Strahlenbelastung bei Lebensmitteln Meldung

Für die Menschen in Japan geht von radioaktiv kontaminierter Nahrung eine große Gefahr aus. Hier in Deutschland muss aber niemand vorsorglich auf Sushi, Fisch, Reis, Tee und andere Lebensmittel verzichten. test.de informiert.

[Update 14.04.2011] Bislang keine erhöhte Belastung

Nach Angaben des Bundesamts für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) haben die deutschen Länderbehörden bei ihren Kontrollen von japanischen Lebensmittelimporten bislang keine erhöhte Strahlenbelastung festgestellt. Das BVL meldet die Untersuchungsergebnisse der Bundesländer regelmäßig an die Europäische Kommission. Derzeit liegen dem BVL Messergebnisse für 23 Lebensmittelproben vor, darunter Makrelen, Seebrassen, Bambuskeime, Dosenbier und Teeaufgüsse. Die Messergebnisse stammen von Waren, die per Flugzeug aus Japan importiert wurden. Bei allen Proben lagen die Werte für die Radionuklide Jod-131, Cäsium-134 und Cäsium-137 weit unter den gültigen Höchstwerten. [Ende Update]
Hinweis
: test.de berichtet ausführlich über die Grenzwerte.

[Update: 28.03.2011] Verschärfung der Kontrollen

Lebensmittel, die aus zwölf japanischen Präfekturen auf den europäischen Markt kommen, durchlaufen künftig strengere Kontrollen. Das beschlossen die EU-Mitgliedsstaaten auf Vorschlag der EU-Kommission. Produkte, die nach dem Erdbeben am 11. März geerntet oder hergestellt wurden, dürfen nur dann die EU-Grenze passieren, wenn ein Gesundheitszeugnis aus Japan bescheinigt, dass keine erhöhte radioaktive Belastung vorliegt. Zusätzlich soll es bei Lebensmitteln aus ganz Japan stichprobenartige Untersuchungen an EU-Außenkontrollstellen geben. [Ende Update]
Hinweis
: test.de informiert ausführlich über den Streit um Grenzwerte beim Import von japanischen Lebensmitteln.

Kaum Lebensmittel aus Japan in Deutschland

Hauptgrund für die die Entwarnung: Deutschland importiert kaum Nahrungsmittel aus Japan. Das dicht besiedelte Land ist selbst auf Lebensmittelimporte angewiesen. Lediglich 0,1 Prozent aller Nahrungs- und Genussmittel, die im vergangenen Jahr nach Deutschland eingeführt wurden, stammten aus Japan. Den Großteil davon machen Würzsoßen wie Sojasoßen, aromatisierter Tee, Kakaopulver, Teigwaren und alkoholische Getränke aus. Auch der Export dieser Lebensmittel ist aktuell durch die Zerstörungen nach den Katastrophen aber praktisch zum Erliegen gekommen.

Frischfisch aktuell noch unbelastet

Auch Speisefisch führt Deutschland nur zu einem Bruchteil aus Japan ein: Von den rund 2 Millionen Tonnen Fischereierzeugnissen (Fanggewicht), die Deutschland im vergangenen Jahr insgesamt importierte, kamen nur 76 Tonnen aus Japan. Kontaminierte Frischwaren könnten – bedingt durch Verarbeitung und Transport – laut Bundesumweltministerium theoretisch erst in 2 bis 6 Monaten auf dem deutschen Markt auftauchen. Trotzdem empfiehlt die EU-Kommission, bei Fisch und Fischerzeugnissen aus Japan die Strahlenbelastung zu überprüfen.

Künftig erhöhte Cäsium-Werte möglich

Dass Fische und Meeresprodukte aus Japan deutsche Verbraucher gefährden könnten, schließen Wissenschaftler vom Johann Heinrich von Thünen-Institut in Hamburg derzeit aus. Zwar ist zu erwarten, dass radioaktives Cäsium mit dem Regen in den Pazifischen Ozean gelangt. Doch nur in der Nähe des Kernkraftwerks Fukushima rechnen die Fischereiökologen mit einer deutlichen Erhöhung der Cäsium-Werte im Wasser: Hier könnten erst in Plankton, Muscheln, Algen und später möglicherweise auch in Meerwasserfischen erhöhte Cäsium-Werte messbar sein. Generell würde der Stoff aber durch Strömungen verteilt und so deutlich verdünnt.

EU-Grenzwerte sollen schützen

Vor radioaktiv belasteten Lebens- und Futtermitteln aus Japan schützen zudem verschiedene Maßnahmen auf nationaler sowie auch europäischer Ebene: So gelten für Lebensmittel, die in Europa auf den Markt gebracht werden, Grenzwerte hinsichtlich der radioaktiven Kontamination. In Europa ist es nicht erlaubt, Milch und Säuglingsnahrung mit mehr als 370 Becquerel pro Liter und andere Lebensmittel mit mehr als 600 Becquerel pro Kilogramm beziehungsweise Liter in den Handel zu bringen. Darüber hinaus haben die EU-Mitgliedsstaaten nach der Reaktor-Katastrophe von Tschernobyl 1986 eine Verordnung für Lebens- und Futtermittel beschlossen. Diese soll sicherstellen, dass im Falle eines radiologischen Notfalls keine Erzeugnisse mit zu hoher Strahlenbelastung auf den Markt kommen.

Zusätzlich Frühwarnsystem in Deutschland

In Deutschland gilt zudem das 1986 verabschiedete Strahlenschutzvorsorgegesetz. Es ist die Grundlage für ein vom Bundesamt für Strahlenschutz betriebenes Mess- und Informationssystem, das wie ein Frühwarnsystem funktioniert. Dort fließen unter anderem routinemäßig erhobene Messwerte der Radioaktivität von Lebens- und Futtermitteln der Lebensmittelkontrolleure der Bundesländer ein. Auffälligkeiten sollen so schnell festgestellt werden.

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