Steuer­vorteile für Solar­anlagen: Steuern sparen mit Photovoltaik

Während die Vergütung für den Strom bröckelt, sparen Besitzer von Solar­anlagen weiter ungebremst Steuern.

Jeder Monat zählt. Haben Eigentümer ihre Photovoltaikanlage im April in Betrieb genommen, erhalten sie noch 20 Jahre lang 19,50 Cent die Kilowatt­stunde für den ins Netz einge­speisten Strom. Im Oktober sind es nur noch 18,36 Cent. Was ab November kommt, ist offen. Für selbst­verbrauchten Strom gibt es gar kein Geld mehr, wenn Anlagen bis 10 Kilowatt Spitzen­leistung frühestens seit April laufen.

Trotzdem kann sich der Kauf lohnen. Die Kauf­preise sinken und das Finanz­amt sponsert den Betrieb 20 Jahre lang. Die ersten Steuern sparen Haus­eigentümer schon vor dem Kauf. Danach können sie tausende Euro Umsatz­steuer zurück­holen. Später schreiben sie ihre Anlage viele Jahre ab.

Jeder muss allerdings bei der Steuer­abrechnung aufpassen. Leicht ist Geld verschenkt. Wir zeigen, worauf es ankommt.

1. Tipps für die Planung

Die Solar­anlage auf dem Dach macht Haus­eigentümer zu Unternehmern.

Investitions­abzugs­betrag. Sie können deshalb einen Investitions­abzugs­betrag beantragen und 40 Prozent vom Kauf­preis als Betriebs­ausgabe absetzen. Das ist schon für das Jahr möglich, in dem die Module bestellt sind oder die Investitions­absicht fest­steht (BFH, Az. X R 42/11). Spätestens drei Jahre danach muss die Anlage gekauft sein.

Beispiel: Das Ehepaar Huber hat im Dezember 2011 eine Anlage mit 10 Kilowatt (kW) Spitzen­leistung für 20 000 Euro bestellt. Dazu kommen 3 800 Euro Umsatz­steuer. Die Installation war dieses Jahr im Januar.

Schon in der Steuererklärung 2011 haben Hubers in der Anlage G Betriebs­ausgaben von 8 000 Euro (40 Prozent von 20 000 Euro) angegeben. Die zieht das Finanz­amt von ihren Einkünften als Arbeitnehmer ab – obwohl beide 2011 für die Solar­anlage keinen Cent angezahlt haben. Sie sparen mit Solidaritäts­zuschlag 2 393 Euro Steuern, wenn sie ohne den Investitions­abzugs­betrag 50 000 Euro versteuern müssten.

Tipp: Je früher Sie den Investitions­abzugs­betrag beantragen, desto eher ist die erste Steuerersparnis auf dem Konto.

Dachsanierung. Ehe Eigentümer eine Solar­anlage kaufen, lohnen sich auch ein paar tech­nische Über­legungen. Sanieren sie das Dach vor der Installation, können sie die Kosten nicht als Betriebs­ausgaben absetzen – auch nicht für die Fläche, auf der sie die Anlage platzieren.

Es sei denn, Anlagen sind ins Dach integriert, wie Solardachziegel, Solardachfolien oder Dachziegel mit einge­bauten Photovoltaikmodulen. Die Kosten dafür erkennt das Finanz­amt voll als Betriebs­ausgaben an – auch wenn die Ziegel einen Teil des alten Dachs ersetzen (Bayerisches Landes­amt für Steuern, Az. S 2190.1.1–1/3 St 32).

Tipp: Sie sparen aber auch mit Sanierungs­kosten Steuern, die Sie nicht als Betriebs­ausgaben absetzen können. Das Finanz­amt erkennt im Mantelbogen zur Steuererklärung die Ausgaben für die Hand­werk­erleistung im Haushalt an. 20 Prozent, aber maximal 1 200 Euro im Jahr, gehen von Ihrer Einkommensteuer ab.

2. Tipps für den Start

Ist die Solar­anlage in Betrieb, erhalten Besitzer die ersten Vergütungen für den Strom, den sie ins Netz einspeisen. Meist ist es günstig, wenn sie einen Teil ihres Solar­stroms selbst verbrauchen. Auch dafür gibt es Vergütungen, wenn die Anlage vor April in Betrieb war.

