Mit den passenden Fonds können Anleger auf hohe Dividenden, auf substanz- oder wachs­tums­starke Aktien setzen.

Besser zu sein als der breite Markt – diesen Ehrgeiz haben nicht nur Fonds­manager, sondern auch private Anleger. Viele von ihnen schwören auf Strategien, mit denen sie zum Beispiel gezielt auf dividenden­starke Aktien oder Unternehmen mit attraktiven Bewertungs­zahlen setzen.

Die Auswahl einzelner Aktien ist aber stets ein Vabanque­spiel. Mitunter hat der Anleger sogar die richtige – renditeträchtige – Idee, aber bei den Unternehmen leider die falschen erwischt.

Doch statt einzelne Aktien zu kaufen, können Anleger auf Strategieindizes setzen. Das sind speziell zusammengesetzte Aktienkörbe, die etwa Aktien mit hohen Dividenden, solide substanzhaltige oder aber wachs­tums­starke Unternehmen enthalten. Anleger können sich an solchen Indizes einfach und kostengünstig mit börsen­gehandelten Indexfonds (ETF) beteiligen.

Finanztest hat die Wert­entwick­lung und Zusammenset­zung der wichtigsten Strategie-ETF untersucht.

Fonds­lösung hat Vorteile

Der Kauf eines Indexfonds (ETF) bringt Anlegern stets den Vorteil, dass sie auch mit kleinen Beträgen eine größere Aktien­mischung kaufen können.

Bei den Strategie-ETF kommen zwei Plus­punkte hinzu. Erstens spart sich der Anleger die Recherchen und Kosten, die mit der regel­mäßigen Anpassung an die Strategien verbunden sind.

Zweitens ermöglichen die Indizes eine ausgeklügeltere Umsetzung von Strategien, als ein Normal­anleger sie hinbe­kommt. Er muss sich bei der Auswahl schon aus Zeitgründen auf eine über­schaubare Zahl von Aktien und wenige Basis­daten beschränken.

Indexanbieter haben da ganz andere Möglich­keiten. Sie können ihre Daten­banken nach unterschiedlichen Kenn­zahlen durch­forsten, diese kombinieren und auf sehr viele Aktien anwenden. Zum Beispiel gehen viele Dividendenstrategien weit über den Vergleich der jeweils aktuellen Renditen hinaus.

Schwankungs­anfäl­liger als der Markt

Das ändert aber nichts daran, dass die meisten Strategieindizes viel schwankungs­anfäl­liger sind als der breite Aktienmarkt. Grund ist vor allem ihre geringere Titel­anzahl. Strategieindizes enthalten oft nur ein paar Dutzend, breite europäische oder globale Indizes dagegen mindestens einige hundert Aktien.

Strategie-Indexfonds Test

Fünf fette und fünf magere Jahre.

Ein Rück­blick auf das vergangene Jahr­zehnt macht die Schwankungen deutlich. In den vergangenen fünf Jahren blieben alle von uns untersuchten Strategieindizes hinter dem breiten Aktienmarkt der entsprechenden Region zurück. Im Fünf­jahres­zeitraum zuvor war es umge­kehrt (siehe Grafik).

Aktien­strategien, die zum Beispiel auf substanz­starke Aktien (Value-Strategie) oder auf Unternehmen mit besonders hohen Wachs­tums­raten (Growth-Strategie) setzen, sind außerdem abhängig von Börs­enzyklen, in denen mal die eine, mal die andere Variante besser abschneidet.

Dass Dividenden­strategien in den vergangenen fünf Jahren so schlecht liefen, hat mehrere Ursachen. Viele klassische Dividenden­werte kamen in diesem Zeitraum unter Druck: zunächst die Bank- und Versicherungs­aktien im Zuge der Finanz­krise, dann die Versorgerwerte nach der Atom­katastrophe von Fukushima und schließ­lich die Tele­kommunikations­aktien infolge eines unerbitt­lichen Konkurrenz­drucks.

Besonders der Nieder­gang von Versorger­aktien ist ein Musterbei­spiel dafür, wie unbe­rechen­bar die Börsen sein können. Gestern noch Witwen-und-Waisen-Papiere, heute sogenannte Renditekiller.

Fonds­inhalt manchmal über­raschend

Zurzeit gelten ganz andere Branchen als krisensicher, allen voran die Nahrungs­mittel­industrie. Wenn hier von Substanz­werten die Rede ist, denken viele Anleger an den Schweizer Nestlé-Konzern. Doch in den Value-Strategiefonds spielen ganz andere Aktien die Haupt­rolle. Die höchste Gewichtung haben meist Finanz­aktien.

