Strom sparen Was frisst zu Hause zu viel Strom?

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Strom sparen - Was frisst zu Hause zu viel Strom?
Ohne Saft geht nichts. Viele Geräte im Haushalt brauchen und verbrauchen Strom. © Adobe Stock

Die Energiepreise steigen rasant. Die Stiftung Warentest gibt Tipps zum Stromsparen, verrät Strom­fresser aus den Tests und wo sich der Blick auf die Energiekosten lohnt.

Strom sparen im Haushalt

Wie viel Strom Haus­halts­geräte schlu­cken

Die elektrischen Helfer im Haushalt verbrauchen sehr unterschiedlich Strom – je nach Modell. Und je nach Gebrauch. In Warentests ermitteln wir oft den Strom­verbrauch der Geräte pro Jahr. Das macht es leichter, die Strom­schlu­cker zu erkennen. Lesen Sie hier unsere wichtigsten Erkennt­nisse aus den letzten Jahren.

  • Weit vorn beim Strom­verbrauch im Haushalt liegen Waschmaschinen . Selbst unter den Guten fanden wir im Durch­schnitts­betrieb Unterschiede im Strom- und Wasser­verbrauch von mehr als 20 Prozent. Die schlimmsten Strom­fresser brauchen fast 60 Prozent mehr als stromsparende Geräte. Das wirkt sich direkt auf die Betriebs­kosten aus. Sie lagen im Test 2021 auf zehn Jahre hoch­gerechnet zwischen 855 und 1 345 Euro. Basis der Berechnungen waren die jeweils im Test­zeitraum geltenden Strom­preise. Aber auch die verschiedenen Wasch­programme erfordern unterschiedlich viel Strom und Wasser. Benutzen Sie – so oft es geht – das Eco-Programm.
  • Geschirrspülmaschinen werden viel genutzt. Im Test 2022 stellten wir bei den Betriebs­kosten Differenzen von 30 Prozent fest. Auf zehn Jahre hoch­gerechnet lagen sie zwischen 870 und 1 150 Euro. Im Test 2021 betrug die Differenz sogar 50 Prozent. Unter bestimmten Umständen lässt sich etwas mit einem Warmwasseranschluss sparen.
  • Gefriertruhen und Gefrierschränke ziehen ordentlich Strom – je nach Größe, Nutzung und Außen­temperatur. Im Muster­verbrauch der Stiftung Warentest zeigten sich 60 Prozent Unterschied bei den Modellen im Test aus dem Jahr 2019. Auf eine Lebens­dauer von 15 Jahren hoch­gerechnet wären das 850 bis 1 377 Euro bei damaligen Strom­preisen von 28 Cent pro Kilowatt­stunde. Das gilt für die Größenklasse von 200 bis 300 Liter nutz­barem Inhalt. Kleine Gefrier­schränke mit 120 bis 150 Litern Gebrauchs­volumen kosteten 580 bis knapp 700 Euro Strom über 15 Jahre. Im Test 2022 lagen die Modelle nur etwa 30 Prozent auseinander. Dafür hat sich aber der Strom­preis deutlich erhöht.
  • Kühl­schränke und die weit verbreitete Kühl-Gefrier-Kombination bieten eine große Modell­vielfalt, verschiedene Größen, einge­baut in Küchen­schränken oder frei­stehend. Der Strom­verbrauch bei 25 Grad Außen­temperatur liegt für zwei Meter hohe Kombis 50 Prozent auseinander. Manche Ausreißer brauchen gar mehr als doppelt so viel Strom wie die effizientesten in den Tests. Wenn sich die Preisspirale beim Strom mit 5 Prozent pro Jahr weiterdrehen würde, kostete der Strom über die kommenden 15 Jahre gerechnet bei effizienten Einbaukombis etwa 1 100 Euro und bei verschwenderischen um die 2 000 Euro. Das ergaben Rechnung mit den Modellen des Tests Mitte 2022. Neben der Modell­auswahl lohnt es sich auch, über das optimale Einräumen der Lebens­mittel nach­zudenken.
  • Besonders krass sind die Unterschiede bei Ventilatoren. Die Strom­fresser verbrauchen das Sechs- bis Acht­fache der spar­samsten Modelle. Tisch­propeller brauchen generell etwas mehr als Stand- und Turm-Varianten. Aber die größten Unterschiede im Strom­verbrauch zeigen sich inner­halb der Gruppe der auf dem Boden stehenden Modelle.
  • Große Differenzen auch bei Umluft-Dunstabzugshauben am Herd. Allein bei den Modellen mit gutem Qualitäts­urteil brauchen manche das Vierfache wie die Spar­samste. Pro Jahr macht das dann 5 oder eben 20 Euro Strom­kosten (Stand 2021).
  • Eines der Lieblings-Haus­halts­geräte der Deutschen ist der Staubsauger.
    Akku­sauger verbrauchen grund­sätzlich deutlich weniger Strom als Boden­staubsauger mit Kabel. Allerdings finden sich unter den Akku­saugern viele, die schlecht saugen. Und die guten Akkus­auger sind deutlich teurer als gute Kabelmodelle.

