Storno Flugreise Meldung

Erneute kundenfreundliche Gerichts­entscheidung: Eine Fluggesell­schaft muss den Reise­preis voll erstatten, wenn ein Kunde den Flug vor Reiseantritt storniert hat. Die Entscheidung ist wichtig, denn Hilfe von der Schlichtungs­stelle für Flug­gäste können Kunden bei Storno-Ärger derzeit kaum erwarten. test.de liegen Fälle vor, in denen die Flug­linien Schlichtungs­verfahren verhindert haben.

Alitalia muss zahlen

Das Land­gericht Frank­furt am Main hat die Fluggesell­schaft Alitalia verurteilt, ­einem Flug­gast den kompletten Preis von rund 600 Euro zu erstatten. Der Kunde hatte seine Flugti­ckets aus persönlichen Gründen sechs Monate vor dem Abflug­termin stornieren müssen. Die italienische Fluggesell­schaft wollte ihm den Reise­preis nicht erstatten. Das muss sie nun tun die Entscheidung im Volltext.

Richter gestehen Kunden volle Erstattung zu

Storniert ein Flug­gast eine Buchung, muss die Fluggesell­schaft ihm in jedem Fall die im Ticket­preis enthaltenen Steuern und Gebühren erstatten. Immer häufiger gestehen Gerichte Flug­gästen jetzt aber auch den Rest des Preises zu.

Air­lines rechnen nicht ab

Nach einer Stornierung müssen Air­lines eigentlich eine Abrechnung vorlegen. Aus ihr soll etwa hervorgehen, wie viel Kerosin und Essen sie gespart haben, weil der Kunde nicht mitgeflogen ist. Konnte der stornierte Platz vor Abflug anderweitig zum gleichen Preis verkauft werden, hat die Air­line gar keine Einbußen und muss den gesamten Reise­preis erstatten. „Ich habe es noch nicht erlebt, dass eine Fluggesell­schaft eine solche Abrechnung vorgenommen hat“, erklärt der Wiesbadener Reiserechtler Holger Hopperdietzel gegen­über test.de. Im Fall des Allitalia-Kunden war das ebenso. Und das Land­gericht Frank­furt unterstellte deshalb, dass der freie Platz weiterverkauft wurde.

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Air­lines mauern beim Schlichtungs­verfahren

Um eine voll­ständige Erstattung des Reise­preises durch­zusetzen, brauchen Flug­gäste derzeit die Hilfe eines Anwalts. Nur in Ausnahme­fällen kann eine außerge­richt­liche Schlichtungs­stelle für Flug­gäste weiterhelfen. Grund: Geht es streng nach dem Luft­verkehrs­gesetz, sollen sich die Schlichtungs­stellen für Flug­gäste nur um Ärger etwa wegen Verspätungen, Flugannullierungen oder beschädigtem Gepäck kümmern. Die Schlichtungsstelle für den öffentlichen Personennahverkehr ist zwar grund­sätzlich die richtige Anlauf­stelle für verärgerte Flug­gäste. Ihr sind aber die Hände gebunden. Sie kann bei Streit wegen Storno­abzügen nur schlichten, wenn die Air­lines freiwil­lig mitmachen.

Keine Einzel­fälle

Kunden von Air Berlin zum Beispiel berichten aber, dass die Air­line in ihrem Fall einem Schlichtungs­verfahren nicht zuge­stimmt hat. Bei anderen Flug­linien sieht es nicht besser aus: Luft­hansa und Germanwings haben auf Anfrage mitgeteilt, dass sie je nach Einzel­fall entscheiden – also einem Schlichtungs­verfahren mal zustimmen, mal nicht. Derzeit laufen Gespräche zu diesem Thema zwischen der Schlichtungs­stelle und den Fluggesell­schaften.

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