Strom­wechsel­services im Test: Wechsel-Assistenten für Strom­tarife

Strom­wechsel­services im Test - Wechsel-Assistenten für Strom­tarife

Kunden können alles rund um Wechsel und Verwaltung ihres Strom­tarifs in die Hände von neuen Dienst­leistern legen. Unser Test zeigt: Das ist bequem und lohnt sich.

Das sind ihre Werbe­versprechen: „Zurück­lehnen. Sparen“ oder „Wir wechseln. Sie sparen“. Die Rede ist von neuen Dienst­leistern wie Esave, Switchup, Wechselpilot und Wechsel­strom. Sie organisieren für Kunden den Strom­anbieter­wechsel. Ihr Vorteil: Anders als Vergleichs­portale wie Check24 und Verivox kümmern sie sich über Jahre hinweg, nicht nur einmalig. Sie verstehen sich als auto­matischer Wechsel­service, Tarif­aufpasser oder Wechsel­assistent.

Wir haben neun dieser jungen Wechsel­dienste getestet – den ersten gibt es seit 2014. Unser Fazit: Alle optimieren nicht nur regel­mäßig den Strom­tarif und helfen so beim Sparen. Sie über­nehmen auch die gesamte Kommunikation mit dem Versorger. Sieben können Kunden problemlos nutzen. Zwei empfehlen wir nicht, sie erfüllen unsere Anforderungen nicht (Testergebnisse Stromanbieter wechseln).

Unser Rat

Bequemer Kunde. Wenn Sie Strom­kosten sparen wollen, aber keine Lust haben, sich jähr­lich selbst um einen Wechsel Ihres Strom­anbieters zu kümmern, ist ein Wechsel­service eine gute Wahl. Haben Sie ihn einmal beauftragt, sucht er jedes Jahr für Sie ein gutes und güns­tiges Angebot aus und wechselt den Anbieter. Ihr Vorteil: Die Kommunikation mit Ihrem Strom­versorger läuft ebenfalls über den Service – meist richtet er dafür einen E-Mail-Account für Sie ein. Viele Wechsel­dienste verlangen für ihre Arbeit eine Provision, meist 20 bis 30 Prozent der erzielten Ersparnis.

Aktiver Kunde. Als Profiwechsler haben Sie Ihre Termine im Griff und verpassen keine Kündigungs­frist. Sie können weiterhin selbst­ständig den Anbieter wechseln und zur Tarif­suche Vergleichs­rechner wie Check24 oder Verivox nutzen. Auf diese Weise sparen Sie sich die Provision, die Wechsel­dienste meist verlangen. So können Sie sich die maximale Ersparnis sichern. Lesen Sie vor Vertrags­abschluss die Kundenbe­wertungen im Netz (energieanbieterinformation.de).

Auswahl. Vor der Auswahl eines Dienstes sollten Sie sich entscheiden: Soll der Strom­anbieter­wechsel nur durch­geführt werden, wenn Sie zustimmen, oder darf der Wechsel­dienst auto­matisch tätig werden? Sehr empfehlens­wert sind Esave, Switchup (ohne Kunden­provision), Wechselpilot und Wechsel­strom (Testergebnisse Stromanbieter wechseln).

Ihre Aufgaben. Der Dienst erledigt zwar die ganze Arbeit. Sie müssen aber per E-Mail erreich­bar sein und diese regel­mäßig checken. Vier Dienste sind außerdem ohne Internet nutz­bar (So nutzen Sie die neuen Wechseldienste). Sollte Ihr Versorger Ihnen Briefe schreiben – etwa wegen einer Preis­erhöhung –, müssen Sie diese an den Service weiterleiten.

Besser als Vergleichs­portale

Im Unterschied zu Vergleichs­portalen prüfen die Dienste vor einem Wechsel die Qualität von Tarif und Anbieter. Ihr Versprechen: Wir sortieren unfaire Versorger aus und vermitteln Kunden nicht an Firmen wie die nun insolvente Bayerische Energieversorgung (BEV).

