Stiftung Warentest Journalistenpreis Meldung

Preisträger und Jury.

Preisträger und Jury.

Mit einer zehnteiligen Serie über Berliner Kliniken hat der in Berlin erscheinende Tagesspiegel gestern abend den ersten Preis des von der Stiftung Warentest ausgeschriebenen Wettbewerbs für Verbraucherjournalismus gewonnen. „Ich verspreche ihnen: Die Nachfrage ist hoch, die Auflage wird steigen.“ Mit diesen Worten ermunterte Ingo Bach, verantwortlicher Redakteur der Serie, die Kollegen anderer Zeitungen, dem Beispiel des Tagesspiegels zu folgen. Platz zwei belegte der Kölner Stadt-Anzeiger. Er wurde für sein täglich erscheinendes 16-seitiges Magazin geehrt. Der dritte Preis ging an die Verbraucherseite der Stuttgarter Zeitung.

Das Angebot wächst - die Qualität nicht immer

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Stiftungsvorstand Werner Brinkmann.

Stiftungsvorstand Werner Brinkmann.

Zum zweiten Mal nach 2004 prämierte die Stiftung Warentest in ihrem jährlich ausgeschriebenen Wettbewerb die Konzepte der Verbraucher­bericht­erstattung regionaler Tageszeitungen. „Das Angebot an entsprechender Berichterstattung wächst quer durch alle Medien, von Johannes B. Kerner bis zur Bild-Zeitung ist dieses Genre inzwischen fester Bestandteil“, so Stiftungsvorstand Werner Brinkmann. Das mache auch die Zahl der Einsendungen deutlich: Hätten sich 2004 noch 29 regionale Tageszeitungen am Wettbewerb beteiligt, seien in diesem Jahr bereits 41 Konzepte eingereicht worden. Allerdings steige die Qualität der Berichterstattung nicht in gleichem Maße. „Manchmal wird PR-Material schamlos und ohne Kennzeichnung auf die Seiten gesetzt“, so Brinkmann, „unserer Jury ist so etwas aber natürlich aufgefallen.“

1. Preis für zehnteilige Klinikserie

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Ingo Bach (l.) vom Tagesspiegel mit Jurymitglied und Laudator Michael Jungblut.

Ingo Bach (l.) vom Tagesspiegel mit Jurymitglied und Laudator Michael Jungblut.

„Der Sieger stand nach wenigen Minuten fest. Die gesamte Jury war sich einig“, sagte Jurymitglied Michael Jungblut in seiner Laudatio auf den Sieger des Wettbewerbs, den Tagesspiegel. Die Zeitung überzeugte mit ihrem hervorragenden Konzept eines Klinikführers für Berlin, bei dem Leser erstmals in der Bundesrepublik datengestützte Informationen darüber erhielten, welche Krankenhäuser bei der Behandlung welcher Krankheits­bilder besonders erfolgreich sind. Der Führer erschien an zehn Tagen auf zwei ganzen Seiten, aufbereitet mit verschiedenen Elementen wie Reportagen und Illustrationen. Besonders zu würdigen, so Jungblut, seien drei Leistungen: das Thema überhaupt als solches erkannt, die Kliniken zur Mitarbeit überzeugt und die Informationen höchst professionell aufbereitet zu haben: „Die Serie nützt allen Verbrauchern. Ich bin mir sicher, sie führt zu einem Qualitätswettbewerb unter den Kliniken, besonders, wenn sie wiederholt wird.“ Das versprach Preisträger Ingo Bach vom Tagesspiegel: „Wir arbeiten derzeit mit Hochdruck an einer Neuauflage. Die Veröffentlichung ist für Juni geplant.“

2. Preis für 16-seitiges Magazin

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Ismene Poulakos, Ressortleiterin beim Magazin des Kölner Stadt-Anzeigers, mit Jurymitglied und Laudator Volker Wolff und Stiftungsvorstand Brinkmann.

Ismene Poulakos, Ressortleiterin beim Magazin des Kölner Stadt-Anzeigers, mit Jurymitglied und Laudator Volker Wolff und Stiftungsvorstand Brinkmann.

Auch der 2. Preis ging an eine herausragende Leistung: Der Kölner Stadt-Anzeiger begnügt sich nicht mit einer wöchentlichen oder täglichen Verbraucherseite, er produziert vielmehr ein 16-seitiges Magazin - und das jeden Tag! Die Themenvielfalt, so Jurymitglied Volker Wolff in seiner Laudatio, ist beeindruckend: vom Wohnen im Alter über die optimale Zahnpflege bis hin zu Themen wie „Warum wir im Internet unsere intimsten Geheimnisse verraten“. Schon die exemplarische Aufzählung zeige: Die Palette der Themen wirkt groß und bunt. „Ich darf Ihnen versichern, sie ist viel größer und viel bunter“, zeigte sich Wolff beeindruckt. Ismene Poulakos, Ressortleiterin des Magazins, berichtete von sehr viel positiver Resonanz der Leser, und dankte ihrem „weltbesten“ Team - immerhin besteht es aus elf Menschen. Auch das zeigt den Stellenwert, den die Verbraucher­bericht­erstattung beim Kölner Stadt-Anzeiger genießt.

3. Preis für Verbraucherseite

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Carolin Leins von der Stuttgarter Zeitung mit Jurymitglied und Laudator Hermann-Josef Tenhagen sowie Brinkmann.

Carolin Leins von der Stuttgarter Zeitung mit Jurymitglied und Laudator Hermann-Josef Tenhagen sowie Brinkmann.

Den 3. Preis vergab die Jury für die Verbraucherseite der Stuttgarter Zeitung. Sie sei, so Jurymitglied und Laudator Hermann-Josef Tenhagen klar strukturiert, gefalle durch eine einfallsreiche optische Gestaltung und vor allem mit durch die Bank selbst recherchierten Texten und informativen Interviews. Besonders gefallen hätten die wöchentlichen Kochrezepte von Gourmetköchen. Die hätten die Journalistinnen in der Rubrik „Nachgekocht“ erst einem knallharten Praxistest unterworfen und gleich im Anschluss noch einen anderen prominenten Koch zur Beurteilung gegeben. „Durchgängig wird also eine zweite Quelle befragt“, so Tenhagen, „auch das ist Journalismus vom Feinsten.“ Doch Gutes mache Appetit auf mehr: Die Jury hoffe, dass der Preis dazu beitrage, dass die Verbraucherseite künftig öfter als einmal die Woche erscheine. Diesen Wünschen und Hoffnungen konnte sich die zuständige Redakteurin Carolin Leins nur anschließen.

Die Jury

Mitglieder der Jury waren: Wilm Herlyn, Chefredakteur dpa; Hans-Werner Kilz, Chefredakteur Süddeutsche Zeitung; Annette Milz, Chefredakteurin Medium Magazin; Professor Volker Wolff, Universität Mainz; Michael Jungblut, ehemaliger Hauptabteilungsleiter Wirtschaft beim ZDF; Hubertus Primus, Chefredakteur test; Hermann-Josef Tenhagen, Chefredakteur Finanztest.

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