Im Streit um Avanio-Internetgebühren gerät der Anbieter Funsurf24 GmbH unter Druck. Die Verbraucherzentrale Berlin will dem Unternehmen jetzt gerichtlich verbieten lassen, monatliche Gebühren ohne wirksamen Vertrag einzuziehen. Die Verbraucherschützer prüfen außerdem, ob Sie illegal erzielte Gewinne abschöpfen können. Sie suchen betroffene Verbraucher und bitten um Unterstützung.

Anwältin fürs Berufungsverfahren

Auch die Verbraucherzentrale Sachsen hat sich eingeschaltet. Sie unterstützt eine Berlinerin im Streit um Avanio-Gebühren. Die Frau hatte sich vor dem Amtsgericht Dresden mit einer Klage auf Rückzahlung aller Gebühren durchgesetzt. Doch die Funsurf24 GmbH hat Berufung eingelegt. Ärgerlich für die Verbraucherin: Sie braucht in der zweiten Instanz einen Anwalt. Ein solcher ist jedoch schwer zu finden, weil das Honorar wegen des geringen Streitwerts gering ist. Doch die Verbraucherzentrale Sachsen sprang ein und vermittelte. Die Vertretung im Berufungsverfahren übernimmt jetzt die Dresdner Rechtsanwältin Claudia Howitz.

Gebühren ohne Nutzung

Die Vorgeschichte in Kurzform: Avanio bietet verschiedene Tarife für die Modem-Einwahl ins Internet an. Einer davon: vanio.flexi. Laut Geschäftsbedingungen entsteht bei der ersten Einwahl ein Dauerschuldverhältnis, das erst mit Kündigung wieder endet. Mitte Juni 2005 bietet Vanio.flexi den weit und breit günstigsten Preis pro Minute an. Avanio meldet den Tarif an Least-Cost-Router wie den Smartsurfer von Web.de. Das sind kleine Computerprogramme, die die Verbindung zum Internet immer über den aktuell günstigsten Anbieter aufbauen. Schätzungsweise 800 000 bis eine Million Surfer landen über den Smartsurfer Mitte Juni 2005 bei Avanio. Ab August führt das Unternehmen zusätzlich zum Preis pro Minute eine feste monatliche Grundgebühr ein. Auch bei Surfern, die sich im Juni via Smartsurfer eingewählt haben und die seitdem Avanio nicht mehr nutzen, taucht sie unversehens in der Telefonrechnung auf. Nach Schätzungen von test.de kassiert Avanio allein von diesen Surfern über 10 Millionen Euro an Grundgebühren.

Urteile ohne Rechtskraft

Erste Beschwerden über die Avanio-Gebühren tauchen im Spätsommer 2005 auf. Stereotype Reaktion von Avanio: Das Unternehmen stoppt den Gebühreneinzug im Einzelfall und erstattet einen kleinen Teil der via Telefonrechnung bereits eingezogenen Beträge. Den Großteil bereits bezahlter Gebühren behält Avanio. Das ganze Ausmaß der Affäre wird erst nach und nach erkennbar. Die Beschwerden häufen sich. Bei der Staatsanwaltschaft in Dresden gehen erste Strafanträge ein. Erst nach einem test.de-Bericht Anfang dieses Jahres entdecken viele Betroffene den zweifelhaften Posten auf ihrer Telefonrechnung. Einige Betroffene ziehen vor Gericht. Erster Erfolg: Im Jahr 2006 urteilt das Amtsgericht Dresden in einem Fall gegen Avanio. Doch das Urteil wird nicht rechtskräftig und bleibt ein Einzelfall. Einige weitere Kläger scheitern - teils aus formalen Gründen, teils gelingt es ihnen nicht, ihre Forderung genau genug zu begründen. Erst im September dieses Jahres fällt ein weiteres Urteil gegen den Avanio-Anbieter, nach dem er einer Frau aus Berlin alle Gebühren zu erstatten hat.

Verbraucherschützer starten Unterlassungsklage

Die Verbraucherzentrale Berlin (VZ) will den Spuk jetzt endgültig stoppen. Sie hat die Funsurf24 GmbH aufgefordert, den Einzug von Grundgebühren nach Smartsurfer-Einwahlen zu stoppen. Doch das Unternehmen weigert sich. Jetzt wollen die Verbraucherschützer Klage beim Landgericht Dresden erheben. Sie haben dazu bereits die Unterlagen mehrerer Surfer aus Berlin ausgewertet. VZ-Jurist Ronny Jahn sucht jedoch noch nach weiteren Betroffenen und bittet darum, ihm Kopien der Telefonrechnungen mit Avanio-Gebühren sowie etwaiger Korrespondenz mit Avanio bzw. Funsurf24 zu schicken. Die Adresse: Verbraucherzentrale Berlin, Stichwort: Avanio, Bayreuther Str. 40, 10787 Berlin. Nichts neues von der Staatsanwaltschaft Dresden: Sie wird voraussichtlich Anklage wegen Betrugs erheben, hat die Ermittlungen aber noch nicht endgültig abgeschlossen.

Avanio-Internetzugang: Mitglieder wider Willen
Amtsgericht Dresden: Urteil gegen Funsurf24

Dieser Artikel ist hilfreich. 78 Nutzer finden das hilfreich.