiten Jahr fällt er weg. Der hohe Bonus schiebt den Tarif in den Ergeb­nislisten der Vergleichs­portale nach vorn.

Empfehlens­wert sind solche Angebote bestenfalls für Kunden, die jedes Jahr wechseln und die oft lange Kündigungs­frist von drei Monaten im Blick haben.

Mit den verbraucherfreundlichen Tarifen aus unserer Unter­suchung hat der Kunde dagegen keinen Zeit­druck, wenn die Preise mal steigen sollten. Er kommt nach der Erst­vertrags­lauf­zeit jeder­zeit mit einer Frist von vier Wochen aus dem Tarif.

Strom­preis steigt wegen EEG-Umlage

Der größte Teil des aktuellen Preis­schocks geht auf den Anstieg der Umlage nach dem EEG zurück, dem Erneuer­bare-Energien-Gesetz. Von den 128 Euro, die unser Muster­haushalt ab 2013 mehr zahlen muss, entfallen darauf mit Mehr­wert­steuer rund 80 Euro im Jahr. Die EEG-Umlage fällt pro Kilowatt­stunde an. Sie steigt von 3,592 Cent auf 5,277 Cent. Schuld sind vor allem drei Entwick­lungen:

Mehr Ökostrom. Um einen Anreiz zum Bau von Ökostrom­anlagen zu schaffen, erhalten die Betreiber von Wind­rädern, Sonnenkollektoren und Biogas­anlagen für jede Kilowatt­stunde Ökostrom eine auf 20 Jahre garan­tierte Vergütung. Sie verkaufen ihren Strom aber wie alle anderen Erzeuger an der Strombörse. Dort ist der Preis meist nied­riger als die garan­tierte Vergütung. Diese Lücke gleicht die EEG-Umlage aus.

Wird neben dem konventionellen Strom immer mehr Ökostrom einge­speist, steigt das Angebot an der Strombörse und der Börsen­preis sinkt. Damit wächst die Differenz zur garan­tierten Vergütung und die EEG-Umlage steigt.

Nicht alle zahlen. Die Umlage wird nicht auf alle Strom­kunden gleich verteilt. Einige hundert Firmen verbrauchen rund 18 Prozent des deutschen Stroms, zahlen aber nur 0,3 Prozent der Umlage für erneuer­bare Energien. Diese Zahlen stehen in einem Evaluierungs­bericht der Bundes­netz­agentur.

Energie­intensive Unternehmen können eine Reduzierung der EEG-Umlage beantragen. Im Jahr 2012 nutzten laut Bundes­amt für Wirt­schaft und Ausfuhr­kontrolle 734 Firmen diese Möglich­keit. Sie werden wohl nach Angaben der Bundes­netz­agentur 2,5 Milliarden Euro sparen. Alle anderen Kunden müssen im Gegen­zug mehr bezahlen.

Die Idee der Rabatte ist eigentlich vernünftig. Firmen, die im interna­tionalen Wett­bewerb stehen, sollen konkurrenz­fähig bleiben. Das Problem ist nur: Die Anforderungen für eine Ermäßigung wurden gesenkt . Für das Jahr 2013 haben bis zum Antrags­schluss Ende Juni schon mehr als 2 000 Unternehmen einen Rabatt auf die Umlage beantragt. Die Kosten werden also künftig auf noch weniger Schultern verteilt.

EEG-Konto im Minus. Ende September lag das EEG-Konto mit knapp 2,6 Milliarden Euro im Minus. So weit lagen die Prognosen für die Kosten der EEG-Umlage im Jahr 2012 daneben. Die Umlage für 2013 gleicht also den Fehl­betrag für 2012 aus.

Auch Netz­entgelte steigen

Die EEG-Umlage ist es aber nicht allein. Auch andere Kosten sind jetzt höher, zum Beispiel die Netz­gebühren für Trans­port und Verteilung von Strom. Sie steigen in vielen Teilen Deutsch­lands, im Raum Dresden für unseren Muster­haushalt um 27 Prozent.

Auch Gebühren an die Netz­betreiber tragen nicht alle Kunden gleichermaßen. Für Betriebe, die besonders viel Strom verbrauchen, gibt es eine Ausnahme. Sie können sich seit 2011 komplett von den Netz­entgelten befreien lassen.

Die Ausfälle schätzen die Über­tragungs­netz­betreiber für dieses Jahr auf 440 Millionen Euro. Damit die Netz­betreiber nicht auf diesen Kosten sitzenbleiben, wurde für das Jahr 2012 eine neue Umlage einge­führt – die §19-StromNEV-Umlage. Sie lag zunächst bei 0,151 Cent pro Kilowatt­stunde und steigt im Jahr 2013 auf 0,329 Cent.

Wechseln erzeugt Druck

„Je mehr Strom­kunden den Anbieter wechseln, desto größer wird der Druck auf alle Strom­versorger, Preis­erhöhungen möglichst zu vermeiden“, sagt Verbraucherschützer Peter Blenkers. Kann sich ein Unternehmen sicher sein, dass seine Kunden auch bei Preis­erhöhungen nicht kündigen, hat es wenig Hemmungen, die Preise zu erhöhen.

Die Deutschen haben es den Anbietern bislang leicht gemacht. Sie regen sich über die Preise auf, aber die wenigsten sind konsequent: Nach Angaben der Bundes­netz­agentur haben bisher nur 15 Prozent der Kunden den Versorger gewechselt.

Mehr als 40 Prozent der Haushalte sind nach wie vor im teuren Grund­tarif ihres örtlichen Strom­versorgers. 41 Prozent haben wenigs­tens beim alten Versorger einen güns­tigeren Sonder­tarif abge­schlossen.

Beim Gas sieht es noch schlechter aus: Nur 6 Prozent sind zu einem neuen Anbieter gewechselt.

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