Schnittig. Mit guten Stichsägen gelingen auch Kurven und Rundungen.

Kabel- und Akkugeräte zu Preisen von 28 bis 545 Euro sägen im großen Vergleichs­test um die Wette. Das billigste endet als gefähr­licher Schrott. Das teuerste schwächelt im Dauer­test. Gute gibts ab 70 Euro.

Die Späne fliegen. In rasantem Tempo frisst sich das scharfzahnige Sägeblatt in Schlangen­linien durch eine Spanplatte. Kaum ist das Ende erreicht, gehts von vorn los, mit Kurven­schnitten und auch gerade­aus. Nach langen 600 Metern Holz und diversen Säge­blatt­wechseln ist die Dauer­prüfung heil über­standen.

Die Mafell P1 cc Maximax könnte jetzt auf die Bestnote hoffen – wäre da nicht ein Klebeband. Damit haben die frustrierten Prüfer zwischen­zeitlich den Ein-Aus-Schalter fixiert, um ihn daran zu hindern, ihre Arbeit immer wieder zu sabotieren: Der sensible Schalter neigt dazu, die Säge des öfteren mitten im Schnitt abrupt zum Still­stand zu bringen.

Angesichts des „Maximax-Preises“ von 545 Euro ist ein solcher Ab-Schalter besonders ärgerlich. Wir entdeckten ihn bei zwei von drei gekauften Exemplaren. Die Note für die Halt­barkeit lautet für das Mafell-Gerät unterm Strich daher befriedigend.

Von sehr gut bis mangelhaft

Insgesamt stehen 19 Stichsägen auf dem Prüf­stand, darunter 3 mit Akku. Große Unterschiede zeigen sich beim Sägen, in der Hand­habung und im Dauer­test. Zwei Modelle teilen sich den Platz ganz oben auf dem Siegertrepp­chen: Festool Trion PS 300 EQ-Plus und Makita 4351 FCTJ erzielen das test-Qualitäts­urteil sehr gut. Zwei relativ preis­werte Stichsägen schaffen ein Gut. Vier Geräte schneiden ausreichend ab, zwei sind mangelhaft. Sie sägen schwächlich, arbeiten unpräzise oder halten im Dauer­test nicht lange durch. Eine ist sogar gefähr­lich.

Profi- kontra Heim­werk­ermodelle

Stichsägen zählen zu den Lieblingen in Werk­statt und Hobby­keller. Pro Jahr verkaufen Baumärkte und Fachhändler in Deutsch­land mehrere Hundert­tausend Exemplare. Die Allrounder unter den Sägen eignen sich für gerade, wink­lige und kurvige Schnitte. Die meisten Käufer zahlen dafür weniger als 100 Euro. Ambitionierte Bastler greifen gern auch zu „edleren“ Werk­zeugen.

Im Test prüften wir daher nicht nur 13 Heim­werker-, sondern auch sechs Profimodelle, die mehr als 180 Euro kosten. Ausgewählt haben wir neben Mafell auch die Marken AEG, Festool, Makita, Metabo und Bosch („blaue Linie“) – und zwar in läng­licher Form (Stabform). Die soll das gezielte Führen mit zwei Händen erleichtern.

Den höheren Preis sieht man den Profigeräten auf den ersten Blick kaum an. In Größe, Funk­tion und Bedienung ähneln sie den Heim­werk­ermodellen.

Schneller mit Pendelhub

Bei allen 19 Test­kandidaten kann der Nutzer die Pendelhub-Funk­tion akti­vieren: Das scharfe Sägeblatt saust dann nicht nur auf und nieder, sondern drückt – bei der Aufwärts­bewegung – zusätzlich nach vorn.

Tipp: Möchten Sie möglichst schnell sägen, sollten Sie den Pendelhub nutzen. Bei unseren Prüfungen reduzierte die höchste Stufe des Pendelhubs die Säge­zeiten oft um etwa die Hälfte.

Dreimal so lange bis ans Ziel

Entscheidend für Qualität sind die inneren Werte. Wie gut Motor, Getriebe und Säge­blatt­führung funk­tionieren, zeigen unsere Prüf­protokolle. So sind die Unterschiede zwischen den Geräten beim Sägen mit Pendelhub enorm. Mit der blauen Bosch und ähnlich starken Sägen durch­trennen unsere Prüfer die relativ harten „Mittel­dichten Faser“-(MDF-)Platten wie Butter. Mit der Skil 4381AA brauchen sie für gleiche Schnitte mehr als dreimal so lange.

Mit ausgeschaltetem Pendelhub sägen naturgemäß alle Maschinen lang­samer, die Schwächlinge im Test­feld tun sich dann aber besonders schwer. Die Stichsägen mit Kabel von MyTool, Ryobi und Worx schaffen in diesem Prüf­punkt nur die Note ausreichend, die Skil sogar nur ein Mangelhaft. Kommentar der Prüfer: „Für Hart­holz, Küchen­arbeits­platten und andere anspruchs­volle Materialien sind solche Sägen kaum zu gebrauchen.“

Lange Sägedauer strapaziert nicht nur die Nerven der Heim­werker, sondern lässt auch Sägeblätter schneller verschleißen. Sie erhitzen sich etwa bei Kurven­schnitten mitunter so stark, dass das Holz zu qualmen beginnt und sich die Oberfläche dunkel färbt. Je stumpfer das Blatt, desto stärker wirkt dieser Effekt.