Beispiel: Hubers Anlage läuft seit Januar. Das Paar wird dieses Jahr 8 000 Kilowatt­stunden ins Netz einspeisen und 1 954,40 (8 000 24,43) Euro vergütet bekommen. Zusätzlich werden Hubers dafür 371,34 Euro (19 Prozent) Umsatz­steuer einnehmen. 1 000 Kilowatt­stunden Strom nutzt das Paar selbst. Dafür vergütet der Netz­betreiber 80,50 (1 000 8,o5) Euro plus 15,30 Euro (19 Prozent) Umsatz­steuer.

Solar­anlagen­besitzer wie Hubers betreiben ein Gewerbe. Bei der Gemeinde müssen sie ihren Betrieb zwar in der Regel nicht anmelden, aber beim Finanz­amt. Das schickt ihnen einen Gründerfragebogen zu.

Gewinn­erwartung. Tückisch ist darin die Frage, welcher Gewinn erwartet wird. Wer in den ersten Jahren hohe schwarze Zahlen prognostiziert, löst Steuer­voraus­zahlungen aus. Besser ist, wenn im Fragebogen Anfangs­verluste stehen. Sie sind üblich.

Klein­unternehmer. Bei der Frage, ob Solar­anlagen­besitzer als Klein­unternehmer behandelt werden wollen, sollten sie Nein ankreuzen. Nur so erstattet das Finanz­amt die 19 Prozent Umsatz­steuer (Vorsteuer), die sie vor allem für die Anschaffungs-, Betriebs- und Reparatur­kosten zahlen müssen. Sie nehmen dann auch Umsatz­steuer für den ans Netz abge­gegebenen und selbst­verbrauchten Strom ein. Die müssen sie einfach nur an das Finanz­amt weiterleiten.

Beispiel: Hubers Anlage hat 20 000 Euro plus 3 800 Euro Umsatz­steuer gekostet. Die Umsatz­steuer hat das Finanz­amt schon erstattet, da das Paar Umsatz­steuer­vor­anmeldungen abgibt.

Für den ins Netz einge­speisten Strom werden Hubers 371,34 Euro Umsatz­steuer einnehmen und an das Finanz­amt weiterleiten, für den selbst­verbrauchten Strom 15,30 Euro. Das sind zusammen 386,64 Euro.

2012 wird der Fiskus mit der Umsatz­steuer für die Anlage von 3 800 Euro, die der Hand­werker weitergibt, 4 186,64 Euro erhalten.

Außerdem müssen Hubers noch Umsatz­steuer auf die Differenz zwischen der Einspeise­vergütung und der Vergütung für den selbst­verbrauchten Strom zahlen.

Beispiel: Hubers nutzen 1 000 Kilowatt­stunden selbst. Da das weniger als 30 Prozent des produzierten Stroms ist, beträgt die Umsatz­steuer je Kilowatt­stunde 3,11 Cent:

Für den eigenen Verbrauch zahlen Hubers also noch 31,10 Euro Umsatz­steuer an das Finanz­amt. Als Endverbraucher bekommen sie diesen Betrag nicht zurück, müssen ihn aber als Betriebs­einnahme angeben.

Die Umsatz­steuer für die Anlage von 3 800 Euro wird um 417,74 (386,64 + 31,10) Euro gekürzt. Die Differenz von 3 382,26 Euro bekommen Hubers erstattet.

3. Tipps zur Steuer­abrechnung

Lassen Anlagen­besitzer sich nicht als Klein­unternehmer einstufen, sind sie daran fünf Jahre gebunden. Meist fordert das Finanz­amt von ihnen die ersten zwei Jahre jeden Monat eine Umsatz­steuer­vor­anmeldung. Auch zur Einkommen- und Umsatz­steuererklärung sind sie verpflichtet.

Umsatz­steuer. Umsatz­steuer erstattet das Finanz­amt sogar, wenn vor der Installation der Solar­anlage das Dach saniert wird, obwohl die Sanierungs­kosten selbst keine Betriebs­ausgaben sind. 19 Prozent gibt es für die Kosten der Fläche zurück, auf der die Fotovoltaikanlage vorgesehen ist.

Die Berechnung ist allerdings ziemlich wirk­lich­keits­fremd. Sie geht von der Miete aus, die Eigentümer nehmen könnten, wenn sie das Gebäude und das Dach vermieten würden (BFH, Az. XI R 26/11). Für die mit der Fotovoltaikanlage bebaute Fläche akzeptiert das Finanz­amt monatlich 3 Euro Miete pro Quadrat­meter, der Rest muss mit Markt­daten selbst geschätzt werden.

