Die Rafi-Indizes: Abkehr vom reinen Börsen­wert

Rafi steht für Research Affiliates Fundamen­tal Index, wobei sich hinter Research Affiliates das Unternehmen verbirgt, das die Indexfamilie entwickelt hat. Berechnet werden die Indizes vom Anbieter FTSE, der auch für den Leit­index der Londoner Börse verantwort­lich ist.

Anders als bei gängigen Aktienindizes spielt der Börsen­wert eines Unter­nehmens im Rafi-Konzept keine zentrale Rolle. An seine Stelle tritt eine Kombination mehrerer fundamen­taler Auswahl­kriterien. Für die Gewichtung in einem Rafi-Index sind der Buch­wert, Umsatz, Cashflow und die Dividende einer Börsengesell­schaft maßgeblich.

Auch in den Rafi-Indizes geben große, bekannte Unternehmen den Ton an. Ihre Gewichtung weicht aber teils erheblich von der in normalen Indizes ab. Die Branchen, die zuletzt besonders gut gelaufen sind, sind meist schwächer vertreten. Aktuell betrifft das Technologie-, Lebens­mittel- und Gesund­heits­aktien. Der Anteil von Bank- und Versicherungs­titeln ist dafür deutlich erhöht.

Dank ihrer großen Titelzahl und einer breiten Länder- und Branchen­streuung kommen ETF auf den Rafi Europe und auf den welt­weit anlegenden Rafi Developed 1000 auch als Basis­anlage infrage.

Das Rafi-Konzept wirkt über­zeugend, aber es enthält auch einige Unwäg­barkeiten. Für die Aktien­auswahl muss der Indexanbieter weit­gehend mit Daten arbeiten, die sich auf die Vergangenheit beziehen. Die haben zwar eine gewisse Aussagekraft, sind aber gerade in Krisen­zeiten eine wackelige Grund­lage. Das Rafi-System ist noch nicht alt genug, um es abschließend zu beur­teilen. In den Börsenwirren der vergangenen zehn Jahre hat es sich aber ordentlich geschlagen.

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