Christoph Hermann, Gründer und Geschäfts­führer der Wechsel­fabrik, sagt: „Wir haben einen guten Über­blick über die Kundenfreundlich­keit der Versorger. Schließ­lich erhalten wir auch die Abrechnungen und Preis­erhöhungs­schreiben.“ Er hat eine interne schwarze Liste von Versorgern, an die er nicht vermittelt. Gleiches berichten uns auch andere Wechsel­dienste.

Für ihre Arbeit verlangen die meisten Dienste eine Provision von 20 bis 30 Prozent der erzielten Ersparnis.

27 Haushalte testeten die Dienste

Wir wollten wissen: Wie gut arbeiten Wechsel­dienst­leister? Organisieren sie den Versorgerwechsel reibungs­los? Landen die Kunden in guten und güns­tigen Tarifen – auch im zweiten Vertrags­jahr? Deswegen haben wir neun Dienste über einen Zeitraum von mehr als zwölf Monaten getestet, vom Tarif­vorschlag für das erste Vertrags­jahr, über den ersten Versorgerwechsel bis zum Tarif­vorschlag für das zweite Vertrags­jahr. Insgesamt 27 Test­haushalte haben für uns ihren Strom­anbieter über einen der neun Dienst­leister gewechselt (So haben wir getestet).

Kein Wechsel­service empfahl BEV

Die gute Nach­richt vorweg: Bei allen Dienst­leistern im Test funk­tionierten Tarif­auswahl und Wechsel reibungs­los. Empfohlene Tarife waren so gut wie nie wesentlich teurer als die Preissieger auf den Listen von Verivox oder Check24. Alle neun Dienste haben die Tarif­vorschläge für das zweite Jahr deutlich vor Ablauf der Kündigungs­frist über­mittelt. Außerdem konnten alle unsere Tester durch die Nutzung eines Wechsel­dienstes auch nach Abzug der Kosten sparen: zwischen 73 Euro und mehr als 400 Euro in einem Jahr, abhängig von der Höhe ihrer Strom­kosten vor dem Wechsel, ihrem Verbrauch und Wohn­ort.

Sogar das Versprechen, keine unseriösen Anbieter zu empfehlen, wurde einge­löst. In unserem Test­zeitraum von Oktober 2017 bis Dezember 2018 hat kein Dienst Tarife der mitt­lerweile insolventen, aber schon vorher auffälligen Bayerischen Energieversorgung (BEV) empfohlen.

Bei den Vergleichs­portalen Check24 und Verivox dagegen stand BEV für unsere Test­haushalte so gut wie immer als güns­tigster Tarif oben auf der Ergeb­nisliste. Zwei Tester lehnten allerdings die Empfehlung ihres Dienstes ab. Sie entschieden sich für das güns­tigste Angebot und wurden BEV-Kunden. Ihre Verträge endeten aber vor der Insolvenz.

Für bequeme Kunden gute Wahl

Uns interes­sierte auch: Sind die Wechsel­dienste für bequeme Kunden empfehlens­wert? Anders als aktive Kunden, die sich jedes Jahr selbst um den Versorgerwechsel kümmern, möchten Bequeme zwar ihre Energiekosten senken, aber möglichst ohne Aufwand. Für sie ist ein Wechsel­dienst nur dann empfehlens­wert, wenn er wichtige Informationen wie Ersparnis und Provision korrekt und schnell verständlich darstellt. Wir haben im Test die Perspektive eines bequemen Kunden einge­nommen und all das geprüft.

Hier­zulande sind bequeme Strom­kunden in der Über­zahl. Laut der Bundes­netz­agentur lassen sich 69 Prozent der Strom­kunden von ihrem Stadt­werk vor Ort beliefern. Entweder haben sie noch nie den Strom­versorger gewechselt oder sie sind dorthin zurück­gekehrt.

Vier sehr empfehlens­wert

Vier Wechsel­dienste stechen heraus: Esave, Switchup, Wechselpilot und Wechsel­strom haben im Test sehr empfehlens­wert abge­schnitten (Testergebnisse Stromanbieter wechseln).

