Video­streaming im Test Netflix, Amazon, Apple TV+ und Co.

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Video­streaming im Test - Netflix, Amazon, Apple TV+ und Co.
© Benjamin Pritzkuleit, Getty Images, ddp images (M)

Mit Eigen­produktionen räumen Netflix und die Online-Video­thek von Amazon wichtige Preise ab. Für das Test­urteil Gut reicht es nicht.

Video­streaming im Test

  • Testergebnisse für 5 Video­streaming-Dienste per Abo 01/2020 Anzeigen
  • Testergebnisse für 6 Video­streaming-Dienste per Einzel­abruf 01/2020 Anzeigen

Netflix liegt vorn – im Test von elf Video­streaming-Diensten und im Oscar-Rennen. Sechs Gold­statuen gewann Netflix bisher mit Eigen­produktionen, Amazon drei (siehe Foto unten). Andere Preise wie Emmys und Golden Globes sammelten beide reihen­weise – oft mit eigenen Serien wie „Stranger Things“ von Netflix oder „Trans­parent“ von Amazon.

Doch es ist nicht alles Gold, was streamt. Wer das Repertoire ergebnis­offen durch­forstet, findet zwar meist etwas Passendes. Wer aber gezielt bestimmte Filme und Serien sucht, wird oft enttäuscht: Von 200 gesuchten, besonders populären Titeln hatte kein Portal mehr als 58 parat. Über alle Prüf­punkte hinweg noch am besten, mit befriedigend, ist Netflix – gefolgt von Amazons Abo. Das neue Apple TV+ ist Letzter.

Im Einzel­abruf teilt sich Amazon den ersten Platz mit Video­load und Maxdome. Maxdome wird laut Anbieter „bis Mitte 2020“ durch Joyn Plus ersetzt. Ein Monats­abo soll künftig 7 Euro kosten und neben Filmen und Serien etwa auch Live­streaming von TV-Sendungen bieten.

Unser Rat

Kein Video­streaming-Dienst schneidet gut ab. Noch am besten ist das Abo von Netflix mit vielen eigen­produzierten Serien. Für Filmfans sind andere Abos besser: Sky zeigt recht viele Block­buster, das Amazon-Abo bietet mehr Vielfalt und ist deutlich güns­tiger. Einzel­abruf-Dienste sind für Serien­fans uninteres­sant – für Filmfans eignen sich in dieser Gruppe am ehesten Apple iTunes und Amazons Shop.

Video­streaming im Test - Netflix, Amazon, Apple TV+ und Co.
Bytes statt Zelluloid. Der Film­streifen von „Zurück in die Zukunft“ war rund 3 Kilo­meter lang – als Video passt die Sci-Fi-Komödie heute locker auf ein Handy. © Getty Images, ddp images (M)

Abos für Serien, Einzel­abruf für Filme

Wichtigste Frage auf der Suche nach dem richtigen Dienst: Abo oder Einzel­abruf? Abo-Nutzer können für meist 8 bis 12 Euro im Monat so viel sehen, wie sie wollen. Netflix, Amazon und Maxdome bieten einen Monat gratis, Apple TV+ eine Woche, Sky lässt sich nicht kostenlos probieren. Abos lohnen sich vor allem für Serien­fans, die „Originals“ – die Eigen­produktionen der Anbieter – sehen wollen. Die Film­aus­wahl der Abos liefert oft eher Masse statt Klasse.

Wer beliebte Filme sehen will, ist mit Einzel­abrufen meist besser bedient. Bei Apple iTunes und Amazons Shop fanden wir von den gesuchten Titeln am meisten. Nachteil des Einzel­abrufs: Zwei bis drei Filme kosten oft so viel wie ein Monats­abo. Aktuell im Kino laufende Filme sucht man online übrigens fast immer vergebens – Streaming­dienste dürfen sie meist erst einige Monate nach Kino­start zeigen.

