Inlineskater dürfen im Straßenverkehr viel weniger als Radfahrer. Doch Radler zahlen meist höhere Bußgelder, wenn sie gegen die Regeln verstoßen.

Auf deutschen Straßen sind In­lineskater die Gekniffenen. Der Frühling lockt und manch einer fährt gar auf Rollen ins Büro. Doch zum Ärger der Skater entschied der Bundesgerichtshof (BGH) im vergangenen Jahr, dass die Rollen „besondere Fortbewegungsmittel“ sind. Rechtlich werden sie so behandelt wie Kinderwagen, Rodelschlitten oder Rollstühle (Az. VI ZR 333/00).

Diese Gleichsetzung führt zur Verbannung auf den Gehweg. Können die Skater dort Fußgänger gefährden, müssen sie sogar Schritttempo fahren.

Die Attribute „sportlich“ und „flott“ können Rollschuhverkäufer damit eigentlich aus der Werbung streichen. Denn nach Recht und Gesetz ist Inlineskating eine betuliche Angelegenheit. Gibt es einen Fußweg, ist die Straße für Skater tabu. Der Radweg ist immer verboten, so komfortabel und breit er auch sein mag. Nur bei Skater-Demonstrationen oder auf ausgewiesenen Inlinerstrecken gilt „volle Fahrt“.

Damit sich das unter den rund 10 Millionen deutschen Skatern herumspricht, hat der BGH dem Gesetzgeber aufgetragen, die Inlineskater in die Straßenverkehrsordnung aufzunehmen. Das Bundesverkehrsministerium will das erledigen. Ausnahmen etwa für den Fall, dass ein Radweg besonders breit und für Inlineskater sehr geeignet ist, soll es darin nicht geben.

Wenig Rechte, wenig Pflichten

Einziger Trost für enttäuschte Skater: Nicht nur ihre Rechte, sondern auch ihre Pflichten im Straßenverkehr sind überschaubar. Sie müssen rücksichtsvoll fahren und dürfen nur auf die Straße, wenn Fußweg oder Seitenstreifen fehlen. Dann ist der rechte Fahrbahnrand erlaubt – außerorts der linke. Erlaubt sind auch Fußgängerzonen und Spielstraßen, nicht aber Straßen in Tempo-30-Zonen.

Vorschriften zu Beleuchtung und Sicherheitsausrüstung gibt es keine, obwohl Inlineskater gefährlich leben. Umfragen zeigen, dass sich rund 60 Prozent der Fahrer schon einmal verletzt haben.

Mit hohem Bußgeld müssen Inlineskater kaum rechnen. Wer etwa statt auf dem Gehweg auf der Fahrbahn oder dem Radweg rollt, zahlt 5 Euro.

Noch dürfen falsch fahrende Skater sogar auf milde Polizisten hoffen. So will es beispielsweise die Polizei in Berlin vorerst bei freundlichen Ermahnungen belassen, wenn sie Skater auf Straßen und Radwegen erwischt.

Teuer wird es nur in Ausnahmefällen, zum Beispiel wenn der Skater frech am Polizisten vorbeirollt, der zum Stoppen auffordert. Dann sind 50 Euro fällig und es drohen drei Punkte in Flensburg.

Wenn Skater rücksichtslos andere verletzt haben, müssen sie aber genauso wie Radfahrer und andere Verkehrsteilnehmer mit einer Anzeige wegen fahrlässiger Körperverletzung rechnen.

Richter urteilen streng über Radler

Radfahrer, die sich nicht an die Regeln halten, sind viel schneller dran als Skater. Sie müssen mit strengeren Ordnungshütern und höheren Bußen rechnen.

Nach Unfällen können außerdem Schadenersatz und Schmerzensgeld fällig werden. Hier ziehen Radfahrer schneller den Kürzeren, als viele meinen. So dürfen sie keineswegs so schnell fahren, wie sie wollen, sondern müssen beachten, dass sie von Fußgängern oft zu spät gesehen werden.

So verurteilte das Oberlandesgericht (OLG) Karlsruhe einen Radfahrer zum Schadenersatz. Er hatte eine Fußgängerin auf der Straße umgefahren und schwer verletzt.

Die Fußgängerin hatte zwar geschlafen. Da der Radler aber sehr flott unterwegs war, musste er einen Teil des Schadens zahlen. Er hätte damit rechnen müssen, dass ihn andere zu spät bemerken (Az. 1 U 94/89).

Privilegierter sind Radfahrer auf dem eigenen Terrain, dem Radweg. So sprach das OLG Hamm eine Radlerin vom Schuldvorwurf frei, nachdem sie einen Rentner umgefahren hatte. Der Senior war auf den Radweg gelaufen.

Das Gericht stellte ausdrücklich klar, dass ein Mitverschulden der Radlerin pauschal nach dem Motto „Mit Fußgängern ist zu rechnen“ nicht infrage kommt (Az. 13 U 76/98). Deshalb werden auch Skater meist den Kürzeren ziehen, wenn sie auf dem Radweg mit Radlern zusammenstoßen.

Auf dem Fußweg sieht das natürlich anders aus. Hier tragen nach Unfällen regelmäßig die Radler die Verantwortung. Wer verbotenerweise auf dem Fußweg fährt und dann beim Queren einer Straße mit einem Auto zusammenstößt, ist ebenfalls dran.

So urteilte das OLG Celle in einem Fall, in dem ein Radler nicht nur auf dem Fußweg, sondern auch noch auf der falschen Straßenseite unterwegs war. Als er dann eine Straße überquerte, wurde er schwer verletzt. Sein Argument, er sei doch auf einer Vorfahrtsstraße unterwegs gewesen, zog nicht. Der Radfahrer musste seine Schäden und die des Autofahrers zahlen (Az. 14 U 89/00).

Ähnlich der Radler, der auf dem Gehweg von einem Auto erfasst wurde, das aus einer Tiefgarage kam. Er musste die Hälfte des Schadens zahlen (Amts­gericht Augsburg, Az. 16 C 2159/01).

Viel Nachsicht mit Geisterfahrern

Nachsichtig sind Gerichte häufig mit Radlern, die auf dem Radweg in Gegenrichtung unterwegs sind. Zwar wird dann ein Bußgeld fällig. Aber viele Richter meinen, dass Autofahrer mit dieser Unsitte rechnen müssen.

Eine Radfahrerin musste deshalb nur die halbe Schadenssumme tragen. Sie war mit einem Auto zusammengeprallt, dessen Fahrer beim Einbiegen nur nach links und nicht auch nach rechts geschaut und die Geisterfahrerin übersehen hatte (OLG Hamm, Az. 9 U 12/98). Zuvor hatte schon das Kammergericht Berlin entschieden, dass Autofahrer, die aus Einfahrten kommen, Radfahrer aus beiden Seiten durchfahren lassen müssen (Az. 12 U 6697/91).

Kollidieren zwei Radler auf dem Radweg, ist der schuld, der falsch herum unterwegs ist. Nur ausnahmsweise, etwa wenn auch der andere geschlafen hat, werden Verschulden und Haftung geteilt (OLG Celle, Az. 14 U 149/01).

Damit sie nicht auf Schäden sitzen bleiben, brauchen Skater und Radler auf jeden Fall eine private Haftpflichtversicherung. Die Kfz-Haftpflicht zahlt nur für Unfälle mit dem Auto.

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