Zahlen und Fakten

Während die Zahl der Alkohol-, Medikamenten- und Drogenabhängigen nach Angaben der Deutschen Hauptstelle gegen die Suchtgefahren seit einigen Jahren stagniert, nehmen stoffungebundene Süchte laut Experten zu. Bislang stehen 1,6 Millionen Alkoholiker, 1,4 Millionen Medikamentensüchtige und 300 000 Drogenabhängige (Heroin, Kokain, Ecstasy) grob geschätzt bis zu 500 000 Spielern und 200 000 Arbeitssüchtigen gegenüber. Für die übrigen stoffungebundenen Süchte gibt es keine verlässlichen Schätzungen.

Der Brockhaus zählt unter dem Stichwort „Sucht“ neben gestörtem Essverhalten folgende „stoffungebundenen Verhaltensstörungen“ auf: Spielsucht, Sexsucht, Arbeitssucht, Kaufsucht, Fernsehsucht. Außerdem: Geltungssucht, Habsucht, Machtsucht.

Für die Anerkennung und Finanzierung von Therapien durch die Renten- und Krankenversicherungen ist die Eintragung in den Diagnoseschlüssel „Internationale Klassifikation psychischer Störungen“ (International Classification of Deseases/ICD) der Weltgesundheitsorganisation maßgebend.

Das „pathologische Glücksspiel“ wurde 1991 in das ICD-10 (neueste Auflage) als eigenständige Krankheit unter „Abnorme Gewohnheiten und Störungen der Impulskontrolle“ aufgenommen. Erst 2001 haben Kranken- und Rentenversicherer Rahmenempfehlungen erlassen, denen zufolge sie die Kosten für Spielsucht-Therapien unter Umständen übernehmen.

Im Gegensatz zu den USA ist die Sexsucht in Deutschland bislang nicht als eigenes Krankheitsbild anerkannt. Allerdings berücksichtigt das ICD-10 zumindest den Teilaspekt des „gesteigerten sexuellen Verlangens“ als eigenständiges Problem. Diagnostisch ist die Abgrenzung zu Störungen der Impulskontrolle, Zwangsneurosen und Perversionen ein großes Problem.

Arbeits-, Kauf- und Mediensucht wurden bislang nicht ins ICD aufgenommen. Das Fehlen im Diagnoseschlüssel hat häufig zur Folge, dass Symptome dieser Süchte nicht erkannt und somit auch nicht behandelt werden.

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