Stipendien für Studierende Meldung

Viele Studierende scheuen die Bewerbung um ein Stipendium – und vertun eine Chance. Denn es geht auch ohne Einser-Abitur.

„Ein Stipendium, ausgerechnet ich?“ Maria Schneiders erste Reaktion auf den Vorschlag einer Freundin war ungläubiges Staunen: Sich für eine Studienförderung zu bewerben, das sei doch angehenden Genies vorbehalten, nicht ganz gewöhnlichen Studenten – dachte sie.

Falsch gedacht – wie so viele vor und nach ihr. Denn gute Noten verhelfen wohl nur wenigen Studenten zu einer Förderung. Mit einem Schuss Charisma und gesellschaftlichem Engagement lässt sich vieles wettmachen.

Auch die materielle und soziale Lage der Bewerber wird bei der Vergabe von Stipendien berücksichtigt. So steht es in der Broschüre des Bundesministeriums für Bildung und Forschung über die elf deutschen Begabtenförderungswerke.

Breites Spektrum

Stipendien für Studierende Meldung

Spezielle Programme für Fachhochschüler haben zum Beispiel die Studienstiftung des deutschen Volkes, die Adenauer-, ­Böckler- und Seidel-Stiftung.

Diese elf sind die größten Bildungsmäzene im Lande und fördern mit 14 000 Stipendiaten knapp 1 Prozent der Studierenden. Mit dem Ziel der individuellen Förderung und der Erziehung zu eigenverantwortlichem Handeln vertreten sie gemeinsame Leitvorstellungen. Doch ein Vergleich macht deutlich, dass keine Stiftung wie die andere ist. Die Begabtenförderungswerke achten bei der Auswahl der Stipendiaten auf unterschiedliche Merkmale.

Dies gilt umso mehr für die vielen kleinen Stiftungen mit ihren zum Teil bescheidenen Budgets. Bei ihnen sind die Förderungen oft begrenzt – zeitlich, fachlich oder auch regional. Die Zahl der Bewerber pro Platz ist dort meist kleiner als bei den bekannteren Fördereinrichtungen.

Ulrich Brömmling vom Bundesverband Deutscher Stiftungen schätzt, dass es derzeit rund 3 000 Stiftungen gibt, die Studierende unterstützen. Das Spek­trum der Möglichkeiten ist also denkbar breit. Auch auf den ersten Blick kuriose Stipendien werden vergeben: So unterstützt die im schleswig-holsteinischen Krempe gegründete Yak-Kamel-Stiftung Biologen, die über doppelhöckrige Kamele und asiatische Hochgebirgsrinder forschen wollen.

Jeder an einer Universität oder Fachhochschule eingeschriebene deutsche Studierende kann sich um ein Stipendium bewerben. Bei der Studienstiftung des deutschen Volkes, dem Evangelischen Studienwerk und dem Cusanuswerk können nun auch Studierende aus den Staaten der EU und aus Osteuropa eine Förderung beantragen.

Ob sich Interessierte selbst bewerben können oder ob sie durch jemanden vorgeschlagen werden müssen, hängt von den Bestimmungen der jeweiligen Stiftung ab. Studienanfänger werden meist noch nicht berücksichtigt; üblich ist eine Bewerbung ab dem zweiten oder dritten Fachsemester. Oft muss der Stipendiat eine Probezeit überstehen: Wenn seine Ergebnisse sich dann sehen lassen können, wird die Förderung verlängert.

Stipendien sind ein Geschenk

Als Studentin der Volkswirtschaft bewarb sich Maria Schneider schließlich bei der Stiftung der Deutschen Wirtschaft (SDW) – und wurde aufgenommen. „Meine Noten waren zwar überdurchschnittlich, aber bei weitem nicht überragend“, sagt die 25-Jährige. Mit ihrer langen Mitarbeit in einer Organisation für Schüleraustausch-Programme konnte sie ihre künftigen Förderer von ihrem Willen überzeugen, auch für andere Verantwortung zu übernehmen.

Jetzt bekommt sie jeden Monat 400 Euro. Die Anbieter von Stipendien orientieren sich bei der Bemessung ihrer ­finanziellen Hilfen meist an der materiellen Lage der Bewerber und ihrer ­Eltern. Reich wird man mit einem Stipendium also nicht.

