Die Grenz­werte für radio­aktiv belastete Lebens­mittel aus Japan sind jetzt weiter verschärft worden. Für Lebens­mittel aus anderen Regionen der Welt gelten derweil weniger strenge Belastungs­grenzen – auch für Importe aus der Region um Tschernobyl.

Schärfere Grenz­werte für Japan

Seit 1. April 2012 gelten in Japan schärfere Grenz­werte für radio­aktiv belastete Lebens­mittel. Die Europäische Kommis­sion über­nimmt diese Grenz­werte und wendet sie ab sofort auf importierte japa­nische Ware an. So werden die Grenz­werte für Cäsium von bislang 500 Becquerel pro Kilogramm Lebens­mittel auf 100 Becquerel pro Kilo herab­gesetzt. Auch dürfen pro Kilogramm Trink­wasser nur noch 10 anstelle von 200 Becquerel enthalten sein weitere Grenzwerte in der Tabelle. Die Regelung gilt vorläufig bis zum 31. Oktober 2012.

Kritik an „Grenz­wert-Chaos“

Die Organisation Foodwatch übt dennoch Kritik an der EU: Sie habe ein „Grenz­wert-Chaos“ ange­richtet. Der Grund: Für radio­aktiv belastete Produkte aus anderen Ländern – etwa aus der EU oder der Region rund um Tschernobyl – gelten weiterhin die seit 1986 gültigen, weniger strengen Grenz­werte der so genannten Tschernobyl-Verordnung (mehr zum Thema Verordnungen siehe Streit um Grenzwerte). Diese seien mindestens sechs­mal so hoch wie die Grenz­werte in Japan. Tatsäch­lich dürfen radio­aktiv belastete Lebens­mittel aus der Ukraine oder Weiß­russ­land – die am stärksten vom Reaktor­unfall in Tschernobyl betroffenen Gebiete – bis zu 600 Becquerel Cäsium pro Kilogramm enthalten, um im EU-Raum in den Handel zu gelangen. In der Ukraine und in Weiß­russ­land selbst gelten sogar strengere Grenz­werte als in der EU. Foodwatch und das Umwelt­institut München fordern die EU auf, alle gültigen Grenz­werte für Radio­aktivität in Lebens­mitteln deutlich zu senken.

Reaktionen auf das Reaktor­unglück in Fukushima

Hintergrund: Als Reaktion auf das Reaktor­unglück von Fukushima hatte die Europäische Union Kontrollen von Lebens- und Futtermitteln aus Japan auf radio­aktive Strahlenbelastung beschlossen. Sämtliche Produkte, die aus einer der zwölf japa­nischen Präfekturen rund um das Kern­kraft­werk Fukushima stammen, müssen seit März 2011 vor der Ausfuhr in die EU untersucht werden. Das heißt: Sie dürfen nur dann einge­führt werden, wenn ein Bericht aus Japan bescheinigt, dass keine erhöhte Strahlenbelastung vorliegt. Seit Mai 2011 unterliegen auch Lebens- und Futtermittel aus der Präfektur Kanagawa den Kontrollen, nachdem in von dort stammenden Blättern von grünem Tee ein hoher Gehalt an radio­aktivem Caesium fest­gestellt worden war. Zudem kontrollieren die Über­wachungs­behörden der EU-Staaten einen Teil dieser Sendungen weiter stich­proben­artig.

Kontroll­beschlüsse immer wieder verlängert

Die Kontroll­beschlüsse hatte die EU zwischen­zeitlich immer wieder verlängert, die Kontrolle dabei aber etwas abge­schwächt: Demnach musste Produkten aus den Präfekturen in der Nähe des Kern­kraft­werks Fukushima zwar weiterhin eine amtliche japa­nische Bescheinigung beiliegen, die die Einhaltung europäischer Grenz­werte für Radio­aktivität bestätigt. Allerdings sollten die zusätzlichen stich­proben­artigen Kontrollen durch EU-Über­wachungs­behörden nur noch halb so oft statt­finden wie bisher. Denn laut der EU-Kommis­sion hatten die bisherigen Stich­proben belegt, dass die japa­nischen Behörden die Waren wirk­sam prüften.

Höchst­grenzen aus drei Verordnungen

Bereits damals war das Thema „Grenz­werte für japa­nische Lebens­mittel“ für Laien schwer zu verstehen: Zwar hatten sich Bundes­umwelt– und Verbraucher­schutz­ministerium Ende März 2011 für eine europa­weite Angleichung der Grenz­werte auf den jeweils nied­rigsten Wert einge­setzt. Doch für Verwirrung bei vielen Verbrauchern sorgte die Tatsache, dass es Grenz­werte für Lebens­mittel aus insgesamt drei unterschiedlichen Verordnungen gibt Streit um Grenzwerte.

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