Streiks an deutschen Flughäfen Meldung

Zehn­tausende Passagiere müssen am Dienstag und Mitt­woch, 10./11. April, mit erheblichen Verzögerungen und Flug­ausfällen rechnen. Die Gewerk­schaft Verdi ruft das Boden­personal an den Flughäfen Frank­furt, München, Köln und Bremen zum Streik auf. Allein am Dienstag streicht die Luft­hansa über 800 Flüge. Davon sind rund 90 000 Flug­gäste betroffen. test.de sagt, wo sich Reisende informieren können – und welche Rechte sie gegen­über ihrer Fluggesell­schaft haben.

Vorm Abflug bei Air­line und Flughafen informieren

Wer einen Flug gebucht hat, sollte sich unbe­dingt vor der Abreise informieren, welche Verzögerungen es gibt und ob der Flieger über­haupt startet. Erster Ansprech­partner dafür ist die eigene Air­line sowie der Flughafen. Infos gibt es telefo­nisch und im Internet, zum Beispiel bei der Lufthansa.

Flug­ausfälle und erhebliche Verzögerungen

Der Flughafen Frank­furt warnt Reisende vor „erheblichen Verzögerungen sowie Flug­ausfällen“. So bleiben die Sicher­heits­kontroll­stellen an den Abfluggates A und Z im Terminal 1 geschlossen. Somit besteht für Passagiere, die in Frank­furt einchecken, kein Zugang zu den Gates A und Z. „Diese Passagiere werden ihre Flüge nicht erreichen“, heißt es auf der Flughafen-Homepage. Darüber hinaus werde es ganz­tägig erhöhte Warte­zeiten geben. Flug­gäste sollten entsprechend mehr Zeit einplanen und früher als sonst am Check-in-Schalter sein. Auch die Anfahrt zum Flughafen kann länger dauern als üblich, da mit Kund­gebungen der Streikenden zu rechnen sei, wie der Flughafen­betreiber mitteilt.

Früher als üblich am Flughafen sein

Ähnlich ist die Lage in München, Köln und Bremen. Vor allem an den Sicher­heits­kontrollen sei mit langen Warte­zeiten zu rechnen, schreibt der Flughafen München auf seiner Home­page. Passagiere sollten sich früh­zeitig bei ihrer Fluggesell­schaft über den aktuellen Flug­status informieren und gegebenenfalls die Online-Umbuchungs­möglich­keiten auf der Flughafen-Website nutzen. Man habe mit der Gewerk­schaft eine Notdienst­ver­einbarung abge­schlossen um sicher­zustellen, dass auch während des Streiks die erforderlichen Sicher­heits­maßnahmen gewähr­leistet sind. Der Flughafen Köln-Bonn hält aktuelle Informationen bereit und hat unter der Nummer 02203 / 404 000 eine Telefon-Hotline für Passagiere einge­richtet.

Streiks auch bei Air France

Gestreikt wird auch bei Air-France. Dort wollen Mitarbeiter im April an insgesamt sechs Tagen streiken. Die Gewerk­schaften haben für den 10., 11., 17., 18., 23. und 24. April zum Streik aufgerufen. Air France will jeweils an den Vortagen die geänderten Flugpläne bekannt geben. Betroffen sein sollen nur Flüge, die von Air France selbst oder der Tochtergesell­schaft Joon durch­geführt werden, nicht aber Air-France-Flüge von Hop, KLM, Delta oder anderen Part­nern der Air­line.

Umbuchen oder Bahn

Passagiere, die einen Flug von oder über Frank­furt und München gebucht haben, können diesen lauft Luft­hansa inner­halb der nächsten sieben Tage kostenlos umbuchen. Auf inner­deutschen Stre­cken können Flugpassagiere Züge der Deutschen Bahn nutzen.

Verdi will sechs Prozent mehr

Verdi will mit den Warn­streiks im Tarif­streit des öffent­lichen Dienstes Druck auf die Arbeit­geber machen. Die Tarif­verhand­lungen für die 2,3 Millionen Tarif­beschäftigten im öffent­lichen Dienst von Bund und Kommunen sollen am Sonn­tag und Montag fortgesetzt werden. In beiden bisherigen Verhand­lungs­runden gab es keine Annäherung. Die Gewerk­schaft fordert ein Gehalts­plus von sechs Prozent, mindestens aber 200 Euro monatlich.

Rechte von Passagieren

Wenn sich ihr Flug verspätet, stehen Flugreisenden Betreuungs­leistungen zu. Dabei spielt es keine Rolle, ob ein Streik oder eine andere Beein­trächtigung des Flug­verkehrs für die Verspätung ursächlich ist.

Kurz­strecke. Bei Kurz­stre­ckenflügen von maximal 1 500 Kilo­metern haben sie ab einer Verspätung von zwei Stunden Anspruch auf Mahl­zeiten, Getränke, Tele­kommunikations­möglich­keiten und gegebenenfalls eine Über­nachtung im Hotel sowie Transfer zwischen Flughafen und Hotel.

Mittel­strecke. Dasselbe gilt bei Mittel­stre­ckenflüge. Ist die Flug­strecke zwischen 1 500 und 3 500 Kilo­meter lang, greift die Vorschrift aber erst ab einer Verspätung von drei Stunden.

Lang­strecke. Bei Lang­stre­cken­fliegern, die 3 500 Kilo­meter oder mehr zurück­legen, liegt die Grenze bei vier Stunden.

Bei Streik kein Anspruch auf Ausgleichs­zahlung

Flugreisende, die von Annullierung, Über­buchung oder einer Verspätung ab drei Stunden betroffen sind, können in der Regel laut EU-Flug­gast­rechte­ver­ordnung eine finanzielle Entschädigung fordern. Diese kann je nach Distanz der Flug­strecke zwischen 250 und 600 Euro pro Flug­gast betragen.

Tipp: Wie Sie in solchen Fällen Ihre Ansprüche geltend machen, erklärt unser Special Fluggastrechte: Der Weg zur Entschädigung.

Da es sich bei streikbedingen Ausfällen und Verspätungen um außergewöhnliche Umstände handelt, steht Reisenden in solchen Fällen allerdings in der Regel keine Entschädigung zu. Ein Anspruch auf eine Ausgleichs­zahlung kann bei Streik lediglich entstehen, wenn Fluggesell­schaften Ausfälle oder Verspätungen mit Streik­aktionen begründen, die schon Tage zurück­liegen. Dann kann eine Fluggesell­schaft Entschädigungs­ansprüche nur abweisen, wenn sie glaubhaft macht, dass sie zwischen­zeitlich keine Maßnahmen ergreifen konnte, die den normalen Flugplan wieder­herstellen.

Diese Rechte haben Sie als Pauschal­reisender

Wer eine Pauschal­reise mit Flug und Hotel gebucht hat, kann wegen einer Flugannullierung oder einer mehr­stündigen Abflug­verspätung noch nicht den gesamten Reise­vertrag kündigen. Allerdings kann der Reise­preis gemindert werden, wenn sich der Abflug um vier Stunden oder mehr verzögert. Ab der fünften Stunde kann der Tages­preis der Reise für diese und jede weitere ange­fangene Stunde um 5 Prozent gemindert werden. Details lesen Sie in unserem Special Pauschalreise: Flug verlegt, Geld zurück.

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Diese Meldung erschien erst­mals am 26. März 2014 anläss­lich eines Piloten­streiks. Sie wurde seitdem mehr­fach komplett aktualisiert, zuletzt am 9. April 2018.

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