Beispiel: Hubers haben ihr 180 Quadrat­meter großes Hausdach 2011 für 8 000 Euro plus 1 520 Euro Umsatz­steuer sanieren lassen. Die Dach­fläche für die Solar­anlage beträgt 90 Quadrat­meter, die Wohn­fläche des Hauses 120 Quadrat­meter. So hoch ist die fiktive Jahres­miete:

Die Miete für die Dachhälfte mit der Solar­anlage beträgt 17,30 Prozent von der Gesamt­miete (3 240  100 :  18 720). Hubers erhalten deshalb 262,96 Euro (17,30 Prozent) der 1 520 Euro hohen Umsatz­steuer erstattet.

Die Sanierungs­kosten selbst geben Solar­anlagen­besitzer in diesem Fall als Hand­werk­erleistung in der Steuererklärung an. Für die Fläche der Fotovoltaikanlage zählen sie ohne und für das restliche Dach mit Umsatz­steuer, wenn die Klein­unternehmer­regelung nicht gilt.

Gewinn oder Verlust. Nach dem Kauf müssen Solar­anlagen­besitzer das erste Mal ihren Gewinn oder Verlust ermitteln. Da die Vergütung für den einge­speisten Strom meist nicht über 17 500 Euro im Jahr liegt, reicht eine formlose Anlage, auf der sie ihre Betriebs­einnahmen und Betriebs­ausgaben notieren. Die Differenz ist der Gewinn oder Verlust, der in die Anlage G zur Steuererklärung gehört.

Die Rechnung rechts zeigt, was zu den Betriebs­einnahmen und zu den Betriebs­ausgaben gehört. Als Einnahme geben Hubers neben der Vergütung für die 1 000 kWh selbst­verbrauchten Strom auch den restlichen Wert für den eigenen Strom­verbrauch an (Einspeise­vergütung minus Vergütung für verbrauchten Strom). Für beide Posten kommt jeweils die Umsatz­steuer hinzu.

4. Tipps zur Abschreibung

Nach der Anschaffung beginnt im Monat des Kaufs die Abschreibung der Anlage.

Investitions­abzugs­betrag. Hat das Finanz­amt einen Investitions­abzugs­betrag anerkannt, zählt dieser im Jahr des Kaufs zu den Betriebs­einnahmen. Er taucht auf der anderen Seite als Betriebs­ausgabe auf und senkt den Kauf­preis der Anlage, der abge­schrieben wird. So bleibt die Steuerersparnis aus der Zeit vor dem Kauf erhalten.

Sonder­abschreibung. Auf Wunsch können Solar­anlagen­besitzer anfangs zusätzlich 20 Prozent der Anschaffungs­kosten als Sonder­abschreibung absetzen – sofort oder beliebig über bis zu fünf Jahre verteilt.

Beispiel: Hubers Solar­anlage kostet netto 20 000 Euro. Davon haben beide schon 8 000 Euro (40 Prozent) als Investitions­abzug­betrag abge­setzt. Die restlichen 12 000 Euro schreibt das Paar über 20 Jahre ab. Wurde die Anlage im Januar gekauft, beträgt die Rate 600 Euro. Zusätzlich machen Hubers sofort 2 400 Euro (20 Prozent) Sonder­abschreibung geltend. Das Paar schreibt 2012 insgesamt 3 000 Euro ab. Durch die Sonder­abschreibung machen die Eheleute rund 945 Euro Verlust.

Tipp: Sonder­abschreibung und Investitions­abzugs­betrag bekamen Sie früher nur, wenn Sie höchs­tens 10 Prozent Ihres Solar­stroms privat nutzten. Die Ober­finanzdirektion Nieder­sachsen hat verfügt, dass diese Einschränkung nicht mehr gilt (Verfügung vom 26.3.2012, Az. S 2183b – 42 – St 226).

Nach fünf Jahren ermitteln Eigentümer den Rest­wert ihrer Solar­anlage, wenn sie die Sonder­abschreibung bean­sprucht haben.

Beispiel: Hubers Rest­wert beträgt:

Den Rest­wert von 6 600 Euro schreibt unser Ehepaar bis 2031 mit 440 Euro im Jahr ab.

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