Fernseher ziehen Strom im Schlaf

Moderne Fernseher verbrauchen laut unseren Tests bei vier Stunden Betrieb pro Tag zwischen 62 und 185 Kilowatt­stunden (kWh) im Jahr. Geräte mit kleinen Bild­schirm­diagonalen von 40 oder 50 Zoll ziehen nur halb so viel wie 65-Zöller. Allerdings unterscheiden sich die einzelnen Modelle beim Strom­verbrauch inner­halb einer Größenklasse auch um 20 bis 50 Prozent.

Im Durch­schnitt schlafen Fernseher jedoch 20 Stunden täglich im Standby. Der Standby-Verbrauch lag in einem TV-Geräte-Vergleich zwischen 0,3 und 2,4 Watt – das macht 2 oder eben 17,5 kWh pro Jahr – nur fürs Rumstehen. Also am besten: Fernseher ganz aus!

Strom­mess­geräte entdecken Strom­fresser

Wer erst mal fest­stellen will, wie viel Strom seine Elektrogeräte verbrauchen oder wo die heimlichen Standby-Räuber sitzen, braucht ein Strommessgerät auch für kleine Strom­stärken. In unserem Test zeigen wir, welche Geräte dafür ausgelegt sind.

Das unerkannte Kleinvieh

Kleingeräte verbrauchen weniger Strom als ein Gefrier­schrank. Aber die Unterschiede zwischen der einge­setzten Energie und der erhaltenen Leistung sind auch bei ihnen beacht­lich. Ein Beispiel ist das Laden von Handys. Sie direkt per Stecker und Kabel zu laden ist weit effizienter als mit einem induktiven Ladegerät. Unser Test zeigt: Die ineffizientesten Lade­stationen kommen auf einen Mehr­verbrauch von rund 80 Prozent.

Gutes WLan mit weniger Energie

Der Internet­zugang zu Hause erfolgt meist über Funk, ein Router sammelt die Daten über das WLan-Funk­netz ein. Im Router-Test zeigte sich: Nicht nur die Kosten und die Sicherheit der Geräte differieren weit. Auch der Strom­verbrauch lag zwischen 6 und 15 Watt. Das ergibt eine Differenz von gut 78 Kilowatt­stunden pro Jahr und macht – gerechnet mit den Preisen von Mitte 2022 – knapp 30 Euro im Jahr. Für Stromsparer lohnt sich da ein Gerätetausch.

Dauer­läufer ziehen beharr­lich Strom

Der Klassiker ist die Nutzung von LED-Lampen statt alther­gebrachter Halogen-Birnen und -Scheinwerfer, vor allem wenn die Lichter im Flur oder Außenbe­leuchtungen von Häusern lange brennen.

Bei den täglich 24 Stunden laufenden Überwachungskameras hat der Strom­verbrauch wenig mit der Qualität von Bild und Ton zu tun. Also warum nicht die spar­samen aus unserem Test kaufen?

Hilfe durch das neue Energielabel der EU

Wir können (leider) nicht alles testen. Falls für ein Modell oder Geräte­typ kein umfang­reicher Test der Stiftung Warentest vorliegt, ist das Energielabel ein guter Anhalts­punkt, wie viel Energie ein Elektrogerät im Vergleich verbraucht. Die meisten größeren Haus­halts­geräte tragen seit 2021 das neue Energielabel der EU. Darauf sind der Energieverbrauch und gegebenenfalls auch die Laut­stärke oder der Wasser­verbrauch für bestimmte Stan­dard­anwendungen vermerkt.

