Es gibt sie überall: begabte junge Fachkräfte, die mehr können, mehr wissen und mehr leisten wollen als andere. Sie in ihrer Weiterbildung zu unterstützen, ist das Ziel der „Stiftung Begabtenförderungswerk berufliche Bildung“ (SBB). Ihre Stipendien sollen einen zusätzlichen Anreiz zur „Karriere mit Lehre“ geben. Dazu standen in den vergangenen beiden Jahren jeweils 14,6 Millionen Euro zur Verfügung, mit denen mehr als 14 500 Teilnehmer gefördert wurden.

Unterstützung bei der „Karriere mit Lehre“

Unterstützt werden Absolventen einer dualen Berufsausbildung, die höchstens 24, in besonderen Ausnahmefällen maximal 27 Jahre alt sein dürfen. Vor allem aber muss eine besondere Begabung erkennen lassen, wer ein Stipendium ergattern will. Das heißt, die Berufsabschlussprüfung muss mit besser als „gut“ bewertet worden sein. Zudem lässt sich die Qualifizierung aber auch durch die besonders erfolgreiche Teilnahme an einem überregionalen beruflichen Leistungswettbewerb oder durch den begründeten Vorschlag eines Betriebes oder der Berufsschule nachweisen. Gefördert werden dann grundsätzlich berufsbegleitende Weiterbildungen, aber auch Arbeitslose können sich bewerben. Dagegen sind Studenten und Akademiker von der Förderung ausgeschlossen, auch ein geringfügiges Beschäftigungsverhältnis von weniger als 15 Stunden Wochenarbeitszeit reicht nicht aus.

Gefördert werden „anspruchsvolle Weiterbildungen“

Wer die hohen Einstiegshürden der SBB nimmt, bekommt als Stipendium maximal 5 400 Euro, in der Regel verteilt auf drei Jahre. Die Gelder dürfen dann für „anspruchsvolle Weiterbildungen“ genutzt werden, wie es bei der SBB heißt. Dazu zählen neben fachübergreifenden Maßnahmen wie EDV-Kursen und Intensiv-Sprachkursen auch fachbezogene Angebote wie beispielsweise Weiterbildungen zum Ausbilder, Meister oder Fachkaufmann sowie fachbezogene Seminare und Lehrgänge. Chemielaborantin Marion Walter beispielsweise besuchte unter anderem die Weiterbildung „Grundlagen in der Proteinreinigung“ und baute ihre Fremdsprachenkenntnisse in Englisch und Italienisch aus. Ihr Fazit: „Beruflich habe ich mich auf jeden Fall weiterentwickelt.“ Noch während des Stipendiums wechselte sie ihren Arbeitgeber und ist mittlerweile in einem mittleren Biotechnologie-Unternehmen im Bereich der Proteinanalytik beschäftigt.

Rund 4800 Stipendiaten im vergangenen Jahr

Im Jahr 2002 wurden 5107 Stipendiaten wie Marion Walter aufgenommen, im vergangenen Jahr waren es rund 4800. Zu den Auserwählten zählte auch Forstwirt Ronny Epple. Er besuchte einen Kletterkurs in der Baumpflege, ließ sich zum Höhenarbeiter im Industriebereich fortbilden und absolvierte zudem die Fortbildung zum Fachagrarwirt für Baumpflege und Baumsanierung. Mittlerweile hat sich Epple mit einer eigenen Firma selbstständig gemacht, für die er als Baumpfleger und Höhenarbeiter in ganz Deutschland und den europäischen Nachbarländern unterwegs ist. „Das Stipendium hat mir geholfen, meine Firma weiter auf- und auszubauen. Jetzt kann ich ein breiteres Angebotsspektrum auf fachlich qualifiziertem Niveau anbieten.“

Regionale Kammern entscheiden über Vergabe

Ins Leben gerufen wurde das Förderprogramm 1991 von der Bundesregierung, die Mittel stellt das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF). Allerdings ist auch die Begabtenförderung nach SBB-Angaben mittlerweile von Kürzungen betroffen. Die Stiftung, deren Träger der Deutsche Industrie- und Handelskammertag, der Deutsche Handwerkskammertag und der Bundesverband der Freien Berufe sind, organisiert das Programm seit 1997 bundesweit. Vergeben werden die Stipendien allerdings von den regionalen Stellen, die die Berufsabschlusszeugnisse der Bewerber ausgestellt haben, zum Beispiel die Industrie- und Handelskammern, die Handwerkskammern oder Landwirtschaftskammern. Sie geben auch weitere Informationen und versenden die Bewerbungsunterlagen. Nur für Interessierte aus Gesundheitsfachberufen ist die SBB direkt zuständig.

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