Streik bei Ryanair Meldung

Der irische Billigflieger Ryanair annulliert am Freitag, den 28. September 2018 wegen Streiks in mehreren Ländern insgesamt 190 Flüge. Betroffen sind laut der Presseagentur AFP 30 000 Kunden. Zu Streiks aufgerufen seien Flug­begleiter in Deutsch­land, Belgien, Italien, Spanien, Portugal und den Nieder­landen. Ryanair hat bereits 250 Flüge von und nach Deutsch­land gestrichen. Hier lesen Sie, welche Rechte Flugreisende haben.

Umbuchung oder Erstattung

Eine Liste der betroffenen Flüge hat Ryanair derzeit noch nicht veröffent­licht. Aktuelle Rei­se­informationen zum Status ihres Fluges können Passagiere über diese Internetseite abfragen. Wird ein Flug annulliert, können Kunden ihren Flug umbuchen oder auf den Flug verzichten und Erstattung des Tickets verlangen.

Alle Informationen für Flugreisende auf test.de.

Flug­gast­rechte. Umfassende Tipps für Flugreisende – über den aktuellen Fall von Ryanair hinaus – bietet unser kostenloses Special Fluggastrechte: Der Weg zur Entschädigung.

Streithelfer. Im Special Günstig streiten mit Legal techs lesen Sie auch, wer im Falle eines Falls günstig oder gar kostenlos als Helfer infrage kommt.

Schlichter. Sie wollen Ihren Storno- oder Verspätungs­ärger gütlich regeln? Wer hier hilft, zeigt das Special Schlichtungsstellen.

Auf Rechnung von Ryanair Alternativ­flug buchen?

Auf eigene Faust alternative Verkehrs­mittel zu buchen, ist riskant. Zwar dürfen von Stornierungen betroffene Flug­gäste nach Artikel 8 der europäischen Fluggastrechte-Verordnung statt einer Erstattung auch eine „anderweitige Beför­derung“ zum Endziel verlangen. Dieser Anspruch besteht aber nur, wenn die Beför­derung unter „vergleich­baren Reisebedingungen“ statt­findet. Was das aber genau heißt, ist unter Juristen umstritten. Wer also eigen­ständig mit einer anderen Air­line an sein Ziel reist, der riskiert, auf den Extra­kosten sitzen zu bleiben oder sein Geld nur auf dem Weg einer Klage – mit ungewissem Ausgang – wieder­zube­kommen.

Verpflegung und Hotel für Passagiere

Wenn ein Flug annulliert wird, stehen den am Flughafen wartenden Flugreisenden bestimmte Betreuungs­leistungen zu. Bei Flügen bis zu 1 500 Kilo­metern haben Flug­gäste ab zwei Stunden Verspätung Anspruch auf zwei kostenlose Kommunikations­möglich­keiten via Telefon, E-Mail, Fax oder Telex. Außerdem muss die Air­line Getränke, Mahl­zeiten und falls notwendig eine Über­nachtung im Hotel anbieten (Artikel 9 der europäischen Fluggastrechte-Verordnung). Dabei spielt es keine Rolle, ob ein Streik oder eine andere Beein­trächtigung des Flug­verkehrs für die Verspätung ursächlich ist.

Zusätzlich finanzielle Entschädigung für Passagiere?

Grund­sätzlich kommen bei Flugannullierungen auch Entschädigungen von bis zu 600 Euro für die betroffenen Passagiere in Frage (Artikel 7 der europäischen Fluggastrechte-Verordnung). 2012 hat der Bundes­gerichts­hof zwar bei einem Piloten­streik von Luft­hansa-Piloten entschieden, dass den Streik-Betroffenen keine Entschädigung zusteht (Flugreise: Kein Geld für Reisende bei Pilotenstreik). Allerdings ist die Recht­sprechung zur Entschädigungs­pflicht bei Streik in Bewegung. Zuletzt hatte der Europäische Gerichts­hof (EuGH) im April 2018 zum „wilden Streik“ bei Tuifly entschieden, dass Flug­gästen in diesem Fall doch eine Entschädigung zusteht (Az. C-195/17; Urteil im Volltext). Auch eine neue Entscheidung des Bundes­gerichts­hof zu Flugannullierungen nach Streiks an der Sicher­heits­kontrolle des Hamburger Flughafens zeigt, dass Entschädigungs­ansprüche nach streikbe­dingten Flugannullierungen durch­aus möglich sind („Streik bei den Personenkontrollen“).

Fall bei Flug­gast­portal einreichen

Wer aus dem Urlaub wieder da ist, sollte daher ruhig versuchen, seinen Fall eines stornierten Ryanair-Fluges bei einem der Flug­gast­portale wie Fairplane der Flight­right einzureichen (Fluggastrechte: Der Weg zur Entschädigung). Nimmt ein Portal einen Ryanair-Fall aus der Streik-Zeit an und treibt ihn bis zum Europäischen Gerichts­hof, hätte das Gericht Gelegenheit, die für Kunden negativen Recht­sprechung zu ändern.

Newsletter: Bleiben Sie auf dem Laufenden

Mit den Newslettern der Stiftung Warentest haben Sie die neuesten Nach­richten für Verbraucher immer im Blick. Sie haben die Möglich­keit, Newsletter aus verschiedenen Themen­gebieten auszuwählen.

test.de-Newsletter bestellen

Diese Meldung ist erst­mals am 9. August 2018 auf test.de erschienen. Sie wurde am 25. September 2018 aktualisiert.

Dieser Artikel ist hilfreich. 7 Nutzer finden das hilfreich.