Lieber leihen statt kaufen

Wir haben uns im Test aufs Leihen konzentriert. Wer kauft, hat zwar größere Auswahl, zahlt aber auch deutlich mehr und erlebt oft Einschränkungen – etwa, dass er das Werk nicht auf PC oder DVD kopieren kann oder dass er den Zugriff eventuell ganz verliert, falls der Dienst einge­stellt wird.

„Ausreichend“ kann gut sein

Unsere Bewertung des Repertoires beruht auf Hitlisten. Da der eigene Geschmack stark von solchen Listen abweichen kann, brauchen Interes­sierte sich nicht unbe­dingt von mäßigen Repertoire-Noten abschre­cken zu lassen. So erreicht der Katalog von iTunes nur ein Ausreichend, die Auswahl an Film-Klassikern ist aber hervorragend. Auch das Sky-Repertoire ist insgesamt nur ausreichend – für Fans von „Game of Thrones“ und anderen Serien des US-Senders HBO aber genau richtig.

Tipp: Falls Sie einen bestimmten Titel suchen, können Sie online mit werstreamt.es oder justwatch.com ermitteln, wo er läuft.

Exklusivität entscheidet

Mit Studio-Block­bustern über Harry Potter oder Wonder Woman können sich Streaming­dienste heute kaum noch von der Konkurrenz absetzen, da solche Titel meist bei vielen Portalen zu finden sind. Auch in der Bild- und Tonqualität stellten wir kaum Unterschiede fest: Hier sind alle Dienste im Test sehr gut oder gut – wenn die Internet­verbindung des Nutzers schnell ist. Ideal sind 10 Megabit pro Sekunde oder mehr.

Entscheidender sind Unterschiede bei Eigen­produktionen und weiteren Exklusiv­titeln, also Filmen und Serien, die nur ein Dienst verleiht. Die Anbieter konzentrieren sich bei ihren Originals vor allem auf Serien. Sie binden Kunden lang­fristig. Wohl auch deshalb gab es zuletzt einen Serien-Boom. Der Aufwand ist enorm: Netflix soll im Jahr 2018 laut Medienbe­richten etwa neun Milliarden Euro in Originals investiert haben. Bei Amazon lagen die Ausgaben ebenfalls in Milliardenhöhe.

Äpfel gegen Birnen

Da die Unikate von Netflix komplett andere sind als jene von Amazon oder Sky, lassen sie sich mit unseren Test­methoden kaum vergleichen. Deshalb haben wir fünf professionelle Kritiker beauftragt, das Exklusivmaterial der Dienste zu bewerten – in zehn Kategorien wie Vielfalt an Genres und Herkunfts­ländern sowie Präsenz von Stars.

Netflix hat das beste Exklusiv-Angebot

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Oscars für Netflix und Amazon. Sechs Oscars gewann Netflix schon für selbst­produzierte Filme: Drei gingen an das mexika­nische Drama „Roma“, die anderen verteilen sich auf drei Dokus. Amazon bekam bislang drei Oscars, zwei für das Familien­drama „Manchester by the Sea“, einen für den iranischen Film „The Sales­man“. © picture alliance / AP Photo / Matt Sayles

Netflix bietet die größte Vielfalt an Originals. Serien wie „Black Mirror“, „Stranger things“ und „Sex Education“ bedienen verschiedenste Ziel­gruppen. Hinzu kommen Dokus, Comedy sowie Filme von Regiegrößen wie Martin Scorsese („The Irishman“).

Amazon kann bei Serien nicht ganz mit Netflix mithalten, hat aber mehr renommierte Original-Filme, etwa das Geheim­dienst­drama „The Report“oder das Horror-Remake „Suspiria“. An sich gehören auch Arthouse-Hits wie „Manchester by the Sea“ und „Paterson“ zu den Amazon-Originals, sie sind inzwischen aber auch anderswo verfügbar. Sky punktet mit den US-Serien von HBO und mit Hollywood-Block­bustern.

Das Exklusivre­pertoire haben wir nur bei Abos geprüft, da es im Einzel­abruf weniger relevant ist. Hier kann der Zuschauer mehrere Portale neben­einander nutzen, ohne sich an sie zu binden.

