Schließen zwei den Bund fürs Leben, sparen sie oft viel Steuern. Davon profitieren einge­tragene Lebens­partner jetzt wie Ehepaare.

Heiraten kann viel Geld wert sein: Ehepartner dürfen sich große Vermögen steuerfrei vermachen, und viele zahlen weniger Einkommensteuer als zuvor. Das gilt jetzt auch für Homo­sexuelle, die im Standes­amt eine Lebens­part­nerschaft schließen. Seit Juni sind sie in Sachen Gleichberechtigung einen großen Schritt weiter: Das Bundes­verfassungs­gericht hat ihnen den Splitting­tarif für Ehepaare zugesprochen. Das Gesetz dafür ist durch und die Finanz­ämter stellen sich darauf ein.

Wie viel der Splitting­tarif bringt

Mehr als 1000 Euro im Jahr beträgt die Steuerersparnis für Aline Klett und Arne Sprung: Beide profitieren seit ihrer Heirat im Juni vom Splitting­tarif für Paare.

Der Splitting­tarif sorgt dafür, dass Partner, die unterschiedlich viel Einkommen versteuern, nach dem Jawort weniger Steuern zahlen müssen. So rechnet das Finanz­amt: Vom gemein­samen Einkommen zählt nur die Hälfte. Die Einkommensteuer dafür wird wie für Allein­stehende berechnet und dann verdoppelt. Das Ergebnis ist die Steuer nach dem Splitting­tarif für Ehepaare.

Je weiter beide Einkommen auseinander­liegen, desto größer ist der Gewinn siehe Tabelle Ersparnis 2013.

Beispiel: Verdient einer allein und der andere gar nichts, bringt der Splitting­tarif am meisten. Für 100 000 Euro zu versteuerndes Einkommen sparen beide 8 607 Euro Einkommensteuer und Solidaritäts­zuschlag. Steuert der Besserverdienende 60 000 Euro und der andere 40 000 Euro zum gemein­samen Einkommen bei, sinkt der Vorteil auf 360 Euro. Sind beide Einkommen gleich, bringt der Splitting­tarif beim Finanz­amt über­haupt nichts.

Der Weg zum Geld

Bei der Jahres­abrechnung erhalten Paare den Splitting­tarif so: Sie geben gemein­sam eine Einkommensteuererklärung ab und kreuzen im Mantelbogen die Zusammen­ver­anlagung an.

Auch vom Standes­amt anerkannte Lebens­partner haben das in den letzten Jahren schon getan und Einspruch gegen ihren Steuer­bescheid einge­legt, als das Finanz­amt die Zusammen­ver­anlagung verweigerte:

  • Haben sie mit dem Einspruch die „Aussetzung der Voll­ziehung“ beantragt, ist ihr Einkommen meist vorläufig nach dem Splitting­tarif versteuert worden. In diesem Fall erhalten sie in nächster Zeit für alle fraglichen Jahre endgültige Einkommensteuer­bescheide.
  • Haben sie ihre Steuer­bescheide per Einspruch offen­gehalten, aber keinen Antrag auf Aussetzung der Voll­ziehung gestellt, zahlt das Finanz­amt ihnen den Splittinggewinn demnächst auto­matisch nach.

Manchmal sind Steuer­bescheide auch aus anderen Gründen offen­geblieben. Dann können Homo­sexuelle die Zusammen­ver­anlagung mit dem gesetzlichen Lebens­partner noch nach­träglich beantragen.

Gegen Steuer­bescheide, die ihnen erst noch zugehen, sollten sie inner­halb eines Monats Einspruch einlegen und darin den Splitting­tarif fordern.

Steuerklassen wechseln

Arbeitnehmer können den Splitting­vorteil schon bei der Lohn­abrechnung bekommen.

  • Verdient einer allein, nimmt er die Steuerklasse III, wenn der Splitting­vorteil voll durch­schlagen soll.
  • Steuert einer mindestens 60 Prozent zum gemein­samen Brutto­lohn bei, kann er die Steuerklasse III und der andere die Steuerklasse V wählen. Bei dieser Kombination stimmt der monatliche Splitting­vorteil oft aber nur ungefähr, sodass die Finanz­ämter manchmal Geld nach­fordern.
  • Am genauesten wirkt sich der Splitting­vorteil aus, wenn jeder Partner sich für die Steuerklasse IV mit Faktor entscheidet. Dafür müssen beide beim Finanz­amt das Gehalt angeben, das sie 2013 erwarten.

Ein Steuerklassen­wechsel ist jedes Jahr bis 30. November beim Finanz­amt möglich.

Mehr Vermögen steuerfrei

Groß sind nach dem Jawort auch die Vermögens­vorteile für Paare.

Erbschaft und Schenkung. Jeder, der eine Ehe oder Lebens­part­nerschaft eingeht, bekommt für Erbschaften oder Schenkungen vom Partner einen Frei­betrag von 500 000 Euro statt sonst 20 000 Euro.

Im Todes­fall kommt ein Versorgungs­frei­betrag von 256 000 Euro dazu. Dieser Betrag wird um Versorgungs­bezüge gekürzt, die nicht der Erbschaft­steuer unterliegen. Der Gang zum Standes­amt sorgt außerdem dafür, dass geerbter Hausrat bis zum Wert von 41 000 Euro steuerfrei bleibt.

Selbst für das Vermögen, das bleibt, wenn alle Frei­beträge und Verbindlich­keiten abge­zogen sind, zahlen Ehe- und Lebens­partner viel weniger Schenkung- oder Erbschaft­steuer als Allein­stehende.

Beispiel: Erbt ein Partner vom anderen nach Abzug der Frei­beträge 75 000 Euro, beträgt sein Steu­ersatz nur 7 Prozent. Ohne Gang zum Standes­amt muss er mit 30 Prozent rechnen und 17 250 Euro mehr Erbschaft­steuer zahlen.

Auch wenn größere Vermögen steuer­pflichtig sind, liegen die Steuersätze weit auseinander:

Familien­wohnung. Bekommen Ehepartner oder gesetzliche Lebens­partner vom anderen zu Lebzeiten die Familien­wohnung geschenkt, zahlen sie beim Finanz­amt keine Schenkung­steuer. Sie müssen auch nicht ihren Frei­betrag einsetzen.

Erben sie vom Partner dessen selbst bewohnte Immobilie und leben sie danach dort mindestens zehn Jahre, ist das Erbe ebenfalls steuerfrei und der Frei­betrag für Erbschaften bleibt unangetastet.

Grund­erwerb­steuer. Ein Partner kann dem anderen Immobilien abkaufen, ohne dass Grunderwerbsteuer fällig wird. In den meisten Bundes­ländern beträgt sie 5 Prozent. Für eine Eigenheimhälfte, die 100 000 Euro kostet, würde das Finanz­amt 5 000 Euro fordern. Dieser Betrag entfällt.

Homo­sexuelle können noch in allen nicht bestands­kräftigen Fällen seit Beginn ihrer Lebens­part­nerschaft fordern, dass sie für Immobilienkäufe vom Partner keine Grund­erwerb­steuer zahlen. Das steht im Amts­hilfe­richt­linie-Umsetzungs­gesetz, das im Juni den Bundes­rat passiert hat.

Was die Vorteile durch den Bund fürs Leben wert sind, zeigen auch die Schät­zungen im neuen Gesetz zum Splitting­tarif: Für die rück­wirkende Gleich­stellung von Lebens­part­nern mit der Ehe wird der Staat etwa 150 Millionen Euro ausgeben. Künftig sollen es 55 Millionen Euro im Jahr sein.

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