Über einen QR-Code auf dem Label oder online ist außerdem eine große EU-Daten­bank zugäng­lich. Von Wasch­maschinen über Fernseher und Auto­reifen bis zu Back­öfen: Unter eprel.ec.europa.eu können Modelle gesucht und unter anderem deren Energieverbrauch gecheckt werden.

Lasagne statt Truthahn?

Geräte in der passenden Größe helfen ebenfalls beim Stromsparen. Ein kleiner Back­herd braucht weniger Strom als ein großer. Warum also einen Herd kaufen, in dem ich Truthähne braten kann, wenn ich meist nur Kuchen backe oder Lasagne für Freunde ins Rohr schiebe?

Strom günstig kaufen oder selbst erzeugen

Strom erzeugen mit Photovoltaik

Manche wollen selbst Strom erzeugen, um etwas für die Umwelt zu tun. Andere, um dauer­haft die Strom­rechnung zu senken. Doch die Corona-Pandemie hat für neue Rahmenbedingungen gesorgt. Die Trans­port­kosten für die Solar­zellen aus Asien sind dramatisch gestiegen, die Preise für Rohstoffe und Elektronik in die Höhe geschnellt. Im Gegen­zug wurde die Einspeise­vergütung für Anlagen auf Hausdächern seit dem 30. Juli 2022 drastisch erhöht, auch für Anlagen mit Eigen­verbrauch.

Die Stiftung Warentest hat viel zu den Themen recherchiert und berechnet. Hier die Zusammen­stellung der Artikel auf test.de:

  • Das Erneuer­bare-Energien-Gesetz (EEG) ist reformiert. Wir beschreiben in dem Special Photovoltaik, dass sich Strom­einspeisen wieder für fast alle geeigneten Dächer lohnt. Und dass sich ab einem Eigen­verbrauch von etwa 40 Prozent des erzeugten Stroms auch ein Stromspeicher rechnet.
  • Mit dem Solarrechner können Sie maßgeschneidert erfahren, wo hoch die Rendite bei einem konkreten Investment, mit Ihrem Strom­preis oder Ihrer Anlagengröße ist.
  • Es gelten komplizierte Steuer­regelungen in Photovoltaik-Angelegenheiten. Trotzdem lassen sich damit Steuern sparen.
  • Soll in einem Mehr­familien- oder Miets­haus gemein­sam Strom erzeugt werden, so war das viele Jahre lang schwierig. Seit Anfang 2021 gibt es für Mieterstrom, den meist der Vermieter den Mietern anbietet, eine höhere Förderung. Die bürokratischen Hürden waren allerdings Mitte 2022 noch hoch, auch wenn das neue EEG etwas Erleichterung bringt.
  • Wer schnell und ohne große Investition Eigen­strom erzeugen will, bringt am Haus oder im Garten eine Mini-Solar­anlage an, auch Balkonsolaranlage oder Solar-Steckergerät genannt. Die lohnt sich vor allem, wenn Sie tags­über einen gleich­mäßig hohen Strom­verbrauch haben, da der mit der Sonne erzeugte Strom sofort verbraucht wird. Ein Stromspeicher lohnt sich bei diesen kleinen Anlagen nicht.
  • Sie können sich auch die Grund­lagen in Ruhe anlesen, mit dem Buch „Photovoltaik & Batteriespeicher“. Seine 208 Seiten kosten 39,90 Euro, für Abonnenten und als E-Book 33,90 Euro.

Wechselportale für Strom im Sturm der Zeit

Ohne Zugang zu einem Dach für die eigene Photovoltaik-Anlage bleibt nichts übrig, als weiterhin Strom zu kaufen. Lange Jahre herrschte beim Stromkauf ein Tarif-Gemenge mit deutlichen Preis­unterschieden. Durch den Krieg in der Ukraine hat sich die Situation 2022 deutlich verändert. Es kann dennoch sein, dass selbst in der aktuellen Situation die Preis­erhöhung des Versorgers noch güns­tiger ist, als das preis­werteste Neukunden­angebot der Vergleichs­portale. Grund­sätzlich sollten Kunden auch die Tarife bei ihrem Grund­versorger vor Ort prüfen. Der Grund­versorgungs­tarif hat allerdings keine Preis­garantie.