Die Berliner Firma Switchup startete im Sommer 2014 den ersten Wechsel­service hier­zulande und ist heute Markt­führer. Esave ist ein Familien­unternehmen aus Radolfzell am Bodensee. Es startete im Juli 2016. Kunden können – wie bei anderen Diensten auch – ihre Ersparnis auf der Internetseite berechnen und den Service dort beauftragen. Bei Esave können sie aber auch alles per Telefon und Post erledigen. Gleiches gilt für Wechsel­strom. Hinter der Firma stehen zwei junge Gründer aus Aachen. Die Gründer des Hamburger Unter­nehmens Wechselpilot kommen aus der Energiewirt­schaft. Die Firma gehört zu den Vorreitern am Markt.

Drei weitere Wechselhelfer sind empfehlens­wert. Einzig Energyhopper und Strom­auskunft* können wir bequemen Kunden nicht empfehlen. Bei beiden klappte zwar das Wechseln und auch das Angebot erhielten Kunden recht­zeitig. Aufgrund einer falschen Bezugs­größe war jedoch ihre Erspar­nisberechnung für das zweite Vertrags­jahr nicht bei allen Testern korrekt.

224 Euro gespart – trotz Provision

Und wie sieht es mit der Ersparnis aus? Lohnen sich Wechsel­dienste für bequeme Kunden? Ja, sie können – trotz Zahlung einer Provision – ordentlich sparen.

Wie viel zeigt dieses Beispiel: Ein Test­haushalt aus Erfurt mit einem Jahres­strom­verbrauch von 4 000 Kilowatt­stunden war im Jahr 2017 Kunde bei den Stadt­werken Erfurt. Dort zahlte er 1 262 Euro. Er wechselte dann über Cheapenergy24 in einen Tarif der Eon-Tochter „E wie einfach“, der nur 942 Euro kostet, also 320 Euro weniger. Im Endpreis sind schon alle Boni einge­rechnet.

96 Euro – 30 Prozent seiner Ersparnis – zahlt unser Erfurter Haushalt zwar an den Wechsel­service Cheapenergy24 als Provision. Doch damit macht er auch nach Abzug seiner Kosten immer noch ein Plus von 224 Euro gegen­über seinem Tarif bei den Erfurter Stadt­werken.

Im zweiten Vertrags­jahr schlägt Cheapenergy24 ihm einen Wechsel in einen Tarif von Entega vor. Hier­durch kann er erneut trotz Provision wieder mehr als 200 Euro sparen. Die Provision sinkt jetzt auf 25 Prozent.

Wie viel ein Kunde spart, hängt davon ab, wie teuer sein bisheriger Tarif ist, wie hoch sein Verbrauch ist und in welcher Stadt er wohnt. Einige Bestand­teile des Strom­preises wie Netz­entgelte oder Konzessions­abgabe sind regional verschieden.

Bequeme profitieren von Bonus­tarifen

Unser Erfurter Test­haushalt hat vor allem deshalb so viel gespart, weil Cheapenergy24 ihm einen Tarif von Entega mit hohen Boni von insgesamt 310 Euro vorschlug. Solche Bonus­tarife sind sonst nur für aktive Kunden geeignet. Die Boni verbilligen den Tarif nur im ersten Vertrags­jahr. Im zweiten Jahr würde der Entega-Tarif unseres Erfurter Haus­halts ohne Boni immerhin 1 138 Euro kosten. Wer dann die Kündigungs­frist verpasst, zahlt ordentlich drauf. Dank der Tarif­aufpasser können auch Bequeme solche Tarife nutzen, denn wenn es im zweiten Jahr teurer wird, sind sie bereits im neuen Vertrag.

Die Mehr­heit unserer 27 Tester war übrigens mit der Arbeit der Wechsel­dienste voll und ganz zufrieden. Viele von ihnen sind auch nach dem Test Kunden geblieben.

*Das Angebot hat sich verändert und ist inzwischen nur in Kombination mit dem Vergleichs­portal strom­auskunft.de nutz­bar. So wäre der Dienst bei unserer Markt­auswahl nicht berück­sichtigt worden (Hinweis einge­fügt am 28.03.2019).

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