Seit 2 Uhr nachts bestreikt die Lokführer­gewerk­schaft GDL den Personen­verkehr bei der Deutschen Bahn. test.de sagt, welche Rechte Bahn­kunden bei Zugverspätungen und Ausfällen aufgrund von Streiks haben – und nennt alternative Reise­möglich­keiten.*

Wo bekomme ich Informationen über zu erwartende Probleme im Zugverkehr?

Informationen bekommen Sie bei der Deutschen Bahn unter der Telefon­nummer 0180–699 66 33. Zusätzlich können Sie sich unter www.bahn.de/aktuell informieren.

Ab welcher Verspätung bekomme ich eine Entschädigung?

Kommen Sie eine Stunde zu spät am Ziel an, muss die Bahn 25 Prozent des Fahr­preises erstatten. Bei zwei Stunden Verspätung sind es sogar 50 Prozent. Maßgeblich ist allein die Ankunfts­zeit am Ziel­ort. Wie pünkt­lich oder unpünkt­lich die Bahn an Umsteige-Bahnhöfen war, ist unerheblich.

Tipp: Details zu den Verspätungs­regeln hat die Bahn in der Broschüre Fahrgastrechte zusammengefasst.

Was gilt nachts – oder wenn es einfach nicht mehr weiter geht?

Droht eine Verspätung am Ziel­ort von mindestens einer Stunde, und wären Sie plan­mäßig zwischen 0 und 5 Uhr ange­kommen, können Sie die Fahrt mit einem anderen Verkehrs­mittel wie Taxi oder Bus fortsetzen und sich die Kosten (maximal 80 Euro) von der Bahn erstatten lassen. Benötigen Sie aufgrund einer Verspätung oder eines Zugausfalls eine Über­nachtung, weil die sofortige Fortsetzung der Reise unzu­mutbar ist, erstattet die Bahn „angemessene“ Über­nachtungs­kosten.

Kann ich bei absehbarer Verspätung auch den Zug wechseln?

Ja. Bei einer zu erwartenden Verspätung von mindestens 20 Minuten am Zielbahnhof können Sie einen höher­wertigen, nicht reser­vierungs­pflichtigen Zug nutzen. Sie müssen die zusätzlich erforderliche Fahr­karte oder den fälligen Aufpreis allerdings zunächst selbst zahlen und sich diese Kosten anschließend erstatten lassen. Diese Möglich­keit gilt nicht bei stark ermäßigten Angeboten wie dem Schönes-Wochen­ende-Ticket.

Ich bin Pendler mit einer Zeitkarte. Welche Regeln gelten, wenn ich zu spät komme?

Bei Verspätungen von einer Stunde und mehr erhalten Sie eine pauschale Entschädigung. Bei Zeitkarten im Nahverkehr gibt es in der zweiten Klasse 1,50 Euro. Im Fern­verkehr werden pauschal fünf Euro gezahlt. Grund­sätzlich werden bei Zeitkarten maximal 25 Prozent des Fahr­karten­wertes erstattet. Die Bahn zahlt Entschädigungen aber erst ab einer Bagatell­grenze von vier Euro. Als Bahn-Kunde mit Zeitkarte im Nahverkehr müssen sie also mindestens drei Verspätungen von mindestens 60 Minuten im Gültig­keits­zeitraum der Fahr­karte einreichen, um eine Entschädigung zu erhalten.

Kann ich bei einer drohenden Verspätung auch von einer Reise zurück­treten?

Zeichnet sich eine Verspätung von mehr als 60 Minuten ab, können Sie auf die Fahrt verzichten und den kompletten Fahr­preis zurück­verlangen. Sie dürfen die Fahrt auch zu einem späteren Zeit­punkt beginnen und dann auch eine andere Stre­ckenführung wählen.

Tipp: Wenn Sie noch viel Zeit zum Umplanen haben und Sie auf Nummer sicher gehen müssen: Prüfen Sie, ob nicht ein Fernbus Sie zuver­lässiger ans Ziel bringen könnte. Welche Anbieter gut sind, zeigt der Test Fernbusse: Meist günstig, pünktlich und gut.

Was muss ich tun, damit ich eine Entschädigung beantragen kann?

Damit Sie am Ende Geld erhalten, benötigen Sie ein Beschwerdeformular. Die Bahn nennt es Fahr­gast­rechte-Formular. Sie erhalten es im Zug, an den Informations­schaltern der Bahn, in den Reisezentren oder unter www.fahrgastrechte.info. Damit alles reibungs­los läuft, sollten Sie sich die Verspätung oder den Zugausfall bestätigen lassen. Bestätigungen gibt es vom Personal im Zug. An der DB Information bekommen Sie die Bestätigung in aller Regel auch bis zu fünf Tagen später. Im DB Reisezentrum gibt es Bestätigungen bis längs­tens ein Jahr nach der Reise.

Wo erhalte ich mein Geld zurück?

Mit dem ausgefüllten Beschwerdeformular, dem Original-Ticket und der Verspätungs­bestätigung können Sie in einem DB Reisezentrum die Entschädigung sofort in bar erhalten. Fehlen Dokumente wie die Verspätungs­bestätigung, müssen Sie sich an das Service­center Fahr­gast­rechte wenden. Es ist auch für andere Fälle zuständig, wie etwa Probleme rund um Fahr­karten im grenz­über­schreitenden Verkehr, Zeitfahr­karten und Karten für den DB Auto­zug Details in der Broschüre Fahrgastrechte. Wenn Sie mit dem Gedanken spielen, sich die Abwick­lung vom Dienst bahn-erstattung.de abnehmen zu lassen – auf test.de finden Sie einen Schnelltest des Dienstleisters. Hier werden 3,99 Euro fällig.

Wo gibt es Hilfe bei Streitfällen?

Die Bahn muss Ihre Beschwerde nach spätestens einem Monat bearbeitet haben. Bei Streitfällen vermittelt die Schlichtungsstelle für den öffentlichen Personenverkehr zwischen Kunden und Unternehmen. In mehreren Bundes­ländern wie Nord­rhein-West­falen oder Berlin gibt es auch regionale Schlichtungs­stellen.

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* Dieser Artikel ist am 6. Oktober 2014 auf test.de erschienen und wurde zuletzt am 20. Mai 2015 aktualisiert.

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