Stipendien Meldung

Entspannter studieren dank Herzog Wilhelm von Nassau. Frauke Stämmler erhält seit 2003 ein Stipendium des Nassauischen Zentralstudienfonds.

Ein Stipendium ist für Studenten ideal, denn sie müssen es nicht wie Bafög zurückzahlen. Eine Bewerbung lohnt sich auch ohne Einser-Abitur. Viele kleinere Stiftungen legen auf ganz andere Dinge Wert.

Schon im Jahr 1817 war Studieren teuer. Deshalb spendierte Herzog Wilhelm von Nassau seinen Landeskindern ein kostenloses Mittagessen an der Universität Göttingen. Gute 200 Jahre später werden bedürftige Studenten, die im ehemaligen Herzogtum Nassau geboren sind, nicht mehr mit einer warmen Mahlzeit gefördert, sondern mit 1 000 Euro pro Semester.

Frauke Stämmler erhält seit 2003 ein solches Stipendium vom Nassauischen Zentralstudienfonds. Die 24-jährige Soziologiestudentin hatte keine Chance auf ein Stipendium gesehen, weil ihr „der perfekte Abi-Schnitt“ fehlte, da bekam sie den Tipp von einer Freundin. Mithilfe alter Landkarten im Internet prüfte sie, ob ihr Geburtsort Königstein im ehemaligen Herzogtum Nassau lag und bewarb sich.

Viele Stipendiengeber

Ein Stipendium erhalten 2 Prozent aller Studierenden in Deutschland. Das hat die jüngste Sozialerhebung des Deutschen Studentenwerks ergeben. Etwa ein Drittel aller Stipendiaten wird von einem der elf Begabtenförderwerke unterstützt, die ihr Fördergeld aus Bundesmitteln erhalten.

Zu den großen Begabtenförderern gehören neben der Studienstiftung des deutschen Volkes die sechs parteinahen Stiftungen, die beiden kirchlichen Förderwerke, die gewerkschaftsnahe Hans-Böckler-Stiftung sowie die Stiftung der deutschen Wirtschaft.

Daneben gibt es eine Fülle kleinerer Stipendiengeber. Dem Bundesverband deutscher Stiftungen sind mehr als 1 750 Stiftungen bekannt, die Studenten finanziell unterstützen, darunter etliche Stiftungen von Unternehmen.

Auch die Universitäten werden zunehmend aktiv. In Ostwestfalen-Lippe haben zum Beispiel im Juni 2006 fünf Hochschulen den Studienfonds OWL gegründet und vergeben mithilfe von Sponsoren aus der regionalen Wirtschaft Stipendien an ihre Studierenden.

Förderung auch ohne Einser-Abitur

Die Auswahlkriterien sind so vielfältig wie die Stiftungen selbst. Geburtsort, Studienfach oder auch Beruf der Eltern können für eine Förderung ausschlaggebend sein.

Die Regierungsrat-Paul-Meyer-Stiftung fördert Kinder von Eisenbahnern, die einmal ebenfalls in diesem Bereich arbeiten wollen. Die Dr. Alfred-Springorum-Stiftung unterstützt bedürftige evangelische Studierende aus Wuppertal.

Der Bedarf nach finanzieller Unterstützung im Studium ist so groß wie nie. Auf rund 45 000 Euro schätzt das Deutsche Studentenwerk die Kosten für ein Studium – noch ohne Studiengebühren.

Da kommt ein Stipendium gerade recht. Schließlich muss der Empfänger es anders als einen Studienkredit oder Bafög nicht zurückzahlen.

Bei den großen Begabtenförderwerken gilt aber auch: Wer viel fördert, darf auch viel fordern. Zu den Bewerbungskriterien der großen Elf gehören überdurchschnittliche Schul- und Studienleistungen, Interesse an den Zielen der jeweiligen Stiftung sowie gesellschaftliches Engagement.

„Es zählt nicht nur die Note, sondern auch das Profil der Bewerber“, erklärt Dr. Margret Lohmann vom Evangelischen Studienwerk e. V. Villigst, „deshalb nehmen wir auch Leute, die keinen Einserschnitt haben.“ Ein Parteibuch ist selbst bei parteinahen Stiftungen nicht zwingend.

Bewerber achten dennoch besser darauf, dass die Organisation zu ihnen passt. Denn sie sollen nicht nur weiterhin gute Leistungen bringen, sondern auch an Veranstaltungen ihres Förderwerks teilnehmen. Wenn sie sich in der Organisation wohlfühlen, haben sie mehr davon.

Fördergeld und Bafög

Erfolgreiche Bewerber bekommen von den großen Förderwerken – analog zum Bafögsatz – bis zu 525 Euro im Monat. Sind die Bedürftigkeitskriterien für das Bafög nicht erfüllt, gibt es nur das Büchergeld von monatlich 80 Euro. Einige Stipendiengeber fördern ihre Schützlinge auch in Seminaren und Workshops oder helfen bei der Suche nach Praktika.

Wer ein Stipendium der Begabtenförderwerke bekommt, erhält nicht gleichzeitig Bafög. Stipendien der anderen Organisationen sind oft niedriger und senken das Bafög lediglich.

Ohne Einfluss auf das Bafög sind Stipendien mit Zweckbestimmung, zum Beispiel für einen Auslandsaufenthalt. Auch das Stipendium des Nassauischen Zentralstudienfonds zählt nicht als Einkommen, sondern als Belobigung für eine Studienleistung, die der Stipendiat jedes Semester erbringt.

Diese Extraleistung bedeutet zwar auch etwas mehr zusätzliche Arbeit pro Semester, aber so Frauke Stämmler: „Die Bewerbung um das Stipendium war auf jeden Fall die richtige Entscheidung.“

Vor 200 Jahren war die freie Mahlzeit übrigens so begehrt, dass sich andere Studenten als Nassauer ausgaben. Dadurch entstand die Redewendung „nassauern“ im Sinne von schmarotzen.

Die Stipendiaten von heute haben das gar nicht nötig. Wenn sie nicht in der richtigen Region geboren sind, bewerben sie sich eben bei einer der vielen anderen Stiftungen.

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