Banken und Versicherungen sind durch die starken Kurs­verluste inzwischen so billig, dass sie nach den gängigen Bewertungs­kriterien eine hohe Wert­haltig­keit haben. Anleger, die heute auf einen Value-Index setzen, sollten also eine nach­haltige Börsenrenaissance der Finanz­branche zumindest für wahr­scheinlich halten. Andernfalls kaufen sie besser einen Fonds mit anderen Prioritäten oder gleich den breiten Markt.

Auch in den Dividendenindizes ist die Branchen­mischung nicht ausgewogen. Denn Versorger-, Telekom- und Finanz­aktien sind nach wie vor stark, Technologie-, Pharma- oder Nahrungs­mittel­werte kaum vertreten.

Dadurch werden viele Strategie-ETF zur Wette auf die weitere Markt­entwick­lung. Sollten Eon, France Telecom und Banco Sant­ander in den nächsten Jahren besser laufen als Apple, BASF, Nestlé und Co., würden die Fonds stark davon profitieren. Setzt sich dagegen der Trend der vergangenen Jahre fort, verspricht ein breiter Index mehr Erfolg.

Als Basis­anlage nicht geeignet

Grund­sätzlich gilt: Strategiefonds sind kein Ersatz für Aktienfonds Welt oder Europa mit sehr breiter Streuung über viele Branchen und Länder. Als Beimischung fürs Depot sind die Fonds aber durch­aus interes­sant.

Immerhin kommt ein Index wie der MSCI Europe Value mit seinen 230 Titeln und dem Fokus auf große Unternehmen einer Basis­anlage sehr nahe (siehe „Substanz- & Wachstumsstrategien“).

Dagegen verlangen das enge Konzept des DivDax und die eigenwil­lige Mach­art des DaxPlus Maximum Dividend von Anlegern erhöhte Aufmerk­samkeit. Sie sollten regel­mäßig kontrollieren, ob die Fonds auf diese Indizes so laufen wie gewünscht. Gleiches gilt für die Strong-Value- und Strong-Growth-Indizes aus der Stoxx-Familie, die sich nur auf jeweils 20 Aktien stützen.

Viele der auf Seite 32 vorgestellten Fonds sind erst seit wenigen Jahren auf dem Markt und konnten noch kein großes Fonds­volumen aufbauen. Normaler­weise veröffent­licht Finanztest nur Fonds mit mindestens 10 Millionen Euro. In diesem Fall machen wir eine Ausnahme, da ansonsten viele interes­sante Anlageideen unter den Tisch fallen würden.

Das gilt besonders für die sogenannten Rafi-Fonds, die Elemente aus unterschiedlichen Strategien kombinieren (siehe „Die Rafi-Indizes“). Die Rafi-Variante auf den europäischen Aktienmarkt stellt rund 500 Aktien dar, die global ausgerichtete bildet sogar um die tausend Positionen ab. Da diese breit über verschiedene Länder und Branchen verteilt sind, eignen sich die ETF auf diese Indizes sogar als Basis­anlage.

Echt oder künst­lich?

Bei der Anlage in börsen­gehandelte Indexfonds (ETF) gibt es stets die Entscheidung zwischen „echten“ und künst­lichen Fonds. Echt bedeutet, die Fonds enthalten tatsäch­lich dieselben Aktien wie der Index oder – bei Indizes mit sehr vielen Titeln – zumindest eine repräsentative Auswahl.

Künst­lich zusammengesetzte Indexfonds haben dagegen völlig andere Wert­papiere als der Index, den sie nach­bilden. Mithilfe von Tausch­geschäften (Swaps) können sie dessen Entwick­lung aber sehr genau nach­zeichnen.

Viele Anleger haben ein Unbe­hagen gegen­über den Swap-Fonds, weil sie nicht nach­voll­ziehen können, wie diese Produkte genau funk­tionieren. Wer großen Wert darauf legt, dass ein Fonds dieselben Aktien besitzt, die der Index vorschreibt, sollte einen klassischen ETF nehmen. In der Tabelle sind beide Varianten gekenn­zeichnet.

Ängste vor versteckten Risiken sind aber fehl am Platze. Wir haben keine Hinweise gefunden, dass Swap-Fonds weniger sicher wären als Fonds mit Original­aktien. Da die Swap-Geschäfte strengen Regeln unterliegen, ist das Fonds­vermögen gut geschützt.

Außerdem haben auch ETF mit Original­aktien für manche Anleger einen schalen Beigeschmack: Sie verleihen die Aktien in großem Stil, um zusätzliche Einnahmen zu erzielen. Die Leihe ist nur möglich, wenn entsprechende Sicherheiten hinterlegt werden. Doch nicht allen Anlegern gefällt der Gedanke, dass sich „ihre“ Aktien vorüber­gehend in anderen Händen befinden.

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