Anbieter wechseln und sparen

Selbst suchen. Vergleichsportale nennen die zum jeweiligen Wohn­ort infrage kommenden Versorger. Die Stiftung Warentest erläutert, wie der Wechsel des Stromanbieters, aber auch des Gasversorgers funk­tionieren.

Suchen lassen. Wenn Sie das nicht selbst im Auge behalten wollen, kann ein Wechseldienst für Strom- und Gastarife die Sache erledigen. Sie erfahren auch, was ein guter Ökostrom­tarif ist und wie man sich im Falle eines Streits an die Schlichtungs­stelle Energie wendet.

Noch ein Aspekt beim Anbieter­wechsel: Unabhängig vom Strom­versorger soll laut Gesetz inner­halb der kommenden zehn Jahre jeder deutsche Haushalt einen digitalen Stromzähler bekommen. Die kosten deutlich mehr Jahres­gebühr als ein alter Drehzähler. Achten Sie also beim Wechsel darauf, ob die Gebühr für den Zähler im Strom­preis enthalten ist oder nicht. Dazu muss in den allgemeinen Geschäfts­bedingungen des neuen Anbieters der „Mess­stellen­betrieb“ aufgeführt sein.

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11 Kommentare Diskutieren Sie mit

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Nutzer­kommentare können sich auf einen früheren Stand oder einen älteren Test beziehen.

Profilbild Stiftung_Warentest am 25.10.2022 um 07:57 Uhr
Wäscheschleuder

@Merrill: Insgesamt haben die Wäscheschleudergeräte eher geringe Marktbedeutung. Hinzu kommt, dass mit einer Wäscheschleuder ein weiteres Gerät in den Haushalt gelangen würde, welches produziert werden muss und in kleinen Wohnungen auch das Platzproblem verschärfen kann.
Ihren Testwunsch haben wir an das zuständige Untersuchungsteam gerne weitergeleitet. Vielen Dank dafür.

Merrill am 24.10.2022 um 21:04 Uhr
Energiesparen mit Wäscheschleuder?!?

Seit Jahrzehnten weisen Sie nicht mehr auf die energiesparende & günstige Wäscheschleudern hin! Dabei sind diese eine perfekte Ergänzung zu den energiefressenden Wäschetrocknern: Wäscheschleudern haben mit i.d.R. 2800 U/min deutlich höhere Schleuderdrehzahlen als Waschmaschinen (1000 bis 1600 U/min) und pressen so deutlich mehr Restfeuchtigkeit aus der Wäsche. Die dann noch verbleibende Trockenzeit im Wäschetrockner (oder auf der Wäscheleine) wird somit erheblich verkürzt und über 50% Energie eingespart.

Profilbild Stiftung_Warentest am 10.10.2022 um 11:50 Uhr
Wäscheschleuder

@Ufemic: Wir haben leider keine Wäscheschleudern untersucht und können von daher keinen Ratschlag geben, ob sich die Anschaffung lohnen würde.

Ufemic am 09.10.2022 um 15:37 Uhr
Wäschetrockner

Wurde zwar im Test der Trockner erwähnt: Wäsche vorher maximal schleudern um Restfeuchte zu entfernen (meine Waschmaschine schleudert mit 1400 U/min).
Aber die Idee zur Anschaffung einer Wäscheschleuder mit 2800 U/min. oder mehr wurde nicht weiter verfolgt oder aufgegriffen.
Deshalb meine Frage, ob sich die Investition von ca. 190€ lohnt (Wäscheschleuder mit 4,5 kg Nutzlast, man muss also 2x schleudern). Zum Anschaffungspreis kommt noch der Stromverbrauch der Wäscheschleuder.

Profilbild Stiftung_Warentest am 21.09.2022 um 09:34 Uhr
Standby-Verluste etc minimieren

@Merrill: Eine gute Anregung. Die werden wir bei nächster Gelegenheit in den Text aufnehmen.