Die Begabtenförderungswerke zum Beispiel bemessen die Höhe ihrer Zuwendungen nach dem Ausbildungsförderungsgesetz (Bafög) – mit dem wichtigen Unterschied, dass die Stipendiaten das Geld später nicht zurückzahlen müssen. Derzeit liegt der Förderhöchstbetrag bei 525 Euro pro Monat. Hinzu kommen in der Regel Büchergeld und Reisekostenzuschüsse. Nur die Unterstützung von Promotions- und Habilitationsvorhaben gewähren die Förderwerke unabhängig von den elterlichen Einkünften, und solche Hilfen sind etwas großzügiger bemessen.

Kontakte und Betreuung

Doch Maria Schneider erhält als Stu­dienförderung nicht nur Geld, sondern auch Kontakte: Der Netzwerkgedanke ist den Bildungsanbietern ganz wichtig. Stipendiaten müssen nicht nur Rechenschaft über den Verlauf ihres Studiums ablegen, sondern kommen auch in den Genuss einer individuellen Betreuung – und die ist gerade an den anonymen Massenuniversitäten Mangelware.

An ihrer Hochschule werden die Studenten vor allem durch den Vertrauensdozenten ihres Förderwerks betreut. Er ist wichtiger Ansprechpartner für Stipendiaten und für Bewerber. Von ihm erfahren die Interessierten, welche Voraussetzungen sie für ein Stipendium erfüllen müssen und wie man sich bewirbt. Den Stipendiaten steht der Dozent auch in fachlichen Fragen zur Seite.

Hinzu kommt das Seminarprogramm der Stiftungen, das reichlich Zeit bietet, mit anderen Stipendiaten Erfahrungen auszutauschen und wichtige Kontakte für das spätere Berufsleben zu knüpfen. Das erinnert an angelsächsische Universitäten, die traditionell auf die indivi­duelle Betreuung ihrer Studenten Wert legen. Gerade kleinere Stiftungen beschränken sich aber oft auf die finanzielle Hilfe für ihre Stipendiaten.

Aufwendige Auswahl

Bewerber müssen einigen Papierkram bewältigen und alle formalen Kriterien einhalten, sonst kann es schnell ein böses Erwachen – eine Absage – geben. Neben den Formblättern der Stiftungen werden in der Regel das Abiturzeugnis, die bislang an der Hochschule erworbenen Scheine, der Lebenslauf und die Darstellung der eigenen wirtschaftlichen Lage verlangt. Hinzu kommen der Nachweis gesellschaftlichen Engagements und ein oder mehrere Persönlichkeitsgutachten – etwa vom betreuenden Hochschuldozenten.

Ist diese Hürde übersprungen, folgt mit ein wenig Glück das Auswahlverfahren. Meist ist dies ein mehrtägiges Seminar, in dem die Bewerber mit schriftlichen und mündlichen Prüfungen, in Gruppen- und Einzelgesprächen unter die Lupe genommen werden. So musste Maria Schneider aus dem Ste­g­reif einen Aufsatz zum Thema „Zehn Jahre deutsche Einheit“ schreiben. Zudem hielt sie einen Vortrag über das Für und Wider von Studiengebühren.

„Entscheidend waren wohl die persönlichen Gespräche mit den Mitgliedern der Prüfungskommission“, sagt sie. Hier, zum Schluss des Bewerbungsverfahrens, ist die Persönlichkeit der Studierenden gefragt. Da die Prüfer frei in der Wahl ihrer Themen sind, fällt eine gezielte Vorbereitung schwer: Eine Abfrage fachlichen Wissens ist ebenso möglich wie die unvermittelte Frage, wer man denn eigentlich wirklich sei.

„Warum man sich aber gerade für dieses Stipendium entschieden hat, sollte man schon plausibel beantworten können“, schmunzelt Maria Schneider. Mit Wissen aufzutrumpfen, sei die denkbar schlechteste Methode, um die Prüfer zu beeindrucken: „Am besten ist es, möglichst unverkrampft und natürlich aufzutreten.“

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