Apple TV+ mit Fehl­start

Wollen die uns verapplen? Ungefähr das dürften sich viele Kunden gedacht haben, als Apple am 1. November den Abo-Dienst Apple TV+ startete. Das Repertoire bestand zu diesem Zeit­punkt aus neun Titeln. Neun! Die Konkurrenz hat Tausende.

Drei der neun waren Serien, von denen jeweils nur die ersten drei Folgen bereit­standen. Auf die nächsten Episoden muss der Zuschauer warten – wie beim linearen Fernsehen. Immerhin: Die vorhandenen Titel sind hoch­wertig und thematisch recht vielfältig. Das Repertoire wird mit der Zeit wachsen, es dürfte aber kleiner bleiben als bei der Konkurrenz, da Apple anscheinend plant, allein auf Originals zu setzen.

Genaueres zur Zukunft des Dienstes wollte Apple auf Anfrage der Stiftung Warentest nicht mitteilen. Klar ist aber, dass Apple TV+ sich stark von Apple iTunes unterscheidet: Apple TV+ ist ein Abo-Dienst, der nur Originals zeigt. iTunes funk­tioniert per Einzel­abruf und streamt bislang keine Apple-Originals.

Disney+ soll Ende März kommen

Apple muss sich sputen, denn der nächste Konkurrent scharrt schon mit den Micky­maus-Füßen: Für Ende März ist der Video­streaming-Dienst Disney+ angekündigt, mit vielen Disney-, Pixar-, Star-Wars- und Marvel-Produktionen. Diese Filme und Serien dürften lang­fristig nur noch bei Disney+ zu sehen sein. Das wird für Netflix, Amazon und Co wahr­scheinlich ein viel größeres Problem als Apple TV+ mit seiner Schmal­kost.

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Nutzer­kommentare können sich auf einen früheren Stand oder einen älteren Test beziehen.

Profilbild Stiftung_Warentest am 03.04.2020 um 11:30 Uhr
Ohne Disney+?

@TOP-HRDE: Der Test wurde am 9.1. online veröffentlicht, Disney+ erschien erst am 24.3.
Unser Antrag auf eine Zeitreise wurde von der Personalabteilung leider abgelehnt, daher konnte Disney+ nicht in den Test einfließen. Sie können aber davon ausgehen, dass sich die Stiftung Warentest auch mit Disney+ beschäftigt - unter anderem hier: https://www.test.de/Video-Streaming-Angebote-und-Technik-5596436-0/ (Bu)

TOP-HRDE am 03.04.2020 um 11:13 Uhr
Disney+ fehlt

Warum fehlt bei der Betrachtung Disney+?

DerHolster am 14.01.2020 um 12:39 Uhr
Hobby statt Streaming

Serien Streamen ist auf jeden Fall eine richtig tolle Sache, die das Fernsehen auf ein neues Level gehoben hat. Und trotzdem fidne ich es erschreckend, wie viele Menschen ihre Lebenszeit dem Fernseher opfern. Ich finde es besser, wenn ein Mensch ein Hobby hat, sich in den Künsten übt, die ihm sein Herz sagen und sich dadurch weiterentwickelt. Der Fernseher scheint eher träge zu machen. Und das in den Handlungen und im Geiste.

testsweety am 10.01.2020 um 10:40 Uhr
Ökobilanz früher - heute

Ihr Hinweis auf die schlecht Ökobilanz der Streamingdienste ist prima und auch nicht neu. Ein Vergleich zur klassischen Variante (Ausleihe oder Kauf von DVDs oder Bluray-Scheiben) wäre interessant.

Profilbild Stiftung_Warentest am 09.01.2020 um 16:20 Uhr
Tonprüfung

@dolby: Wir prüften den Ton anhand der deutschen Tonspur und dem hochwertigsten horizontalen Surround-Sound (5.1) von der als Referenz dienenden (UHD-)Blu-ray. Falls ein Dienst keinen Surround-Sound bot, nahmen wir einen Downmix der Referenz auf Stereo vor. Falls ein Dienst 3D-Sound (Dolby Atmos) bot, prüften wir ergänzend auch diesen. (Bu)