Tipp: Obwohl Stichsägen ohne Pendelhub lang­samer arbeiten, sollten Sie ihn bei vielen Arbeiten reduzieren oder ganz abschalten. Zum Beispiel, wenn es auf einen sehr sauberen Schnitt ankommt. Ohne Pendelhub heben die Sägezähne in der Schnitt­zone relativ kleine Späne ab und die Oberfläche reißt weniger auf.

Unten hui und oben pfui

Das Schnitt­bild bewerten wir nur anhand von Werk­stücken, bei denen die Prüfer den Pendelhub abge­schaltet haben. Dass dabei die Holz­unterseite immer besser aussieht als die Oberseite, hat seinen Grund: Die Sägezähne sind so geformt, dass sie die Späne in der Aufwärts­bewegung abheben und Splitter am ehesten nach oben heraus­reißen.

Tipp: Schonen Sie die Holz­seite, die später sicht­bar sein wird, und drehen Sie diese beim Sägen einfach nach unten. Zeichnen Sie die Schnitt­linie also quasi auf der Rück­seite an. So bleibt die Oberseite unver­sehrt. Dieser Trick nutzt bei drei Geräten­allerdings wenig: BeiLux, MyTool und Ryobi RJS1050-K sieht das Schnitt­bild auch auf der Unterseite mitunter kaum besser aus.

Krumm und schief

Lux und MyTool enttäuschen auch in anderer Hinsicht, ebenso wie Black+Decker und GoOn: Im Test sind die Schnitt­kanten oft etwas schief. Zum Beispiel weichen sie von angepeilten 90 Grad um mehrere Grad ab. Da kann der Heim­werker dann noch so exakt messen, anzeichnen und zielen – an der Unterseite des Werk­stücks ergeben sich ganz andere Maße. Im schlimmsten Fall ist dann die ganze Mühe vergeblich und das Werk­stück ein Fall für die Müll­tonne.

Präzise Schnitte können auch mit den Modellen von Black+Decker und Worx schwierig werden. Die Sägeblätter sind gegen­über der Längs­achse der Maschine etwas verdreht. Unsere Prüfer ermittelten eine Abweichung von mehreren Grad. Will der Nutzer mit solchen Werk­zeugen gerade­aus sägen, muss er sie schräg halten.

Tipp: Laufen Sägeblatt und Grund­platte parallel, lassen sich mit einem Trick schöne gerade Schnitte erzielen. Befestigen Sie mit Schraub­zwingen zum Beispiel eine Alulatte auf dem Werk­stück und führen Sie die Säge an deren Kante entlang.

Mit Murx-Blättern ausgeliefert

Um die Maschinen optimal miteinander vergleichen zu können, montierten unsere Prüfer an allen Sägen gleich­artige, hoch­wertige Sägeblätter. Zusätzlich kontrollierten sie aber auch die von den Anbietern beigefügten Exemplare. Ergebnis: MyTool und Ryobi brauchen mit den haus­eigenen Sägeblättern deutlich länger, um sich – mit Pendelhub – durch eine MDF-Platte zu quälen. Mit solchen Geschenken tut der Anbieter dem Kunden keinen Gefallen.

Hand­habung meist einfach

Risiko. Die GoOn von Hagebau über­lebte den Fall­test nicht. Danach sind stromführende Teile berühr­bar.

Risiko. Die GoOn von Hagebau über­lebte den Fall­test nicht. Danach sind stromführende Teile berühr­bar.

Im Praxis­test erweisen sich die meisten Modelle als recht bedienungs­freundlich. So lässt sich das Sägeblatt fast immer ohne Werk­zeug einsetzen. Dafür reicht ein Hebel­druck. Früher war es üblich, dafür einen Imbus­schlüssel hervorzukramen und zu schrauben. Das ist jetzt nur noch bei Skil und GoOn erforderlich.

Fast alle Sägen verfügen über ein Gebläse, das mit seinem kräftigen Luft­strom die Späne aus dem Arbeits­bereich pustet. Anders bei den Akku-Modellen. Bei der Einhell TE-JS 18 LI fehlt diese Funk­tion völlig und auch bei den beiden anderen Kabellosen trübten Späne den Blick auf die Schnitt­linie.

Wenn der Akku streikt

Bei Prüfungen der Ryobi R18JS stießen die Tester auf ein weiteres Problem: Nach nur vierminütiger Säge­zeit in Spanplatte tritt die Maschine plötzlich in Streik – trotz vorheriger Voll­ladung des Akkus. Ist kein Wechselakku zur Hand, muss der Heim­werker jetzt eine Zwangs­pause einlegen.

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